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01.11.1991

Abschiedsvorstellung: SNI - The last Waltz

Die alte Nixdorf-Aktie, einst gefeierter Börsenstar, erscheint zum letzten Walzer auf den) Börsenparkett. Am 28. Oktober 1991 begann das freie Abfindungsangebot zu 225 Mark je SNR Vorzugsaktie durch die Siemens AG. Die Existenz der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG war nur von kurzer Dauer.

Rückblickend betrachtet erscheint der Dreisprung Nixdorf SNI - Eingliederung der SNI in die Siemens AG unnötig kompliziert. Die Frage des neutralen Beobachters: "Warum nicht gleich so", warum also nicht gleich die Eingliederung der Nixdorf AG in die Siemens AG, läßt zwei mögliche Antworten zu: Entweder Siemens hat sowohl die Probleme der Nixdorf AG als auch die Tücken einer Zusammenlegung der DV-Aktivitäten der Unternehmen Nixdorf und Siemens erheblich unterschätzt, oder der jetzt vollzogenen Eingliederung wurde von seiten Siemens vor einem Jahr keine Chance auf Durchführbarkeit gegeben. Widerstände hätten sich im Aktionärskreis Nixdorf, bei der Familie Nixdorf, bei den Nixdorf-Stammaktien haltenden Stiftungen oder auch bei deutschen und europäischen Wettbewerbshütern bilden können.

SNI solle eine "angemessene Eigenkapitalausstattung" gesichert werden, lautet die Begründung für die geplante Eingliederung. Diese Begründung ist - für sich genommen - unbefriedigend. Mit knapp 1, 9 Milliarden Mark Grundkapital schien das Kapitalpolster zu Beginn des Jahres groß genug. Erst durch die viel zu optimistische Einschätzung möglicher Synergie-Effekte sind der daraus resultierenden Verluste kam es zu der Eigenkapitalauszehrung, die jetzt den Einschuß frischen Geldes notwendig macht.

Im schlimmsten Fall hat SNI im abgelaufenen Geschäftsjahr bis zu einer Milliarde Mark verloren. Damit kann sich ein Verlust von bis zu knapp der Hälfte des SNI-Eigenkapitals ergeben. Da eine baldige Verlust-Trendwende nicht in Sicht ist, müssen entweder stille Reserven gehoben oder frische, Mittel nachgeschossen werden. Andernfalls droht die Verlustanzeige gemäß ° 92 I Aktiengesetz. Die stillen Reserven der ehemaligen Nixdorf AG sind in den letzten Jahren weitestgehend geplündert worden. Ob bei der Einbringung der Siemens-Datentechnik stille Reserven für SNI übriggeblieben sind, läßt sich nur nach Prüfung des Bewertungsgutachtens, welches im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung durch Sacheinlage erstellt wurde, feststellen. In der Regel erfolgt die Bewertung der einzubringenden Vermögensgegenstände jedoch zu Verkehrswerten. Stille Reserven wären demnach so gut wie nicht vorhanden. Dafür spricht auch die jetzt angekündigte Eingliederungsabsicht.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung erscheint das Siemens Angebot an die Vorzugsaktionäre folgerichtig. Auf diesem Wege kann Siemens die SNR Aktivitäten weiterführen und die steuerlichen Verlustvorträge optimal nutzen. Auf der Basis der gebotenen 225 Mark, dem 4, 5 fachen des Nominalwertes von 50 Mark je Aktie, ergibt sich eine Unternehmensbewertung der SNI AG von 8, 45 Milliarden Mark (Grundkapital von 1. 88 Milliarden Mark x 4, 5) - vor dem Hintergrund der aktuellen Unternehmenskennzahlen ein vernünftiges Angebot, obwohl der bittere Beigeschmack bleibt, daß die Siemens AG den Geschäftsgang des Verlustjahres 1990/91 wesentlich beeinflußt hat. Nüchtern betrachtet muß sich der ehemalige Nixdorf-Vorzugsaktionär vor Augen Halten, daß zum Zeitpunkt des Engagements der Siemens AG bei Nixdorf die Nixdorf-Vorzugsaktie - trotz des höheren Börsenkurses aufgrund der damaligen Übernahmespekulation - einen Unternehmenswert von maximal 200 Mark je Aktie repräsentierte.

Das Kapitel Nixdorf geht - zumindest auf den Kurszetteln der deutschen Börsen - damit zu Ende. Wer bei SNI engagiert ist, sollte das freie Abfindungsangebot zu 22, 5 Mark annehmen. Siemens wird eine bis zum ersten Juni 1993 befristete Nachbesserungsklausel einbauen. Sollte sich im Zuge einer Unternehmensbewertung der SNI AG durch unabhängige Wirtschaftsprüfer ein höherer Unternehmenswert Je Aktie ergeben, wird das Angebot zu 225 Mark durch eine zusätzliche Zahlung aufgebessert.

*Arnd Wolpers ist Geschäftsführer der Wermögensverwaltungsgesellschaft CMW GmbH in Müchen.