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08.01.1982

Abhängigkeit von der Datenverarbeitung schafft Unbehagen

Nicht mehr als "Mädchen für alle EDV- unterstützten Tätigkeiten" sieht Professor Wolfgang Janko die DV-Abteilung. Statt dessen müsse sich eine zweckorientierte Planung durchsetzen. "Die Bedeutung der Datenverarbeitung für den Unternehmenserfolg", meint Gerhard Aichberger, "wird heute sicher besser erkannt." Doch seien die meisten Unternehmen noch weit davon entfernt, befriedigende Ergebnisse zu erzielen. Harald Tas spricht sich dafür aus, die DV nicht zu benutzen, um den Fachabteilungen irgendwelche Lösungen aufs Auge zu drücken. Und das ein Unternehmen bis zu einem gewissen Grad von Spezialisten abhängt, schreckt ihn nicht: "Jeder ist ersetzbar."

Gerhard Aichberger Senior Berater, Arthur Andersen & Co. Unternehmensberatung GmbH, Frankfurt

Daß die EDV in eine dominierende Position im Unternehmen gelangt ist und das Unternehmen von der EDV abhängt, kann verallgemeinert nicht behauptet werden: Es ist ja gerade das Wesen des Unternehmens, daß durch das Zusammenwirken aller Funktionen und Faktoren ein Erfolg erwirtschaftet wird. Ähnliche Behauptungen könnte jeder Funktionsbereich eines Unternehmens für sich aufstellen.

Die Position der EDV in einem Unternehmen ist heute meist noch von individuellen Faktoren, wie Organisationsstruktur, historische DV-Entwicklungen und -Erfahrungen, Personen beeinflußt. Für einige Unternehmen hat diese Art der Entwicklung (bottom up) durchaus positive Ergebnisse gebracht. In der Praxis wird diese historische Entwicklung jedoch häufig als Grund für die Mängel im Rollenverständnis zwischen Management, Anwender und EDV herangezogen.

Mit der wachsenden Erkenntnis über den enormen Wert der im Computer geführten Daten- und Informationsbestände steigt die EDV-Wertschätzung vor allem auf der Management-Ebene.

Damit wächst auch die Tendenz der Unternehmensleitungen, den EDV-Bereich kritischer zu betrachten, speziell unter dem Blickpunkt, welchen Beitrag diese Funktion zum Gesamtunternehmenserfolg leisten kann.

Bei unseren Projekten mit der Zielsetzung "Strategische Informationsplanung" werden die zukünftigen Anwendungsbereiche konzeptionell mit ihren Prioritäten erarbeitet. Gerade bei größeren EDV-Anwendern ist die Entwicklung von Anwendungssystemen im allgemeinen komplex, hat weitreichende Konsequenzen und erfordert daher eine langfristige und gründliche Planung. In die Planung einzubeziehen sind wesentliche Komponenten, wie Unternehmensplan und Informationsbedarf sowie auf der technischen Ebene Hardware- und Softwaretrends, Methoden und Techniken und auch Organisations- und Mitarbeiterstrukturen.

Dieser kurze Abriß über die strategische Informationsplanung soll die Erkenntnis verdeutlichen, daß der EDV-Bereich im verstärkten Maße unter Einschaltung der Geschäftsleitung in die Gesamtorganisation vieler Unternehmen eingeplant und integriert wird. Bei dieser strategisch beeinflußten Vorgehensweise wird auch ein altes Problem besser gelöst, nämlich die Einbeziehung und Mitarbeit der Anwender bereits im Planungsstadium von Anwendungssystemen. Mit dieser etwas vorsichtigen Formulierung sollen die immer noch bestehenden Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Anwender und EDV nicht verniedlicht werden.

