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24.01.2003 - 

Operatives Geschäft rettet sich knapp in die schwarzen Zahlen

Abschreibungen färben Sun-Bilanz tiefrot

MÜNCHEN (CW) - Sun Microsystems verbuchte im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2003 mit einem Fehlbetrag von knapp 2,3 Milliarden Dollar den höchsten Quartalsverlust der Firmengeschichte. Bleiben jedoch Wertberichtigungen sowie sonstige Aufwendungen für Restrukturierungen unberücksichtigt, erzielte der Server-Spezialist einen Gewinn.

Auch er habe erst während der offiziellen Bilanzkonferenz von der Wertberichtigung erfahren, berichtet Suns Deutschland-Chef Helmut Wilke. Sun-Finanzchef Steve McGowan wende nach seiner Kenntnis eher konservative Buchhaltungspraktiken an, weshalb sich die Verantwortlichen wohl entschlossen hätten, die Bücher auf einen Schlag zu bereinigen. Die Abschreibungen auf Buchwerte hätten keinen Einfluss auf den Cashflow. Da man außerdem beim Umsatz im Plan liege und auch operativ ein leicht positives Ergebnis erzielt wurde, mache er sich momentan keine Sorgen um das Unternehmen, so Wilkes Fazit zur aktuellen Bilanz.

Cobalt und Highground abgeschrieben

Mit einem Gesamtumsatz von knapp 2,92 Milliarden Dollar entsprachen die Einnahmen der Monate Oktober bis Dezember 2002 den Erwartungen der Analysten. Gegenüber dem vorangegangenen Quartal bedeutet das ein Wachstum von rund sechs Prozent. Vergleicht man jedoch den Umsatz mit den Zahlen des Vorjahres, stehen etwa sechs Prozent weniger zu Buche. Der Nettoverlust von 2,283 Milliarden Dollar ist auf Wertberichtigungen von 2,125 Milliarden Dollar für die 2000 übernommenen Firmen Cobalt Networks und Highground Systems sowie Kosten für Restrukturierungen in Höhe von 357 Millionen Dollar zurückzuführen. Sun hatte Cobalt, den Hersteller von Server-Appliances, im September 2000 für zwei Milliarden Dollar in Aktien gekauft. Für die zwei Monate später erworbene Firma Highground investierten die Kalifornier zirka 400 Millionen Dollar, ebenfalls in Aktien.

Berücksichtigt man in der Sun-Bilanz weitere Sonderaufwendungen von 15 Millionen Dollar sowie einen Steuervorteil von 204 Millionen Dollar, bleibt unter dem Strich ein Nettogewinn in Höhe von zehn Millionen Dollar. Damit übertrifft der Server-Hersteller die Erwartungen der Analysten, die mit einem Minus von zwei Cent je Aktie gerechnet hatten.

McNealy: Cash is King

Trotz des unter dem Strich tiefroten Ergebnisses äußerten sich die Konzernverantwortlichen nicht unzufrieden über die Zahlen. So sei es gelungen, den Umsatz im Vergleich zum Vorquartal zu steigern, die Bruttomarge um zwei Prozent auf über 43 Prozent zu erhöhen und die operativen Ausgaben zu reduzieren, zählt Finanzchef McGowan auf. Außerdem stehe das Unternehmen mit Barmitteln von fünf Milliarden Dollar und einem Aktienvermögen in Höhe von rund sieben Milliarden Dollar auf einem soliden finanziellen Fundament. Für Chief Executive Officer (CEO) und Chairman Scott McNealy zählt vor allem das positive Ergebnis des operativen Geschäfts. Man habe hart an den Kosten gearbeitet und werde sich langfristig am Profit orientieren. "Cash is King", lautet McNealys Quintessenz.

Kein Umschwung erkennbar

Allerdings lässt die Bilanz doch viele Fragen offen. So bleibt unklar, auf welchem Weg das Unternehmen langfristig wieder solide Gewinne erzielen möchte. Die Umsätze pendeln seit sechs Quartalen um einen Wert von etwa drei Milliarden Dollar. Von einem Aufwärtstrend ist zurzeit nichts zu bemerken. Auch der Faktor Kostenreduzierung scheint vorerst ausgereizt, wie McGowan selbst zugeben muss. Unter anderem werden im nächsten Quartal einige US-Steuern fällig. Außerdem dürfte die bereits angekündigte vierprozentige Gehaltserhöhung für alle Mitarbeiter die Kostenseite nicht entspannen.

