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04.02.1994

ABM-Institut fuer Programmierer Betrifft CW Nr. 48 vom 26. November 1993, Kolumne Seite 9: "Softwareprofis mit Cobol unabsteigbar."

Ich glaube, dass auch fuer die Spaghetti-Programmierer schlechte Zeiten anbrechen, weil die Bosse in der Industrie unter dem Druck, Kosten zu senken, den Nutzen ihrer DV-Abteilungen hinterfragen. Die Bosse beginnen zu begreifen, dass ihre Programmierabteilungen zu ABM-Instituten fuer Spaghetti-Programmierer verkommen sind. Sie beginnen, bessere und billigere DV-Loesungen fuer ihre Probleme zu suchen.

Den Bossen kann geholfen werden.

Aber nicht mit den herkoemmlichen Mitteln der heutigen, vom Imperativ beherrschten Informatik. Dem imperativen Paradigma geht es in der Informatik nicht besser als in anderen Bereichen der Gesellschaft auch: Es bricht unter der Last der Komplexitaet moderner Informatiksysteme zusammen. Ein grundsaetzlicher Wandel, ein elementarer Paradigmenwechsel ist angesagt. Das imperative Paradigma ist ueberholt und allerorten auf dem Rueckzug. Das vorerst letzte Opfer ist der reale Sozialismus, dessen zunehmend komplexer werdende Strukturen die Kommandogesellschaft nicht bewaeltigen konnte. Wir erkennen den Rueckzug des imperativen Paradigmas aber auch in unserer eigenen Gesellschaft und Wirtschaft, ob es sich um kooperierende Fertigungszellen handelt oder das Outsourcing von Unternehmensfunktionen oder die Zerteilung grosser Unternehmen in kleinere, autonome Funktionseinheiten. Diese Entwicklung laesst sich zusammenfassen unter dem Paradigma der Funktion. Der Paradigmenwechsel weg vom Imperativ und hin zur Funktion ist in vollem Gange. Und das zu Recht, denn die zunehmende Komplexitaet unserer Welt laesst sich gewiss nicht mehr mit dem imperativen, sondern vielleicht noch mit dem funktionalen Paradigma bewaeltigen. Nur in der Informatik wird dieser Paradigmenwechsel nicht zur Kenntnis genommen. Hier ist C++ und Objektorientierung der Weisheit letzter Schluss!

Denn auch jenseits von C++ und Objektorientierung gibt es eine Informatik, die Informatik mit dem funktionalen Paradigma, die Informatik der Zukunft. Sie wird uns aus den Spaghettiprogrammen fuehren.

Vielleicht haben Sie von Professor Plasmeijer und dem Institut fuer deklarative Sprachen an der Universitaet von Nimwegen gehoert. Wer erfahren will, wie etwa die Informatik der Zukunft aussehen wird, der sollte sich dort die funktionale Programmiersprache CLEAN ansehen: Funktionales Paradigma von der Analyse bis zur Programmausfuehrung, kein Paradigmenbruch zwischen Analyse, Design und Implementierung, Laufzeiten mit C-Programmen vergleichbar, effiziente Interfaces zur nichtfunktionalen Informatik, wiederverwertbare Programme, starkes Typing fuehrt zu formal fehlerfreien Programmen, funktionale Programmierung des I/O und der Windows-Dialoge, erstellt Programme fuer verschraenkte und verteilte Prozesse, automatische Handhabung der Interprozesskommunikation und so weiter.

Die funktionale Methodik und ihre Werkzeuge haben das Zeug, die vielgepriesenen verteilten Systeme der Informatikindustrie, an denen diese sich zu verschlucken droht, in den Griff zu bekommen, aber auch, Legionen von Spaghetti-Programmierer und ihre Chefs brotlos zu machen. Ohne die schlechten Zeiten haetten die Leute in Nimwegen keine Chance.

Der Paradigmenwechsel waere eine Kolumne wert.

Ulrich Stoermer, Wuppertal