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15.01.1993 - 

Softlab steigt in der IBM-Hierarchie auf

AD/Cycle-Partner Bachman nabelt sich von der IBM ab

Als Grund fuer den Ausstieg nennt Bachman-President Arnold Kraft die Notwendigkeit, dem gesamten Softwaregeschaeft eine neue Richtung zu geben. Man werde eine Reihe von Produkten anbieten, die den Trends zu Downsizing und Client-Server-Architekturen Rechnung tragen sollen. Kunden forderten heute von ihrem Softwarelieferanten die Faehigkeit, herstellerunabhaengig mit einer breiten Palette von Informationssystemen arbeiten zu koennen.

Was Kraft nur vorsichtig andeutet, interpretieren Fachleute als deutliche Abfuhr fuer das inzwischen mehr als angeschlagene IBM- Entwicklungskonzept AD/Cycle. Big Blues Kapitulation bei der Entwicklung des Repository Manager/MVS steht fuer viele Softwarehaeuser und IBM-Kunden fuer das Scheitern von AD/Cycle insgesamt. An diesem Urteil vermag auch die Ankuendigung eines LAN- basierten Repository, das objektorientierte Techniken beruecksichtigen und das Informationsmodell des Repository Manager/MVS unterstuetzen soll, wenig zu aendern. In der DV-Branche wird entschieden daran gezweifelt, dass die IBM nach dem Scheitern ihres Mainframe-basierten Konzeptes nun zur Realisierung einer weit komplexeren, verteilten Architektur faehig sein wird.

DB2-Spezialist Bachman loest wohl aus diesem Grund, aber auch wegen Ueberschneidungen in der Produktpalette, die durch den Kurswechsel der IBM bedingt sind, seine enge Bindung an den Marktfuehrer und unterstuetzt statt dessen die Systeme anderer Hersteller. "Wir muessen AD/Cycle, das heute im wesentlichen fuer IBM-Plattformen

vorgesehen ist, auf andere Datenbank-Umgebungen ausdehnen", erlaeutert Chairman Charles Bachman im Gespraech mit der CW- Schwesterpublikation "Computerworld". Vor diesem Hintergrund sind auch die Ende letzten Jahres vereinbarte Kooperation mit der Sybase Inc. sowie die engen Geschaeftsbeziehungen zu Sun Microsystems zu sehen.

Hinter der Abnabelung von Big Blue, die nicht nur fuer das AD/Cycle-Konzept, sondern auch fuer die Bereiche Systemview und Information Warehouse gilt, stecken aber auch handfeste Geldsorgen. Das erste Quartal des laufenden Geschaeftsjahres hatte das US-Softwarehaus mit einem Rekordverlust von 3,6 Millionen Dollar beendet.

Schuld an der ungewohnten Misere war nach Ansicht eines Sprechers der deutschen Bachman-Niederlassung nicht zuletzt der uebermaechtige Partner IBM: Big Blues Ankuendigung, der Repository Manager/MVS werde nicht weiterentwickelt, hat nicht nur viele Kunden, sondern auch den AD/Cycle-Partner hart getroffen. Fuer Bachman fuehrte IBMs ploetzlicher Kurswechsel dazu, dass der Umsatz im ersten Quartal 1993 um zwoelf Prozent zurueckging. Das Personalkarussell begann sich zu drehen, von

insgesamt 340 Mitarbeitern mussten 15 Prozent entlassen werden (siehe auch CW Nr.48 vom 27.November 1992, Seite 6).

Auch in der deutschen Bachman-Niederlassung herrscht zur Zeit Unordnung. Geschaeftsfuehrer Manfred Kessel musste aufgrund persoenlicher Differenzen mit der US-Geschaeftsfuehrung im Dezember 1992 das Unternehmen verlassen; einen neuen Chef hat die Wiesbadener Filiale bis heute nicht gefunden.

Die Verpflichtung, in dieser wirtschaftlich und organisatorisch angespannten Situation auch noch Gebuehren an die IBM zu entrichten, veranlasste Bachman offenkundig zum Treuebruch. Die Softwerker folgten mit dieser Entscheidung dem Vorbild des US- Softwarehauses Intersolv: Der in Rockville, Maryland, ansaessige CASE-Anbieter hatte der IBM den Laufpass gegeben, nachdem die Geschaeftsfuehrung zu dem Ergebnis gekommen war, dass die Entwicklungsvereinbarung mit den Armonkern unter dem Strich mehr gekostet als eingebracht hatte. Von allen Gewinnen, die im Zeichen der AD/Cycle-Partnerschaft erwirtschaftet werden, muss naemlich stets ein bestimmter Prozentsatz an Big Blue abgefuehrt werden.

Wie die "Computerworld" berichtet, scheinen auch Eifersuechteleien innerhalb der AD/Cycle-Riege Einfluss auf die Entscheidung Bachmans genommen zu haben. So hatte sich die IBM zuletzt allzu stark dem Geschaeftspartner Knowledgeware Inc. zugewandt. Big Blue nahm dem AD/Cycle-Gefaehrten Tools im Wert von rund 25 Millionen Dollar ab. Zudem erhielt das Unternehmen als bevorzugter Lieferant von Front- end-CASE-Tools fuer die Bereiche Analyse und Design eine Sonderstellung in der AD/Cycle-Gemeinde.

Peter Kirn, verantwortlicher Direktor fuer Anwendungen und Architekturen bei der IBM Deutschland GmbH in Stuttgart, raeumt ein, dass Knowledgeware in der IBM-Konzeption eine Schluesselrolle spiele. Mit dem Unternehmen werde sowohl auf Entwicklungs- als auch auf Marketing-Ebene eng zusammengearbeitet. Mit Bachman dagegen habe in den meisten Laendern ausschliesslich ein Development-Abkommen existiert - auf Marketing-Ebene habe man in vielen Laendern nicht zueinander finden koennen.

Das AD/Cycle-Konzept ist laut Kirn aktueller denn je: Man werde in Kuerze ein Entwicklungsabkommen mit der Muenchner Softlab GmbH abschliessen, mit der bereits eine umfassende Marketing- