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25.02.2008

Achim Berg: SaaS ist zu kurz gesprungen

Was Microsoft unter Software-Services versteht und warum Utility-Computing kein Trend wird, erklärt Deutsch-land-Geschäftsführer Achim Berg im Gespräch mit den CW-Redakteuren Christoph Witte und Martin Bayer.

CW: Momentan wird in der Softwarebranche viel über Software as a Service (SaaS) diskutiert. Fährt Microsoft in diesem Bereich mit der eigenen Ausprägung "Software plus Service" nicht einen Schlingerkurs, um sein Lizenzgeschäft zu schützen?

Kampf um Yahoo: "Im Internet zählt Größe"

CW: Was verspricht sich Microsoft von der Yahoo-Übernahme?

BERG: Im Internet zählt Größe. Von der möglichen Akquisition von Yahoo erwarten wir uns eine höhere Reichweite im Web. Damit wollen wir unsere Position im Online-Werbemarkt verbessern, zum Beispiel durch Bündelung der Kräfte bei der Weiterentwicklung und Vermarktung unserer Suchmaschine.

CW: In Sachen Search hinkt Microsoft Google noch hinterher. Wie wollen Sie diesen Rückstand aufholen?

BERG: Eine gute Suchmaschine mit einer hohen Relevanz wird auch eine starke Akzeptanz haben. In der Kombination der Search Engines von Yahoo und Microsoft sowie der Zusammenlegung der Ent-wicklungsabteilungen sehen wir eine hohe Relevanz und damit die Chance, diesen Abstand zu verkürzen. Wir versprechen uns, durch die Synergien insgesamt eine Milliarde Dollar pro Jahr einzusparen.

CW: Wie lange wird es dauern, bis die Übernahme abgeschlossen ist?

BERG: Es ist ein sehr dynamischer Markt. Das heißt, es kann relativ schnell gehen, auch wenn eine mögliche Fusion erst für das zweite Halbjahr angekündigt worden ist. Ich kann mir durchaus vorstellen, wenn die Integration im zweiten Halbjahr 2008 vonstatten gehen sollte, dass wir bereits 2009 erste interessante Ergebnisse sehen können.

BERG: Es gibt kein Unternehmen in der gesamten Softwarebranche, das in dieser Hinsicht einen klareren Kurs fährt als wir.

CW: Das müssen Sie erklären.

BERG: Wir bieten unseren Kunden eine größtmögliche Flexibilität an. Auf der einen Seite können die Anwender die komplette Microsoft-Produktpalette nutzen wie gehabt. Auf der anderen Seite gibt es Hosting-Modelle oder gar werbefinanzierte Angebote wie Office Live. Damit bieten wir alle Spielarten vom Software-as-a-Service- (SaaS-) oder On-Premise-Betrieb bis zu Hybridlösungen. Kunden können sich also frei entscheiden und auswählen, wie sie ihre Software nutzen möchten. Hier hat Microsoft eine klare Roadmap vorgelegt. Deshalb widerspreche ich dem Vorwurf des Schlingerkurses.

CW: Warum aber prägt Microsoft eine eigene Begrifflichkeit, welche die Kunden verwirrt?

BERG: Weil Software as a Service unser Modell schlichtweg falsch beschreibt. Ich finde, SaaS ist zu kurz gesprungen. Kunden haben in der Kombination einer lokalen Intelligenz mit Online-Services die Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten. Sie wollen die Wahlfreiheit, eine Software auch offline zu nutzen, aber auch die Vorteile eines SaaS-Modells. Diese Kombination hat keiner so perfekt hinbekommen wie Microsoft - auch in der Strategie.

CW: Geht es Microsoft nicht doch nach wie vor nur darum, Lizenzen zu verkaufen?

BERG: Gute Software hat ihren Preis. Microsoft bietet mit seinen Lizenzmodellen eine Reihe von Möglichkeiten, sei es beim Kauf oder der Miete. Es gibt Modelle, die Abnahme- und Nutzungsmengen mit berücksichtigen. Hier findet jeder Kunde den richtigen Preispunkt und das richtige Modell. Oder sollen wir unsere Software verschenken? Das wird niemand von uns verlangen.

CW: Aber manche Anbieter tun genau das.

BERG: Das Geschäftsmodell, das dahintersteckt, würde ich mir gerne einmal näher ansehen.

CW: Zusätzlich bietet Microsoft seit einiger Zeit Software-Services im Rahmen seiner Live-Dienste online an, wie Windows Live und Office Live. Wie ist das Geschäft angelaufen?

BERG: Wir haben in diesem Umfeld eine Reihe von Produkten angekündigt und werden die Dienste weiter ausbauen. Beispielsweise wird es im Consumer-Bereich mit "Skydrive" Online-Storage geben. Im Bereich Live-Services, beispielsweise Messenger, wachsen wir stark. Pro Monat kommen 200 000 neue Live-User-Accounts hinzu. Außerdem haben wir unser Office-Live-Angebot in einem Paket für kleine Unternehmen zusammengefasst und um weitere Funktionen wie E-Mail-Marketing, Web-Design-Werkzeuge und Synchronisation mit Outlook erweitert. Ich halte unsere Online-Software für die beste, die derzeit auf dem Markt verfügbar ist.

