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Noch einmal ein ordentliches Quartalsergebnis

Abschied von Netscape

03.12.1998
Vielleicht zum letzten Mal gab Netscape ein Ergebnis bekannt. Das vierte Quartal, das am 31. Oktober abgeschlossen wurde, brachte Einnahmen von 162 Millionen Dollar - acht Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Nettogewinn belief sich auf 2,7 Millionen Dollar, im Jahr zuvor waren es nur 100 000 Dollar.

Netscape wächst also immer noch, doch die Steigerungsraten sind gemessen an den ersten drei Jahren nach der Unternehmensgründung im April 1994 eher bescheiden. Andererseits können sich die Zahlen im Vergleich zum letzten Quartal 1997 sehen lassen: Im selben Monat, in dem Netscape unter anderem das Browser-Geschäft zu den Akten legte und seine Produkte zu verschenken begann, mußte das Unternehmen auf einen Verlust von über 82 Millionen Dollar verweisen und die Entlassung von 300 Mitarbeitern ankündigen.

Das nur noch geringe Wachstum des einstmaligen Gipfelstürmers belegt den Trend des vergangenen Jahres: Netscape hat Schwierigkeiten, wieder Tritt zu fassen. Zu verheerend wirkte sich Microsofts Praxis aus, den Internet-Explorer im Bundling mit nahezu allen nennenswerten Softwareprodukten zu verschenken.

Marktbeobachter staunten in dieser Phase, in der Netscape schon am Boden schien, über die Wandlungsfähigkeit des Unternehmens. Dem Zusammenbruch des Browser-Geschäfts folgte in rasantem Tempo ein Angriff auf den Groupware- und Messaging-Markt, wo Netscape die Konkurrenz mit offenen, Web-basierten Standards herausforderte. Doch die Auseinandersetzung mit den übermächtigen Wettbewerbern IBM/Lotus geriet zum Fiasko.

Lotus erkannte die Gefahr rechtzeitig und öffnete die proprietäre "Notes"-Welt im Eiltempo gegenüber dem Web. Auf Druck der vormals befreundeten Lotus-Mutter IBM mußte Netscape seinen reinen Browser "Navigator" wieder aus dem kompletten Internet-Client "Communicator" herauslösen, da in diesem Paket auch der Client für den Notes-Konkurrenten "Collabra" enthalten war. Nur unter dieser Bedingung wollte Lotus das Netscape-Produkt weiter mit der Notes-Software im Paket vertreiben. Hinzu kam, daß sich IBM bei Unternehmenskunden immer weniger für den Netscape-Browser stark machte - man wollte den Wettbewerber abstrafen.

Besser läuft es nun offenbar im jüngsten Geschäftsfeld, dem Portal-Business. Netscape steigerte den Umsatz mit der Netcenter-Seite im vergangenen Quartal um 24 Prozent auf 48 Millionen Dollar. Dagegen wuchs das Geschäft mit Software und Services nur noch um zwei Prozent auf ein Gesamtvolumen von 114 Millionen Dollar.

Viele Beobachter sind der Meinung, Netscape hätte auf seinem jetzigen Weg als unabhängiges Unternehmen fortfahren und das Portal-Business weiter vorantreiben sollen. Kritiker halten dem entgegen, das Unternehmen habe gegen Branchengrößen wie Microsoft und AOL allein keine realistische Chance gehabt. Jetzt muß sich zeigen, ob AOL aus der übernommenen Produktvielfalt von Netscape Kapital schlagen kann.