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03.07.1987 - 

Datenbank mit Fernabfrage für eidgenössische Parlamentarier:

Abgeordnete mit Schlafmütze am Terminal

BERN (CWS) - Noch mindestens zwei bis drei Jahre wird es gehen, bis die eidgenössischen Parlamentarier zuhause am Terminal Polit-Informationen aus dem Bundesparlament abrufen können.

Thomas Koch, Chef der Informatik-Abteilung in der Bundeskanzlei, rechnet bei dem Berner DV-Projekt mit Kosten von 1,5 bis zwei Millionen Franken. Das Konzept einer Geschäftsdatenbank, die sämtliche Angaben über parlamentarische Vorgänge enthält, steht bereits; ab Anfang 1988 werden einzelne Applikationsteile getestet.

Der zuständigen Arbeitsgruppe unter Bundespräsident Walter Buser schwebt eine dreiteilige Datei vor, die dereinst den Informationshunger der helvetischen Volksvertreter stillen soll. Sie umfaßt die Bereiche Generalsekretariate /Departemente -Bundeskanzlei - Parlamentsdienste.

Damit sich nicht unberufene "Datenbank-Knackis" aus dem Familien- und Bekanntenkreis der Parlamentarier mit dem Paßwort Staatsgeheimnisse aneignen können - wie sie zuweilen auch in Kehrichtsäcken vor Bundesämtern zu finden sind, wird der Datensicherheit ein besonderes Augenmerk gewidmet. Das erfordert laut Koch die Entwicklung bundeseigener Hardware.

Der Online-Zugriff durch die Parlamentarier wird nicht stückweise realisiert, sondern kommt erst, wenn die dreiteilige Datei, gespeist mit interessantem Datenmaterial, komplett ist. Da aufgrund ausländischer Erfahrungen damit gerechnet werden muß, daß es pro 40 Benutzer einen Betreuer braucht werden, je nach Zuspruch, vier bis sechs zusätzliche Stellen bewilligt werden müssen. Nicht zu vergessen ist dabei ein Bereitschaftsdienst damit sich bettflüchtige Parlamentarier auch mit der Schlafmütze erfolgversprechend an ihr Heimterminal setzen können.

Das Büro des Nationalrates hat auf ein Postulat der sozialdemokratischen Nationalrätin Angeline Fankhauser vergangene Woche geantwortet: "Es erscheint dem Büro in der heutigen Situation verfrüht, den Ratsmitgliedern oder weiteren Interessenten (Fraktions- und Parteisekretariate, Journalisten, die Red.) Zugang zu den bestehenden Datenbanken zu verschaffen. Diese Datenbanken werden weiterentwickelt und sind noch Pilotprojekte." Fankhauser hatte angeregt, daß die Parlamentarier "auf Wunsch mit modernen Geräten ausgerüstet würden," die sowohl im Bundesparlament als auch außerhalb davon (Domizil, Arbeitsort etc.) einsetzbar sein und den direkten Zugang zu den Dokumentations-Datenbanken ermöglichen sollen". In ähnlichem Sinn war bereits vorher CVP-Nationalrat Hugo Wick aktiv geworden.

Ausländische Vorbilder zeigen, daß sich nur etwa ein Drittel der Parlamentarier für diese Dienstleistung interessiert. Ein Grund für die bescheidene Nachfrage dürfte in der chronischen Überalterung der Parlamente zu suchen sein.