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19.04.1991 - 

21 Hersteller treten gegen IBM, Sun und HP an

ACE-Gruppe definiert Standards für RISC-Rechner und für Unix

BRÜSSEL (jm) - Die Etablierung einer neuen Industriegruppe unter dem Kürzel "ACE" (Advanced Computing Environment) soll dem Anwender einheitliche Standards auf Basis zweier durchgängiger Hardware- und Betriebssystem-Plattformen bieten. Doch die Verlautbarungen des Konsortiums unter Führung von DEC, Mips, Compaq, Microsoft und SCO müssen noch den Status bloßer Absichtserklärungen hinter sich lassen.

Die insgesamt 21 Mitglieder umfassende Gruppe (vergleiche auch Seite 15 "ACE-Konsortium sieht sich...") hat sich auf einen von ihr intendierten zukünftigen Standard auf vier Grundlagen geeinigt: Zum einen legte sie sich auf zwei als offen bezeichnete Hardwareplattformen fest. Danach werden alle CISC-PCs und PC-Systeme auf Basis von X86-CPUs unterstützt, während man sich bei RISC-Prozessoren auf die sogenannten ARC-Spezifikationen (Advanced RISC Computing) unter Beziehung auf die Mips -Architektur der R3000-, R3000A-, R6000 sowie R4000-CPUs einschwor.

Zum anderen schrieb das ACE Konsortium die Betriebssystem-Umgebungen fest: Sowohl für die CISC als auch die RISC-Systeme kann der Benutzer von zukünftigen ACE-konformen Rechnern zwischen Microsofts OS/2-Version 3.0 und SCOs erweiterter Open-Desktop-Umgebung wählen.

Die beiden CPU Welten sollen nach den Plänen des Industrie-Konsortiums Sourcecodekompatibel werden. Anwendungen müßten demnach nurmehr rekompiliert werden und wären dann für die jeweils andere Hardwareplattform nutzbar.

OS/2, Version 3.0, gründet auf der von Microsoft entwickelten New Technology (NT). Charakteristika des 32 Bit-Betriebssystems sind unter anderem Preemptives Multitasking, symmetrisches Multiprocessing, die Unterstützung der OS/2-Vorläuferversionen 1.3 und der erst noch vorzustellenden Version 2.0 sowie von DOS und Windows 3.0-Applikationen.

Darüber hinaus integriert das Microsoft Betriebssystem den Posix-Standard 1003.1. Independent Software-Vendors (ISV) wird Microsoft einen ganzen Satz von Application Programming Interfaces (APIs) an die Hand geben, die sowohl in der DOS/Windows als auch in der OS/2-Umgebung ablauffähig sind.

Bernard Vergnes von Microsoft Europe gab während der Pressekonferenz in Brüssel bekannt, daß das OS/2-Produkt zunächst den Sicherheitslevel C2 erfüllen werde. Allerdings hätten die Microsoft-Entwickler das Betriebssystem-Design so ausgelegt, daß eine spätere B1-Zertifizierung möglich sein soll.

Andreas Barth, Europa-Manager von Compaq, verspricht sich vor allem von der SCO-Unix Umgebung Open Desktop (ODT) einiges: "Ich glaube, daß ODT gegenüber dem Microsoft-Betriebssystem Vorteile besonders bei zeitkritischen Anwendungen hat."

Die Unix Umgebung, die das eigentliche Betriebssystem so wie die grafische Benutzerschnittstelle Motif der OSF, DOS-Support sowie ein Daten Management integriert, wird ebenfalls auf den ACE-CISC- und -RISC-Systemen verfügbar sein.

Die von einigen Fachleuten neben dem OSF/1- und dem UI-Angebot bereits als weitere, dritte Unix-Option kritisierte ACE-Umgebung möchte möglichst vielen Herren gerecht werden: Grundsätzlich soll die OSF-Technologie das Zepter schwingen. Aber mit der Unterstützung der SVID Issue 2 (System V Interface Definition) schielt man doch auch zu AT&T hinüber. Außerdem sollen Schlüsseltechnologien aus BSD-Unix, Sun-OS, RISC-OS, SCO Xenix sowie aus Unix System V integriert werden.

TCP/IP, LAN Manager, NFS, Ethernet und Token-Ring sollen für die Unix-Welt der ACE-Gruppe genausowenig Neuland sein wie die Unterstützung von X-Window -Systemen, X/Open Portability Guide 3 und 4 (XPG) sowie der IEEE-Standard Posix 1003.1.

Sowohl der AT als auch die "Gang of Nine"-Busversion EISA und IBMs Mikrokanal können den zukünftigen ACE-CISC-Rechnern zugrundeliegen. Besonders DEC -Anwender, die mit Interesse auf Produkte des neuen Konsortiums schauen sollten, dürften sich freuen: Ultrix-Anwendungen werden nach Aussagen von ACE-Mitgliedern binärkompatibel sein zu zukünftigen Unix-Produkten von den Kontrahenten HP, Sun und IBM.

ACE soll nach dem Willen der Gründerväter kein elitärer Club sein: Jeder, der sich verpflichte, ACE-konforme Systeme und ARC-spezifische RISC-Rechner zu bauen, könne Mitglied im Konsortium werden und im Technologiekomitee mitarbeiten. Gemeinsame finanzielle Aktivitäten oder Fonds werde es allerdings nicht geben. Der nach Meinung von Branchenbeobachtern viel zu optimistische Zeitplan sieht vor, daß für Entwickler ab Ende des Jahres Produkte zur Verfügung stehen werden, der Anwender könne sich etwa ab Mitte nächsten Jahres über die Qualität von ACE-Systemen eine Meinung bilden.