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04.08.1995

Abkommen wird moeglicherweise auch auf andere Laender ausgedehnt Toshiba Corp. verkauft in Japan PC-Komplettsysteme von Intel

MUENCHEN (CW) - Die Toshiba Corp. hat bekanntgegeben, dass sie bereits seit Mai 1995 PCs in Japan verkauft, die aus den Fabrikationsstaetten des Prozessorherstellers Intel stammen. Wie das japanische Unternehmen weiter verlauten liess, bruetet man momentan ueber Plaenen, mit dieser OEM-Strategie auch ausserhalb Japans im PC-Tischgeraetemarkt vorstellig zu werden.

Ein Firmensprecher bestaetigte, dass man gerade eine Studie darueber erstelle, wie sinnvoll fuer Toshiba ein PC-Engagement in anderen Laendern sei.

Mit seiner Erklaerung enthuellte der Spezialist fuer tragbare Computer als erster japanischer PC-Hersteller, dass er komplette PC-Systeme (ohne Monitor und Tastatur) von Intel uebernimmt. Der US-amerikanische PC-Prozessor-Oligopolist soll, so Insider, auch Gateway 2000, Hewlett-Packard (HP) und Dell Computer mit sogenannten Desktop-PCs, also stationaeren Tischrechnern, bedienen. Analysten gehen davon aus, dass Intel 1994 ungefaehr 500 000 PCs abgesetzt hat.

Auf Anfrage sagte Dells Deutschland-Geschaeftsfuehrer Hans-Juergen Mammitzsch, sein Unternehmen beziehe keine Komplettsysteme von Intel. Allerdings setze man in den "Dimension"-PCs die nach Dell- Vorgaben modifizierte Intel-Systemplatine mit Triton-Chipsatz ein. Veronika Hucke, Pressesprecherin fuer PC-Systeme bei HP, erklaerte ebenfalls, ihr Unternehmen unterhalte keine OEM-Abkommen zur Abnahme kompletter PC-Systeme. Eine Sprecherin von Gateway 2000 aeusserte, man setze in den Einstiegs-PCs mit Pentium-CPU Intels "Zappa"-Systemplatinen, in den leistungsstaerkeren Rechnern das "Alladin"-Board des Prozessorherstellers ein. Zu Komplettsystemen von Intel konnte Gateway 2000 bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme abgeben.

Die deutsche Intel-Niederlassung in Feldkirchen bei Muenchen wollte sich zu der Vereinbarung mit Toshiba genausowenig aeussern wie zu PC-Herstellern, an die der Prozessorkroesus Systemplatinen oder komplette Rechner liefert. Marion Koehler von Intels Marketing- Communications Abteilung mochte nicht einmal die halbe Million ueber OEM-Vereinbarungen abgesetzten PCs bestaetigen.

Die Eigenentwicklung kaeme Toshiba zu teuer

Fuer Katsushi Shiga, PC-Analyst des Marktforschungsinstituts Dataquest Japan K.K., ist die Geschaeftsverbindung mit Intel fuer Toshiba eine guenstige Vereinbarung. Der Topanbieter von Notebooks sei bei Tisch-PCs schwach auf der Brust. Es waere fuer Toshiba ausgesprochen teuer, eigene PCs zu entwikkeln. Shiga glaubt, dass es mit der OEM-Uebereinkunft fuer Toshiba sehr viel leichter sein werde, im Desktop-Markt Fuss zu fassen.

Entschliesst sich Toshiba, auf OEM-Basis PCs auch in Deutschland anzubieten, waere dies bereits der zweite Anlauf hierzulande. Toshiba hatte bereits frueh in den 80er Jahren unter anderem mit dem 16-Bit-Rechner "Pasipia 1600" versucht, im Desktop-Segment zu reuessieren, war allerdings schon nach kurzer Zeit gescheitert.

Mammitzsch, vor seinem Engagement bei Dell auch Geschaeftsfuehrer der Toshiba Europe GmbH, zum damaligen Misserfolg: Die PCs der Japaner konnten sich von Systemen der Konkurrenz nicht durch besondere Eigenschaften, die zum Kauf angereizt haetten, absetzen. Ausserdem kaempften die Toshiba-PCs seinerzeit mit Kompatibilitaetsproblemen. Dies wiederum habe, so Mammitzsch, zu gravierenden Verstimmungen zwischen Toshiba und seinen Haendlern gefuehrt. Im folgenden konzentrierte sich das Unternehmen in den ausserjapanischen Maerkten ausschliesslich auf den Vertrieb mobiler Systeme.

In der Toshiba-Zentrale in Neuss aeusserte man sich zurueckhaltend zu den neuerlichen Plaenen, die PC-Aktivitaeten auszudehnen. Bislang sei nichts spruchreif, man habe noch nicht einmal die Planungsphase erreicht. Das Desktop-Engagement beschraenke sich zunaechst ausschliesslich auf den japanischen Markt.

Zu einem Zeitpunkt, da Analysten feststellen, dass Mobilcomputer auf Kosten stationaerer PCs ihren Marktanteil bestaendig ausbauen, ueberrascht Toshibas Neuorientierung. Jan Zakrzewski, bei Toshiba Marketing-Leiter fuer den PC-Bereich und zustaendig fuer Deutschland und Oesterreich, haelt die Desktop-Aktivitaeten dennoch fuer zeitgemaess. Man untersuche alle sich bietenden Optionen.

Nach Dataquest-Zahlen lag Toshiba 1992 im Land der aufgehenden Sonne bei PC-Tischsystemen weit abgeschlagen hinter der Konkurrenz: Mit Abstand fuehrte NEC die PC-Hitliste mit einem Marktanteil von rund 53 Prozent an. Dahinter folgte mit betraechtlichem Rueckstand Apple, das 13,8 Prozent aller japanischen PC-Verkaeufe auf sich vereinte. Die IBM Japan lag mit 6,7 Prozent an dritter Stelle. Erst auf Position fuenf nach Seiko Epson (6,4 Prozent) rangierte Toshiba mit weniger als sechs Prozent.