Angesichts dieser Situation könnte ein weiterer Arbeitsplatzabbau über die bereits beschlossenen Entlassungen hinaus drohen, mutmaßen Insider. So kündigte McGowan an, dass im Rahmen der Übernahmen von Terraspring und Pirus Networks rund 140 Mitarbeiter ihren Job verlieren werden. Der bereits im letzten Jahr begonnene Abbau von rund elf Prozent der Stellen bei Sun geht derweil weiter. Laut dem Finanzchef, der auch als Executive Vice President of Corporate Resources fungiert, haben mittlerweile rund 3100 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, der Rest werde im dritten und vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres folgen.

Sun-Deutschland legt zehn Prozent zu

Auch die deutsche Niederlassung war von den Entlassungen betroffen. Arbeiteten im Oktober letzten Jahres noch 1770 Mitarbeiter bei der Sun Microsystems GmbH, sind es aktuell nur mehr 1600, berichtet Deutschland-Chef Wilke. Vor allem im Bereich Professional Services seien Stellen abgebaut worden. Hier habe man sich aufgrund von Überkapazitäten von etwa 80 Mitarbeitern getrennt, die das Unternehmen bereits verlassen hätten. "Damit sind wir jedoch durch." Er gehe nicht davon aus, dass weitere Jobkürzungen drohten.

Mit dem Deutschland-Geschäft zeigt sich Wilke zufrieden. Es sei zum zweiten Mal in Folge gelungen, die Quartalseinnahmen gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent zu steigern. Das liege in erster Linie daran, dass die Anwender wieder darangingen, Altsysteme abzulösen, deren Wartung mit der Zeit zu aufwändig werde. Auch das Projektgeschäft entwickle sich positiv. Viele Kunden planten zum Beispiel Konsolidierungsprojekte, um große Server-Farmen mit Hunderten von NT-Maschinen, die einen hohen Administrationsaufwand bedeuteten, auf wenige Sun-Server zu konzentrieren.

Zu dem positiven Ausblick auf das Projektgeschäft wollen jedoch die Probleme im Bereich Professional Services nicht so recht passen. Hier gebe es nicht die Zuwächse, die man sich erhofft habe, berichtet Wilke. Dagegen habe der zweite Dienstleistungsbereich, die Wartungsservices, zulegen können.

In anderen Regionen verläuft das Geschäft weniger vielversprechend. So veringerte sich der Umsatz in den Vereinigten Staaten im zweiten Quartal um 11,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Anteil des US-Geschäfts am Gesamtumsatz beträgt jetzt noch 43,5 Prozent. Auch in Japan gingen die Einnahmen deutlich zurück. Hier standen mit 243 Millionen Dollar knapp 17 Prozent weniger zu Buche als noch vor einem Jahr. Wilke führt den Erfolg in Deutschland darauf zurück, dass es hier offenbar schneller gelungen sei, die Sun-Angebote auf Komplettlösungen umzustellen. Es funktioniere nicht mehr, nur noch Equipment zu verkaufen, wie Sun das früher getan hat, erläutert der Manager. Die Kunden forderten heute Gesamtlösungen. Hier seien andere Länderabteilungen von Sun offenbar noch nicht so weit.

Für die beiden letzten Quartale des Geschäftsjahres 2003 ist Wilke optimistisch. Er hoffe, die Wachstumsraten der ersten beiden Berichtszeiträume wiederholen zu können. Wie sich das Geschäft des Gesamtunternehmens in der zweiten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres entwickeln wird, darüber wollen die Sun-Oberen keine Prognosen treffen. Es bleibe alles sehr unsicher, stellt McGowan fest. Aus diesem Grund werde es künftig auch keine Statusberichte zur Mitte des jeweiligen Quartals mehr geben. (ba)

Abb: Entwicklung der Quartalsumsätze von Sun

Seit Ende 2001 kämpft Sun mit im Jahresvergleich schwindenden Quartalsumsätzen. Die Einnahmen scheinen sich bei knapp drei Milliarden Dollar einzupendeln. Quelle: Sun Microsystems