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19.06.1987 - 

Sicherheitsunternehmen wirft Technikern Bestechlichkeit vor:

Abhör-Vorwürfe gegen British-Telecom-Leute

Die Vorwürfe gegen die BT-Mitarbeiter kommen von einem Unternehmen, das selbst an dem Schnüffelboom partizipiert. Mark Williams, Direktor des Hi-Tech-Überwachungsanlagenanbieters "Security Specialists" in Essex, behauptet frischweg, seine Firma verkaufe jede Woche zehn Industriespionage-Sets zu je 500 Pfund (knapp 1500 Mark), und eine Reihe von Konkurrenten mache ebenfalls gute Umsätze. Eben dieser Mr. Williams platzte jetzt auch mit der Anschuldigung heraus: "Sie können Techniker von British Telecom schmieren, damit sie für Sie eine Abhörvorrichtung in eine bestimmte Telex-, E-Mail- oder Fax-Buchse montieren. Der Preis dafür liegt zur Zeit bei 250 Pfund."

Wie Williams der englischen CW-Schwesterzeitschrift COMPUTER NEWS demonstrierte, dauert eine solche illegale Installation nur zwei Minuten. Um sich etwa permanent in ein internationales Datennetz einzuhängen, bedarf es nur eines fünf Zentimeter großen Geräts, das seine Betriebsspannung aus dem Telefon- oder Datex-Netz bezieht; da es keine Batterie benötigt, ist das versteckt angebrachte Bauteil schwer zu orten. Die Daten aus der angezapften Leitung werden zu stationären oder mobilen Empfängern in der näheren Umgebung übermittelt und dort gespeichert. Entdeckt werden solche Anzapfstellen praktisch nur, wenn der Abgehörte Verdacht geschöpft hat. Routinekontrollen sind selten.

Daß sein Unternehmen in die dunklen Machenschaften involviert sei, die nach Erkenntnissen des National Computer Users Forum inzwischen gang und gäbe sind, mag ein BT-Sprecher nicht recht glauben: "Die meisten unserer Techniker sind ehrlich und arbeiten hart für ihr Geld. Doch wir würden diesen Vorwürfen nachgehen, wenn man uns Einzelheiten nennen würde." Mit den geforderten Details rückte Williams aber bisher nicht heraus.

Die Anschuldigung, BT-Mitarbeiter pflegten Wanzen zu übersehen, statt sie zu entfernen und dem Netz-Teilnehmer Meldung zu erstatten, kommentiert der Sprecher lakonisch: "Wenn eine Vorrichtung nicht von BT installiert wurde, ist es nicht die Aufgabe von BT, sie zu beseitigen. Sollte uns allerdings ein Anwender um Rat fragen, werden wir ihm beim Entwanzen seiner Anlagen helfen. "

Ähnliche Gelassenheit zeigen bei diesem heiklen Thema offenbar auch viele britische Anwender. So liegen "Computer News" Erkenntnisse vor, daß geheime technische Informationen über britische Militärjets und Flugkörper via normale, unzureichend gesicherte BT-Netze übermittelt werden. Die in der Bundesrepublik stationierten Einheiten der Royal Air Force, so das Blatt weiter, laden gar Daten von einem Mainframe auf eine Art Anrufbeantworter, von dem sich andere Dienststellen bedienten. Dieses System sei nicht hinreichend gegen fremde Zugriffe gesichert; schon mit handelsüblichen Vorrichtungen komme man an die Informationen heran.

Daß Mark Williams und seine Branchenkollegen so freimütig über den nachlässigen Umgang mit industriellen und militärischen Daten plaudern, hat übrigens einen handfesten kommerziellen Hintergrund: Die Unternehmen, die die Wanzen vertreiben, offerieren auch Detektoren, mit denen man den unerwünschten Teilnehmern am Datenverkehr auf die Schliche kommen kann.