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12.04.2002 - 

IG Metall untersucht Vergütung in IT-Branche

Abschied von großen Gehaltssprüngen

MÜNCHEN (am) - Die schwache Konjunktur und der Abschwung am Arbeitsmarkt schlagen sich im Geldbeutel der IT-Mitarbeiter nieder. Die Vergütungsstudie der IG Metall zeigt, dass die IT-Branche ihren Beschäftigten durchschnittlich nur noch zwei bis zweieinhalb Prozent mehr bezahlte.

Übertarifliche Gehaltserhöhungen, 30 Prozent mehr bei einem Jobwechsel, dicke Provisionen - davon haben sich IT-Profis im vergangenen Jahr verabschieden müssen. "Nur noch einzelne, stark gesuchte Experten mit Spezialkenntnissen konnten sich gehaltlich deutlich verbessern, wenn sie den Arbeitgeber wechselten", erklärt Dieter Scheitor, Teamleiter IT-Industrie bei der IG Metall. Der große Rest musste sich mit moderaten Steigerungen zwischen zwei und zweieinhalb Prozent begnügen.

Zu dem Ergebnis kommt die Gewerkschaft in ihrer vierten Vergütungsstudie. Die deutlichsten Abstriche mussten die Vertriebsangestellten machen. Konnten Produktverkäufer mit mehrjähriger Berufserfahrung vor einem Jahr noch mit einem Bruttojahresgehalt von 40000 bis 95600 Euro rechnen, wenn sie ihre Zielvorgaben erfüllten, bewegen sie sich heute zwischen 39000 und 83000 Euro. Dieser Trend setzt sich bei den Key-Account-Managern und Vertriebsleitern fort: Letztere können sich zwischen 57400 und 114200 Euro im Jahr wiederfinden, wobei die Obergrenze um 17 Prozent niedriger liegt als im Vorjahr. Key-Account-Manager, die Großkunden betreuen oder strategische Projekte abwickeln, sind zwischen 42800 und 97700 Euro positioniert. Im vergangenen Jahr betrug der durchschnittliche untere Wert noch umgerechnet 51809 Euro.

Härtere Auslese im VertriebDie Einkommenseinschnitte im Vertrieb decken sich mit der Situation am Arbeitsmarkt, wie Scheitor beobachtet: "Auch bei Vertriebsmitarbeitern wird die Auslese härter. Wenn die Umsätze einbrechen, dünnen die Unternehmen vor allem ihre Marketing- und Sales-Abteilungen aus. Eine paradoxe Entscheidung, da gerade in Krisenzeiten in den Vertrieb investiert werden müsste." Stattdessen werde das Mehr an Arbeit auf weniger Köpfe verteilt.

Unabhängig von der aktuellen Situation der Branche setzt sich ein Trend weiter fort: Auch wenn Mitarbeiter die gleiche Position und Aufgaben haben, verdienen sie unterschiedlich. Abhängig von Unternehmen und dem eigenen Verhandlungsgeschick können die Einkommen in ein und demselben Jobprofil erheblich differieren. Besonders breit sind die Spannen im Software-Engineering: Ein System- und Anwendungsentwickler erhält direkt nach dem Studium durchschnittlich 40000 Euro im Jahr, wobei die Bandbreite von 24000 bis 74000 Euro reicht. Ebenso groß ist die Bandbreite für Programmierer mit mehrjähriger Berufserfahrung und für Datenbankspezialisten, die sich zwischen 34000 und 86000 Euro oder bei durchschnittlich 51500 Euro Bruttojahresgehalt wiederfinden.

Übernehmen Softwarespezialisten leitende Aufgaben, zahlt es sich für sie immer noch deutlich aus. Softwareingenieure, die bereits Teilprojekte leiten und langjährige Berufserfahrung mitbringen, verdienen durchschnittlich 60100 Euro im Jahr. Projekt-Manager, welche die wirtschaftliche Verantwortung tragen und die Mitarbeiter fachlich führen, bekommen durchschnittlich 67900 Euro, Leiter von Großprojekten 80100 Euro. Allerdings liegen auch hier Welten von rund 50000 Euro zwischen den durchschnittlichen Minimal- und Maximalgehältern. Die Studie zeigt aber auch, dass mit führenden Positionen eine höhere Arbeitsbelastung einhergeht. Unter den leitenden Softwareingenieuren macht mehr als jeder Dritte regelmäßig Überstunden.

