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Etliche Auslieferungspläne noch offen


18.07.1997 - 

Acht-Wege-NT-Server bleiben vorerst Mangelware

"Es gibt derzeit kein Chipset auf dem Markt, das robust genug wäre, um es an Kunden auszuliefern", sagt Gabe Gotthard, Produkt-Marketing-Manager in Hewlett-Packards Network Server Division im kalifornischen Santa Clara. "Und wir werden so lange nichts ausliefern, bis das System nicht einwandfrei funktioniert." Glaubt man der US-Fachpresse, so warten etliche große PC-Anbieter bislang vergeblich auf die Verfügbarkeit eines Chipsatzes von Intel, der die Verbindung mehrerer Prozessorkarten innerhalb eines Server-Systems ermöglicht. Einige PC-Branchenschwergewichte, so die Gerüchte, hätten deshalb Auslieferungspläne für Acht-Wege-NT-Server verschoben.

Funktionsfähige Systeme mit acht oder mehr Pentium-Pro-CPUs unter Windows NT sind zwar vereinzelt schon auf dem Markt zu haben. Dabei handelt es sich jedoch ausschließlich um eigenentwickelte Lösungen, die die Intel-Standardarchitektur mehr oder weniger stark verändern und zum Teil aufwendige Anpassungen am Betriebssystem erfordern. So stellte etwa Unisys kürzlich mit dem "Aquanta XR/6" das erste Zehn-Wege-System für den Betrieb unter Windows NT vor (siehe CW Nr. 23 vom 6. Juni 1997, Seite 43: "Unisys hofft auf..."). Der Hersteller verwendet dabei den High-speed-Bus "Scalar Coherent Memory" und spendiert jedem Prozessorpaar auf einer Steckkarte zusätzlich 4 MB Level-3-Cache (siehe Grafik auf Seite 36). In puncto Skalierfähigkeit enttäuschte das System aber. Nach dem TPC-C-Benchmark soll der Zehn-Wege-Rechner im Vergleich zu einem Vier-Prozessor-System nur eine um 50 Prozent höhere Performance erreichen. Allerdings hofft der Anbieter mit der Verfügbarkeit von Windows NT 5.0 auf deutlich verbesserte Werte. Ob diese Zuversicht berechtigt ist, muß sich allerdings erst noch erweisen. Nach Untersuchungen der Meta Group bringt zumindest die NT-Version 4.0 bei mehr als vier CPUs keinen nennenswerten Leistungszuwachs.

Ein Acht-Wege-System für den Betrieb unter NT hat seit einigen Wochen die Hyundai-Tochter Axil im Programm. Der Hersteller verwendet dafür zwei Steckkarten mit jeweils vier CPUs. Für die Verbindung der Boards greift der Hersteller auf das eigenentwickelte Acht-Wege-Chipset "Adaptive Memory Crossbar" zurück. Dabei arbeiten zwei gekoppelte Systembusse, die eine Bandbreite von maximal 1 GB/s ermöglichen sollen. Axil möchte die Technik auch an andere Hersteller lizenzieren.

Ein weiteres Konzept zur Unterstützung mehrerer CPUs unter NT kommt von Corollary mit der "Profusion"-Architektur. Der Hersteller plant, diese Technik noch im dritten Quartal an OEM-Kunden auszuliefern, darunter Data General, Samsung Electronics und Hitachi.

Im November 1997 möchte der AT&T-Ableger NCR einen Acht-Wege-NT-Server auf den Markt bringen.

Der Rechner vom Typ "Worldmark 4300" ist mit dem eigenentwickelten "Octascale"-Chipsatz bestückt, wie Manfred Rödig, Produkt-Manager bei NCR in Augsburg, erläutert. Für den Betrieb unter NT habe NCR in Zusammenarbeit mit Microsoft ein Hardware-Application-Layer- (HAL-)Modul entwickelt. Ein ASIC-Chip stellt die Verbindung zwischen den vier Dual-CPU-Boards her und ermöglicht den gemeinsamen Zugriff der Prozessoren auf den Arbeitsspeicher. Der Server soll zunächst mit Windows NT 4.0 Enterprise angeboten werden. Ab dem ersten oder zweiten Quartal 1998 will man auf die Version 5.0 umsteigen.

Bezüglich des von Intel erwarteten Chipsets gibt sich Rödig kritisch: "Der Chipsatz ist von Intel lediglich angekündigt, mehr kann man nicht sagen. Für uns hat das keine Auswirkungen." Seinen Informationen zufolge werde das Chipset des Prozessorgiganten frühestens im vierten Quartal 1997 als Betaversion verfügbar sein. Mit einer Auslieferung sei nicht vor dem ersten Quartal 1998 zu rechnen.

Bei Intel Deutschland möchte man zur Entwicklung eines eigenen Chipsets für Acht-Wege-Server lieber gar nicht Stellung nehmen. Mit den Standard-High-Volume-(SHV-)Server-Boards (mit vier Pentium-Pro-CPUs) decke man ohnehin bereits den größten Teil des Server-Marktes ab, so ein Sprecher. Die aktuell verfügbaren Chipsätze unterstützten momentan vier Prozessoren. "Alles andere steht in den Sternen."

Einen Acht-Wege-NT-Server plant auch der Direktanbieter Dell, wie Lary Evans, Vice-President und General Manager der Server Group, ankündigte. Ein Auslieferungsdatum steht allerdings noch nicht fest. Nach den Worten von David Detweiler, Senior Product Marketing Manager Server bei der deutschen Dell-Niederlassung in Langen, wird ein solches System aber in jedem Fall auch beim Chipsatz Intel-Technologie verwenden.

"Wir werden keinen proprietären Weg gehen", so der Manager. "Das ist nicht das, was Kunden wollen." Gegenwärtig versuche man, "Intel davon zu überzeugen, hier tätig zu werden". Zu welchem Zeitpunkt derartige Maschinen auf den Markt kommen und eine entsprechende Betriebssystem-Unterstützung vorhanden sei, sei offen. Auch bezüglich der technischen Ausgestaltung gebe es verschiedene Möglichkeiten. Es mache jedoch "keinen Sinn, Hardwarefunktionalität zu bringen, wenn die Betriebssystem-Unterstützung nicht da ist."

Bedeckt gibt sich wieder einmal Big Blue. Jörg Dehnen, Brand Manager PC-Server bei der IBM Deutschland, wiegelt beim Thema Mehrprozessor-Server ab. "Wir haben in der nächsten Zeit nicht vor, einen Acht-Wege-Rechner anzukündigen." Eine Diskussion um mögliche Ankündigungs- oder Auslieferungstermine komme deshalb gar nicht erst auf. Zumindest bis zum Jahresende sei in dieser Hinsicht nichts geplant.

Konkretere Vorstellungen hat PC-Marktführer Compaq. Nach den Worten von Klaus Rumsauer, Produkt-Manager für Server bei der deutschen Tochter des Herstellers, ist die Ankündigung eines Acht-Prozessor-NT-Systems für das erste Quartal 1998 geplant. "Welche Technologien dafür verwendet werden, machen wir nicht von einem Hersteller abhängig", so Rumsauer. Wichtig für Compaq sei es in erster Linie, zum richtigen Zeitpunkt am Markt zu sein. Dann werde "die beste Lösung greifen". In jedem Fall setze der Hersteller aber auf eine Industriestandard-Technik und nicht auf eine proprietäre Lösung. Man gehe davon aus, daß Intel es schaffen werde, zum geplanten Zeitpunkt ein Chipset fertigzustellen. "Wenn nicht, werden wir uns andere Wege überlegen müssen.