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29.06.1990 - 

Fette Zeiten für Anbieter von integrierten CASE-Lösungen

AD/Cycle-Ankündigung macht den CASE-Mitbewerb stärker

MÜNCHEN (hv) - Die US-Niederlassung der Darmstädter Software AG beginnt in diesem Monat mit der Auslieferung der Anwendungsentwicklungs-Umgebung "Predict CASE". Nachdem die IBM mit ihrer AD/Cycle-Vision ein klares CASE-Bekenntnis abgelegt hat, florieren die Geschäfte derer, die schon heute integrierte Lösungen anbieten können.

"Der größte Vorteil unserer I-CASE-Umgebung liegt im Vergleich zu IBMs AD/Cycle-Konzept in der gegenwärtigen Verfügbarkeit der Produkte", betont Peter Pagé, Geschäftsführungsmitglied der Software AG, gegenüber der amerikanischen IDG-Schwesterpublikation Computerworld. Trotzdem wappnen sich die Darmstädter vorsichtshalber für den Zeitpunkt, zu dem IBMs CASE-Strategie klarere Konturen annimmt: "Wir unterstützen das AD/Cycle-Konzept, doch wir werden uns keinesfalls schriftlich zu irgend etwas verpflichten", so die taktische Richtlinie von Produktmarketing-Direktor Wolfgang Martin.

Für das deutsche Softwarehaus bedeutet der CASE-Vorstoß des Branchenführers zunächst höhere Gewinnmargen. IBMs Engagement, so die Einschätzung der meisten CASE-Spezialisten, hat die computergestützte Software-Entwicklung hoffähig gemacht. Für Tools wie IEF, das Gemeinschaftsprodukt von Texas Instruments und James Martin Associates (JMA), oder Predict CASE von der Software AG gebe es jetzt bessere Absatzchancen denn je.

IEF-Produktmanager Werner Schmidt von der Wiesbadener James Martin Associates GmbH begründet die gestiegene CASE-Nachfrage der Anwender so: "Die IBM-Fixiertheit in den Unternehmen ist nach wie vor groß; noch immer denken die Leute, was von IBM kommt, muß gut sein. Warum sonst kaufen Anwender reihenweise PS/2-Rechner, obwohl es billigere und bessere Systeme gibt?"

Gegenüber dem unfertigen AD/Cycle-Konzept sehen sich James Martin Associates und die Software AG, gerade was den Grad der Integration angeht, klar im Vorteil. Im CASE-Konzept der Armonker, so urteilt Software-AG-Mitarbeiter Mar tin, werden hochklassige Third-Party-Tools wie Excelerator oder IEW in einer "Mix & Match-Umgebung" relativ uneffektiv eingesetzt. Jedes dieser Werkzeuge habe seine eigenen Entwicklungsdaten, die redundant im Repository-Manager gehalten werden müßten.

"Was nutzt es, wenn die Informationen eines perfekten Diagramming-Tools wie IEW im Dokumentationswerkzeug oder im Code-Generator überhaupt nicht verwendet werden können?" fragt sich der Marketing-Verantwortliche. Durch das mangelhafte Zusammenspiel der AD/Cycle-Tools sei gegenwärtig höchstens damit zu rechnen, daß 50 Prozent des erzeugten Cobol-Codes akzeptabel seien - bei einer integrierten CASE-Umgebung wie IEF dagegen schon heute mindestens 70 Prozent.

AD/Cycle-Realisierung dauert noch viele Jahre

Auch James-Martin-Manager Schmidt gibt sich hinsichtlich der AD/Cycle-Strategie eher skeptisch: "Die ganze AD/Cycle-Geschichte befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium. Ich habe den Eindruck, daß sich mit diesem Thema derzeit nicht sehr viele Leute beschäftigen." Seiner Ansicht gibt es die entsprechenden Tools der Third Parties noch gar nicht in der Ausführung, wie sie ein funktionierende AD/Cycle-Umgebung verlangen würde.

