Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

19.05.2000 - 

Kolumne

Abzocker gefährden den S/390-Markt

Stefan Ueberhorst, Redakteur CW

Wo werden heute Gebühren verlangt, ohne dass den Zahlungen eine Leistung gegenübersteht? Diese nach unserem Rechtsverständnis unhaltbare Situation prägt den OS/390-Markt seit Jahren. Softwarehäuser rechnen ihre Mainframe-Produkte immer noch nach der gesamten Rechnerkapazität, sprich MIPS, ab und halten bei jeder Leistungssteigerung eines Modells die Hand auf - obwohl die zusätzlichen Prozessoren oft für ganz andere Applikationen angeschafft wurden.

Diese noch aus dem Batch-Zeitalter stammenden Gebührenmodelle vereiteln so manche Wachstumsinitiative der S/390-Klientel. Dort plant man etwa die Konsolidierung von Anwendungen, die Zentralisierung der Web-Aktivitäten oder die Einführung von ERP und E-Commerce auf dem Host. IBM hat diesen Weg mit attraktiven Hardwarepreisen geebnet. Außerdem wurde in Armonk viel unternommen, um den Großrechner vom Image des reinen Number Crunchers zu befreien und über die integrierten Unix-Services für ein breiteres Anwendungsspektrum zu rüsten. Das alles erfordert jedoch mehr CPU-Leistung. Die Folge: Hersteller klassischer Verwaltungs- und Monitoring-Software bitten aufgrund des MIPS-Ausbaus kräftig zur Kasse.

Dieses Lizenzgebaren will IBM entschärfen, nicht zuletzt, um die eigene Hardware über die Zeit zu retten. Doch was hilft es den Anwendern, wenn Big Blue über neue Gebührenmodelle etwa in Form von Workload- statt Kapazitäts-Pricing nachdenkt, die Softwarepartner aber nicht mitspielen? Was IBM selbst bei einer Maschinenaufrüstung an Softwarepreisen nachlässt, schöpfen Computer Associates, BMC und andere wieder ab. Der Posten für Software von Drittanbietern wird in wenigen Jahren das IT-Budget der S/390-Klientel dominieren, so die düsteren Prognosen.

Unabhängig davon, ob der Mainframe als hochverfügbare E-Business-Maschine ein Revival erlebt oder als Dinosaurier ausstirbt: Vom Marketing-Blendwerk abgesehen, vermittelt die starre Haltung einiger Softwarehäuser den Eindruck, als wolle man die S/390-Kuh melken, solange dies irgendwie möglich ist - und zwar abgesichert über zum Teil unzumutbar lange Verträge. Für manchen Anwender wird das den Abschied von seinem geliebten Eisen beschleunigen.