Obwohl die Minimal- und Maximaleinkommen innerhalb der einzelnen Jobs immer weiter auseinanderdriften, nähern sich die unterschiedlichen Berufsgruppen einander an. Softwareentwickler und IT-Berater stehen sich mittlerweile gehaltlich kaum mehr nach. Das kommt auch daher, dass Berater in den oberen Spannen ein Minus von bis zu fünf Prozent hinnehmen mussten. Ein Juniorberater oder Trainee kann im Schnitt mit 39500 Euro rechnen, nach einigen Jahren Berufserfahrung mit 48600 Euro. Analog zum Software-Engineering steigt auch im IT-Consulting die Vergütung mit der Zunahme von Verantwortung deutlich an: Seniorberater kommen im Schnitt auf 58000 Euro, bei Projektleitern und Managern der ersten Führungsebene erhöht sich das Gehalt nochmals auf 66000 beziehungsweise 80000 Euro im Jahr. Im Gegensatz zu den Managern in der Softwareentwicklung verfügt das Gros der leitenden Consultants noch zusätzlich über einen Firmenwagen.

Zu den am besten Verdienenden in der IT-Branche zählen neben Softwareentwicklern und Beratern auch noch die Netz- und Datenbankadministratoren mit durchschnittlich 58000 Euro und die Leiter eines Rechenzentrums mit 51600 Euro. "Manager komplexer Server-Systeme, die früher RZ-Leiter genannt wurden, sind nach wie vor gefragt", so die Erfahrung Scheitors.

Arme Call-Center-MitarbeiterAm unteren Ende der Gehaltsskala befinden sich wie auch im vergangenen Jahr die Mitarbeiter aus den Bereichen Service und Support sowie Call-Center. Selbst ein Senior-Teamleiter, der die Schnittstelle zum Bereichsleiter bildet und die Mitarbeiter mit auswählt, bringt es im Call-Center nur auf durchschnittlich 33500 Euro, der ihm übergeordnete Gruppenleiter, der auch Personalverantwortung trägt, kommt auf 4000 Euro mehr im Jahr. Servicetechniker im Support erreichen nach mehrjähriger Berufserfahrung mit durchschnittlich 40600 Euro fast die gleiche Summe, mit der Juniorberater oder Anwendungsentwickler ohne Berufserfahrung starten.

Noch deutlicher als bei den Berufserfahrenen zeigte sich, dass die Hochschulabsolventen sich mit stagnierenden beziehungsweise leicht zurückgegangenen Gehältern zufrieden geben müssen. Dazu kommt, dass einige Unternehmen den Unterschied zwischen Universitäts- und Fachhochschulabschluss immer noch monetär bewerten. So können Informatiker mit Universitätsdiplom mit durchschnittlich 41400 Euro rechnen, während ihre Kommilitonen nur auf 38100 Euro kommen. Absolventen einer Berufsakademie starten mit rund 36000 Euro und sind damit fast auf dem Niveau der Fachinformatiker, die als beliebtester der neuen IT-Lehrberufe nach dreijähriger Ausbildungszeit mit 33100 Euro beginnen

Die StudieDie Ergebnisse der IG-Metall-Gehaltsstudie beziehen sich auf rund 18000 Einzeldaten, die aus 31 Unternehmen mit insgesamt 50000 Mitarbeitern stammen. Der Großteil der Daten, die im vierten Quartal 2001 ermittelt wurden, bezieht sich auf Firmen mit mehr als 1000 Beschäftigten, darunter große IT-Hersteller wie IBM Deutschland, Hewlett-Packard, Microsoft, Compaq, Fujitsu-Siemens oder die Software AG, aber auch IT-Dienstleister wie T-Systems und Gedas oder Beratungsunternehmen wie CSC Ploenzke. Eingeflossen sind auch Daten von IT-Abteilungen einiger Automobilzulieferer. Regionale Schwerpunkte waren München und Augsburg, Frankfurt am Main, Stuttgart, Paderborn sowie Köln-Düsseldorf.

Da die 35-Stunden-Woche in 13 der 31 untersuchten IT-Unternehmen gilt, wurden die Durchschnittseinkommen auf diese Bezugsgröße umgerechnet. Das heißt: Wer die Werte auf Basis einer 40-Stunden-Woche betrachten will, muss 14,3 Prozent dazurechnen.

Die 120-seitige Studie kann zu einem Preis von zehn Euro bei der Union-Druckerei und Verlagsanstalt GmbH, Frankfurt am Main, unter der Faxnummer 069/7952-242 oder per E-Mail unter versandlogistik@du-online.de bestellt werden. Weitere Informationen gibt es unter www.igmetall.de/nachrichten/it_entgelt/index.html.

Abb.: Führungsverantwortung zahlt sich aus

Während sich die Einkommen in Beratung, Vertrieb, Softwareentwicklung oder Rechenzentrum stetig annähern, verlieren Mitarbeiter in Call-Center und Support den Anschluss. Quelle: IG Metall