Software AG und James Martin Associates rechnen übereinstimmend damit, daß IBM etwa fünf bis sieben Jahre benötigen wird, um aus dem gegenwärtigen Mix & Match-Konzept herauszufinden und eine vollständig integrierte CASE-Umgebung unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche anbieten zu können.

Gerade hinsichtlich des Information-Modells, scheint die IBM noch weit von ihren Zielen entfernt. Zwar bekennt sich Big Blue prinzipiell zu einem Entity-Relationship-Modell, beschreibt aber bisher nicht, wie dieses konkret aussehen soll. "IBM muß das Modell so definieren, daß die verschiedenen Werkzeuge miteinander verknüpft werden können" - nach Ansicht von Werner Schmidt ein aufwendiges Unterfangen.

Ein brauchbares Informations-Modell muß für Schmidt "aus einem Guß" sein, so daß die Konsistenz der Daten über alle Phasen hinweg gesichert ist. Gegenwärtig wissen die Anwender aber noch nicht einmal, wie sie ihre Entwicklungsdaten im AD/Cycle halten sollen - das konkrete Datenbankdesign ist noch völlig unklar.

CASE-Zukunft auf dem Unix- und VMS-Markt

Um auf dem Markt der IBM-Systeme auch in Zeiten, in denen es eine funktionsfähige AD/Cycle-Umgebung geben wird, konkurrenzfähig zu sein, sagen sowohl die Software AG als auch die James Martin Association ihren "Blau-äugigen" Kunden die volle AD/Cycle-Kompatibilität zu. "Zwischen unserer zentralen Enzyklopädie und dem Repository Manager wird es eine Schnittstelle geben. Damit können alle

Informationen, die in einem Modell enthalten sind, in den Datenbehälter der IBM übertragen werden", stellt JMA-Mitarbeiter Schmidt klar.

Ähnliche Zugeständnisse sind von seiten der Software AG zu vernehmen. Neben der AD/Cycle-Linie setzen die beiden Unternehmen aber auch auf den expandierenden Unix-Markt und die gesamte DEC/VAX-Schiene.

Anwender in CASE-Gedanken

Gott sei Dank, irgendwie kriegen die das immer hin, bei der IBM-Business Partner, Enabled Vendor... -für jeden, dem die IBM wohlgesonnen ist, fällt da ein Titelchen ab. Für uns Anwender eine echte Orientierungshilfe. Nach dem Motto: Wen die IBM öffentlich streichelt, dem kann ich, als Kunde, vertrauen. Schade, daß das Logo "Featured By IBM" (FBI) schon vergeben ist!

Woher nimmt eigentlich die Software AG den Mut, eine CASE-Umgebung anzubieten, ohne ein schrifliches oder besser noch ein notariell abgesegnetes AD/Cycle-Commitment abzugeben? Nur ein Versprechen an die Kunden - wenn das mal nicht schief geht! Man könnte meinen, die brauchten die IBM gar nicht. Nachher läßt man uns auf der Entwicklungsdatenbank sitzen, ohne daß wir die Meta-Daten des Repository-Managers herankommen - ein Alptraum!

Besser, wir lassen erst einmal die Finger von integriertem CASE-Systemen, solange das AD/Cycle-Konzept noch im Rohbau ist. Bloß kein Risiko! Ohne eine blaue Vertragsunterschrift kaufen wir nichts. Vielleicht trennt sich die IBM ja auch noch rechtzeitig von ihren CASE-Pfadfindern Knowledgeware, Bachman und Index. Alles von einem Hersteller wär' doch viel einfacher! Schließlich haben die Blauen mit "Developmate" ja noch einen Trumpf in der Hand, mit dem die Übersicht am CASE-Markt wiederhergestellt werden könnte. Warten wir's ab, die Zeit drängt ja nicht... hv