CW: Das ähnelt dem, was Google mit seinen Diensten anbietet. Wie wollen Sie sich differenzieren?

BERG: Ich hoffe intelligenter, besser und in einer deutschen Sprachversion. Features wie Umlaute werden in unserem Angebot enthalten sein und nicht als die größte Erfindung seit dem tiefen Teller später nachgeschoben. Und wir werden auch nicht die Dokumente unserer Nutzer scannen.

CW: Die Stoßrichtung dieser Initiativen richtet sich also eindeutig gegen Google?

BERG: Wobei ich die Positionierung in Frage stellen würde. Ich glaube, der Vorreiter ist Microsoft, sowohl von den Features wie auch der Art der Nutzung her. Hier laufen wir niemandem hinterher.

CW: Aber Sie bei Microsoft sind doch die Getriebenen. Das Live-Angebot haben Sie doch nicht ohne Not herausgebracht?

BERG: Zu der Logik eines Live-Auftritts gehören viele Angebote und Dienste und die Verzahnung mit Software auf dem Desktop. Das alles ist in sich schlüssig und zusammenhängend logisch und konsequent aufgebaut, mit all den Features, die Sie haben. So werden Sie aus Office heraus direkt auf Services im Internet zugreifen können, beispielsweise um Dokumente via Internet gemeinsam nutzen zu können. Dabei handelt es sich um eine komplette Infrastruktur. Wir haben ein mächtiges Office-System, wir haben Vista, wir haben die Live-Dienste.

CW: Das hört sich sehr nach Cloud Computing an. Werden die Rechenkapazitäten vor Ort mehr und mehr durch eine Art Utility Computing ersetzt?

BERG: Wir glauben, dass es eine Mischung geben und nicht alles ausschließlich im Netz stattfinden wird. Das reine Cloud-Computing hat sich nicht durchgesetzt und wird sich aus meiner Sicht auch in absehbarer Zeit nicht durchsetzen. Es wird eine Mischung aus lokaler Intelligenz und Intelligenz im Netz geben.

CW: Damit stimmen Sie den Thesen Nicholas Carrs nicht zu, wonach das Ende der IT-Abteilungen bevorsteht und künftig Computing wie Strom aus der Steckdose bezogen wird?

BERG: Zumindest auf absehbare Zeit kann ich einen derartigen Trend nicht erkennen.

CW: Aber mit der Behauptung, dass sich vieles in der Cloud preisgünstiger betreiben lässt, hat Carr doch Recht?

BERG: Trotzdem werden Computer niemals Utility werden. Wir können uns darauf einigen, dass einige Bereiche ins Hosting oder zu Partnern wandern können - in die Cloud eben. Komplett jedoch nie. Der Grund: IT ist auch ein Differenzierungsmerkmal. Innovation ist in erster Linie softwaregetrieben. Das bedeutet, dass die Software Kernkompetenz ist. Und das können Anwender nicht als Utility beziehen.

Microsofts neue Offenheit

CW: Zur neuen Offenheit von Microsoft: Bislang war der Konzern recht sparsam mit seinen technischen Informationen. Was sind die Gründe für Microsofts Kehrtwende in der Schnittstellenpolitik?

BERG: Dem muss ich widersprechen: Microsoft arbeitet schon seit Jahren daran, die Interoperabilität seiner Produkte zu verbessern. Wir haben eine ganze Reihe von Schritten unternommen, um unsere Technik gegenüber Kunden und anderen Anbietern zu öffnen, zum Beispiel die Einführung von XML-basierten Formaten, die Offenlegung von Schnittstellen-Informationen über Windows-Betriebssysteme für Desktop und Server oder die Kooperation mit anderen Softwareanbietern wie Sun oder Novell. Mit den neuen Prinzipien erweitern wir deutlich unsere Aktivitäten, plattformübergreifend Interoperabilität zu fördern.

CW: Welche Rolle haben die Kartellrechtsverfahren bei dieser Entscheidung gespielt?

BERG: Natürlich war die Erfüllung der Auflagen der EU-Kommission ein wichtiger Faktor. Das ist aber nicht unser Hauptbeweggrund, unsere Techniken weitreichend zu öffnen. Das haben wir vor allem auch aufgrund des Feedbacks unserer Kunden getan. Denn je wichtiger Web-basierte Services und SOA für Unternehmensanwender werden, desto wichtiger wird auch die Interoperabilität von Anwendun-gen, Daten und Technologien.

Wie Achim Berg seine Position in Deutschland beurteilt, was den Hype um Sharepoint ausmacht, was die Aussichten von Vista in den Unternehmen betrifft und warum der Fachkräftemangel das Geschäft beeinträchtigt, lesen Sie im kompletten Interview online unter: www.computerwoche.de/1856648.