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30.10.1981

Abschied von der 370

"Die Frage nach der langfristigen IBM-Betriebssystem-Strategie bleibt nach wie vor offen", resümierten wir in der Kolumne über die 3081-Ankündigung im November 1980 (CW 47 vom 21. 11., Seite 7: "Kyffhauser-Bund"). Allzu stark schien der erste H-Jumbo, wenngleich mit einigen spektakulären (Hardware-Neuheiten ausgestattet, noch der /370-Ära verhaftet. So wirkte der "dyadische" Prozessorkomplex wie ein "3033-Turbo" - und nicht wie ein Vertreter der vierten (IBM-)Generation.

Nachdem "Big Blue" jetzt das K-Modell als neues Flaggschiff auf den Markt gebracht hat (siehe Seite 1: "31-Bit-Version der 3081 sprengt 370-Rahmen") entpuppt sich die 1980er Vorhut vollends als Schnellschuß, von der IBM nach Expertenmeinung nur abgefeuert, um das technologische Gleichgewicht im Großrechner-Wettrüsten gegenüber Amdahl (und den Japanern!) wiederherzustellen.

Irgendwie kam einem die "November-Schönheit" nackt vor, als halbe Sache: Dies konnte noch nicht der große Zapfenstreich, der Abschied von der /370 sein. Da fehlte etwas, eine maschinenspezifische, mächtige Software, die das System abrundete. Die grundsätzliche Architektur Schwäche des Systems /370, die Begrenzung bei der Adressierung auf drei Halbworte, sprich 24 Bits, wurde nicht überwunden.

Es steht dahin, ob der Universalrechner-Gigant nicht konnte oder, mit Rücksicht auf die Kunden, nicht wollte. Eines wurde allerdings erreicht: Den berühmt-berüchtigten Umstellungshorror wie beim Wechsel von der /360 auf die /370 gab es nicht.

Stutzig mußte die Anwender freilich machen, daß der Marktführer bei der 3081-Premiere vor elf Monaten eine Betriebssystem-Erweiterungspolitik "auf Raten" betrieb, die mit dem Ankündigungstakt auf der Hardware-Seite nicht übereinstimmte. Da wurden gleich drei MVS/SP-Releases mit unterschiedlichen Freigabe-Daten avisiert, wobei erst Release 3 eine große Formation von Performance-Verbesserungen bringen sollte. Das roch sehr nach "Papier"-Announcement und forderte zu der Feststellung heraus: "Vielleicht steckt hinter der 3081-Ankündigung doch mehr, als jetzt sichtbar wird" (CW 47/1980).

Mit dem K-Modell der 3081 hat die lBM nunmehr die Architektur-Ebene des Systems /370 endgültig verlassen. Anders als bei dem Erstling gibt es ein "natives" Betriebssystem, das die Vorteile der neuen Architektur voll zur Geltung bringt. Und wortreich zeigt IBM den Kunden auf, wie ein Übersetzen zu neuen Ufern aussehen kann: Im "bimodalen" Betrieb wird der Migrationskahn "Erweiterte Architektur" so lange geschaukelt, bis alle alten /370-Sachen - wenngleich ohne Performance-Gewinn - eins zu eins laufen und mit der Entwicklung neuer Anwendungen begonnen werden kann.

Das erinnert doch sehr an den Wechsel von 360 auf 370 Anfans der siebziger Jahre, dessen Härte erst so richtig sichtbar wurde, als IBM für die kleineren 370-Modelle "VS" (Virtual Storage) ankündigte.

Das Rätselraten, welcher Umstellungsaufwand auf die Kunden zukommt, beginnt diesmal am oberen Ende der Produktpalette. IBM bezeichnet den Aufwand als "vergleichbar mit einem größeren Release Wechsel. Immerhin müssen sich die Benutzer auf den Positionierungslevel MVS/SP Version 1.3 bringen - mit allem, was dazugehört (Exits im JES-Bereich etc.). Aber wer hat sich schon stets an alle IBM-Konventionen gehalten.

Fazit: Für IBM ist EA sicher ein guter Weg aus der 370-Enge - die Anwender müssen schon viel Vertrauen haben, ihn zu gehen.