Konsequente Planung, Anwendung von konsistenten Methoden etc. bilden die wirklichen Schlüssel für einen dem jeweiligen Unternehmen angepaßten Integrationsgrad der EDV mit entsprechendem Leistungs- und Informationspotential.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Bedeutung der EDV für den Unternehmenserfolg heute sicher besser erkannt wird und auch in der Unternehmensplanung besser berücksichtigt wird. Die meisten Unternehmen sind aber noch weit davon entfernt, befriedigende Ergebnisse erzielt zu haben.

Harald Tas Leiter Org./DV, Schade + Füllgrabe, Frankfurt

Betrachtet man die Entwicklung der Datenverarbeitung während der letzten fünf Jahre, so wird man feststellen, daß die klassischen Anwendungen wie Lohn und Gehalt und Rechnungswesen in den Hintergrund gerückt, beziehungsweise Routine geworden sind. Auf Grund des Preisverfalls bei der Hardware und der Verfügbarkeit neuer komfortabler Betriebssysteme und dazugehöriger Systemsoftware wie zum Beispiel TP-Monitore, Datenbanksysteme und Leitungsprozeduren haben sich die Anwendungsschwerpunkte immer mehr in Richtung auf DB- und DC-Systeme verlagert. Das heißt die Datenverarbeitung rückt immer mehr an den Arbeitsplatz des einzelnen Sachbearbeiters und muß somit in der Lage sein, entsprechend höhere Anforderungen zu erfüllen.

Man entwickelt in zunehmendem Mäße Realtime-Anwendungen, die entsprechend höhere Qualifikation des EDV-Personals voraussetzen und, teilweise den Einsatz von Rechnerverbundsystemen zur Sicherstellung einer hohen Verfügbarkeit erforderlich machen. Begriffe wie "verteilte Intelligenz", "verteilte Datenbanken" und "lnformationsmanagement" sind keine Schlagworte mehr, sondern werden schrittweise eingeführt und somit Realität. Unternehmen, die ihre Abwicklung durch den Einsatz derartiger Systeme effizienter und komfortabler gestalten, hängen natürlich im Verhältnis zum Grad der Automation, der erreicht wurde, von der Datenverarbeitung ab.

Diese Aussage trifft auch in abgeschwächter Form für Betriebe zu, die zeitkritische Anwendungen in der Massenverarbeitung in einem Batchbetrieb abwickeln müssen.

Somit bin ich der Meinung, daß die Datenverarbeitung im Verhältnis zu früher eine dominierende Rolle im Unternehmen eingenommen hat. Gleichwohl sollte klar sein, daß die Datenverarbeitung ein wichtiges und heute nicht mehr wegdiskutierbares Hilfsmittel zur Lösung der betrieblichen Probleme ist. Dies darf nicht dazu führen, daß nur noch getan wird, was der EDV gefällt.

An dieser Stelle muß der Hinweis auf das Miteinander und Gegeneinander zwischen Datenverarbeitung, Fachabteilungen und Geschäftsleitung erfolgen, um das es nicht in allen Firmen zum besten steht. Ich meine, EDV sollte man emotionslos und rationell betreiben, ohne Black-Box-Denken und Lochkarten-Fetischismus und immer unter dem Aspekt, daß diese Apparatur ins Leben gerufen wurde um und wettbewerbsfähig zu se Sie sollte nicht benützt wer. den, um den betroffenen Fach. Abteilungen 1 Lösungen aufs ,Auge zu drücken, die keiner wollte. Nur so kann sichergestellt werdern daß möglichst wenig Reibungsverluste entstehen. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß diese zum Teil relativ komplizierten Systeme Spezialisten voraussetzen, von denen ein Unternehmen nun einmal bis zu. einem gewissen Grad abhängt. Es gibt allerdings ein Sprichwort, das da lautet: Ein jeder ist ersetzbar".

