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10.01.1975 - 

Steuerberatung per EDV:

Abkehr vom Null-acht-fünfzehn-Service

Exclusiv für CW

Mit Fernübertragungsdienst oder eigener Datenverarbeitung stellen sich die steuerberatenden Berufe auf den wachsenden Bedarf an aktuellen und qualifizierten Datenauswertungen ein.

Viele Jahre lang konnten sich Service-Buchhaltungen für stauerberatende Berufe auf einen Mandantenkreis einspielen, der sich zur Hauptsache von den Personalsorgen einer eigenen Datenverarbeitung freihalten will. Diese Kunden geben sich mit den Grundarbeiten in der Finanz- und Betriebsbuchhaltung zufrieden. Die Steuerberater nehmen ihnen die Kontierung und Datenerfassung ab, sie liefern fertig gebuchte Konten und Journale sowie Jahresabschlüsse. Die Kosten- und Geschäftsentwicklungen der gegenwärtigen Wirtschaftsphase haben nun mit diesem bescheidenen Service-Stil Schluß gemacht. Vor allem die umsatzstärkeren Mandantenbetriebe erwarten von ihren Betreuern immer spürbarer aktuellere und wesentlich tiefergehende Datenauswertungen - etwa Kosten-, Umsatz- und Erfolgsanalysen sowohl konten- als auch aufgabenbezogener Art.

Vor diesem Hintergrund sind viele der Reorganisationen zu sehen, die gegenwärtig bei den Mandantenbuchhaltern geplant, vorbereitet oder realisiert werden, ganz gleich, ob sie mit einem Service-Rechenzentrum kooperieren oder die Daten selbst verarbeiten.

DATEV-Service on-line spart 40 Prozent Zeit

Das Ziel einer besseren Harmonie zwischen dem DV-Rhythmus bei der Datev (Datenverarbeitungsgenossenschaft der steuerberatenden Berufe) und dem Informationsbedarf der Mandanten steht bei den zahlreichen Steuerberatern Pate, die sich zur Zeit von der Streifenlocherei abwenden und statt dessen Terminals installieren. Diese Möglichkeit gab ihnen die Datev bereits im Frühjahr bekannt; die Praxis beginnt aber erst jetzt.

Olivetti berichtet, daß für sein DEV-Terminal bis heute über 1500 Aufträge vorliegen. Die meisten dieser Geräte sollen vorerst ohne DFÜ benutzt werden, lassen sich aber auf den Sende- und Empfangsbetrieb sowie auf dis Magnetbandkassettenverarbeitung jederzeit umrüsten. Die erste praxisreife Installation, beim Steuerbevollmächtigten Professor E. Grundmann in Fmnkfurt, nimmt sich - damit verglichen - avantgardistisch aus: Sie arbeitet schon seit mehreren Wochen mit Fernübertragung ins Nürnberger Datev-Großrechenzentrum und wird ab Jahreswechsel auch Anschluß an das Datev-Rechtsinformationssystem "Documenta" ermöglichen.

Das Frankfurter Büro betreut im Fullservice rund 60 Mandanten aus Industrie, Handel und Handwerk mit dem Datev-Programm 300 (Finanzbuchhaltung, Betriebsabrechnung, Mahnwesen und Überweisungsträger-Erstellung). Disse Partner können ihre Geschäftsaufzeichnungen künftig wesentlich schneller erhalten. Denn Prof. Grundmann spart allein durch den Fernübertragungsbetrieb (Senden im billigen Nachttarif über Wählleitungen, halbduplex mit 1200 Baud) zwischen 30 und 40 Prozent Zeit.

Noch höher sind die Effekte in der Datenerfassungspraxis zu veranschlagen. Im Vergleich mit Telebanda-Lochstreifen-Arbeiten geht das Datenerfassen zwischen 50 und 60 Prozent schneller. Das ist auf die folgenden Hauptursachen zurückzuführen: Fortfall der technisch bedingten Wartezeiten, überlappende Bedienung, Ausgabe vorgeprüfter Daten auf Magnetbandkassetten.

Service-RZ mit MDT

Steuerberater mit einem Stamm mittelständischer Mandanten, deren Datenvolumen groß genug für reservierte Rechenzeiten ist, müssen ihren Teilnehmern einen individuellen Service bieten. Das bedeutet in erster Linie Verarbeitungsprogramme nach Maß. Gerade solche Mandanten legen immer mehr Wert auf betriebswirtschaftliche Auswertungen. Wie all diese Bedingungen und Bedürfnisse ohne Verzettelung erfüllt werden können, zeigt eine Pilotinstallation in der holsteinischen Stadt Reinfeld, der sich zur Zeit mehrere gleichartige in der ganzen Bundesrepublik anschließen: Der Steuerberater Heinrich Rickert eröffnete hier das wohl erste Service-Rechenzentrum der mittleren Datentechnik.

Die Hardware- und Software-Lösungen stammen von Kienzle. Für das plattenorientierte System 6100 wurden Auswertungsprogramme entwickelt, die individuell zu benutzen sind. Die Sachkonten in der Gewinn- und Verlustrechnung oder Bilanz können bis zu 60 Positionen verdichtet werden. Den damit entstehenden Kennziffern ist stets fe!n 25stelliger Index zugeordnet worden. Jede Indexstelle drückt eine bestimmte Aussage aus - etwa "Forderung", "Verbindlichkeit", usw.

Die Programmierer haben damit zweierlei erreicht: Bei jeder Position führen bis zu 25 Ausgangsdaten durch Verdichtung oder Verrechnung zu den individuell gewünschten Informationen über Betriebsentwicklungen. Die Mandanten können also in einem Riesenkatalog diejenigen Auswertungsarten auswählen, die für sie

Eine ganze Job-Palette

Der Service erstreckt sich denn auch auf eine lange Palette von DV-Jobs, die von der Liquiditätskontrolle bis zur Kapital- oder Lagerumschlagermittlung, von der Prüfung der Personalkostenintensität bis zur Gewinnpunktberechnung reichen. Bei rund 100 Mandanten reicht die Kapazität des Systems aus, um neben diesen Auswertungen auch alltägliche, wenngleich schwierige Aufgaben zu übernehmen. Dazu gehört etwa die Fakturierung oder die Lohn- und Gehaltsabrechnung für Bauunternehmen.

Mit mittlerer Datentechnik für steuerberatende Berufe wartet aber auch das Haus Taylorix inzwischen auf, welches mit rund 90 000 Teilnehmern an seinem Datenservice als Nr. 2 der Service-Branche gilt. Ende November fanden sich mehr als 220 Steuerberater aus dem Frankfurter Raum zu einem Spezialseminar ein, in dem das Programmpaket "Mandant 40" präsentiert wurde. Damit lassen sich unter Einsatz von MDT Computern die Daten der Mandanten im eigenen Haus verarbeiten, praktisch für alle Gebiete des Rechnungswesens. Selbstverständlich steht daneben der Taylorix-Datenservice für weitergehende Auswertungen parat.

Herbert F. W. Schramm ist freier EDV-Fachjournalist