Professor Dr. Wolfgang Janko Institut für angewandte Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung, Universität Karlsruhe

Man kann heute durch empirischen Vergleich klar sechs Phasen im Wachstum der DV in der Unternehmung feststellen. Diese Wachstumsphasen lassen sich ihrerseits in zwei Gruppen teilen (in zeitlicher Reihenfolge): Gruppe 1: Phase der Initiierung, der zunehmenden Verbreitung und der Kontrolle der DV. Gruppe 2: Integrationsphase, Datenverwaltungsphase und Phase des strategischen Datenmanagements durch die DV-Abteilung.

Der wesentliche Sprung ist jener von der letzten Phase der Gruppe 1 in die erste Phase der Gruppe 2. Dieser Sprung ist gekennzeichnet durch einen Übergang von einer überwiegenden Stapelverarbeitung (rund 70 Prozent) zu überwiegend (mindestens 60 Prozent) datenbank- und datenkommunikationsbetonter Verarbeitung. Gleichzeitig beginnt in dieser Phase der Übergang zu zunehmendem Einsatz von Mikro- und Minirechnern und zum "Personal Computing". Hierdurch sollen schließlich rund 30 Prozent der Gesamtlast getragen werden. Das Softwareprodukt, dessen Einführung für diese Umwälzung zu großen Teilen verantwortlich zeichnet, ist ein Datenbanksystem beziehungsweise ein vergleichbares firmeninternes Softwaresystem. Zugleich ist dieser Übergang mit beträchtlichen Neuinvestitionen verbunden, und dies ist jener Punkt, in dem ein wesentliches Umdenken in den Unternehmungen einsetzt: Die EDV wird vom simplen "Datenverarbeiter" zum strategischen Instrument einer Datenlagerungs- , Datenbevorratungs- und Informationsflußplanung. In wissenschaftlich orientierten Rechenzentren kommt die Softwarebereitstellung in einem erheblichen Umfang vor. Dieser Übergang erzwingt eine neue Haltung der Organisation zum Haltung EDV und zu

seiner organisatorischen Repräsentation. Die organisatorischen Probleme sind erfahrungsgemäß bewältigbar. Das Problem, daß die Effizienz eines Unternehmens in der letzten Entwicklungsphase vom unteren über die mittlere bis in die oberste Management-Ebene von der Existenz- maschineller Hilfsmittel abhängt, um die rechtzeitige Bereitstellung eines beträchtlichen Teils der für betriebliche Entscheidungen erforderlichen Daten beziehungsweise Informationen zu gewährleisten, schafft - wie jede Abhängigkeit - Unbehagen.

Der Übergang von den Entwicklungsphasen der Gruppe 1 zu den Entwicklungsphasen der Gruppe 2 muß daher mit einer Anpassung des Leistungsbeurteilungskriteriums und einer Interaktion des Managements mit der DV-Leitung zum Zwecke der kontinuierlichen und gleichmäßigen Planung der Entwicklung der DV-Leistung mit der DV-Leitung einhergehen. Die DV-Abteilung kann nicht als. "Mädchen für alle EDV-unterstützten Tätigkeiten" gesehen werden, sondern es muß eine prioritätenbehaftete und zweckorientierte strategische Planung, welche auf die Betriebsform der Unternehmung abgestellt ist, an die Stelle dieser Einstellung treten. Sie erfordert neben einer anderen Einstellung zur DV eine Veränderung im Typ der Software und Hardware und in der Betriebsform. Von eine Dominanz der DV kann aber nach Bewältigung dieser Entwicklung nicht mehr die Rede sein. Vielmehr tritt an deren Stelle die vernünftige Einschätzung und Wertschätzung des Möglichen eines maschinell unterstützten Datenmanagements. Dieser Übergang von einer zentralen und joborientierten DV zu einem räumlich und sachlich benutzerorientierten Datenmanagement ist allerdings zunächst mit einem Kostensprung und einer Wachstumszunahme der EDV-Kosten verbunden. Ein gut geplanter und dann entschlossener Schritt erspart beträchtliche und unwirtschaftliche Reibungsverluste.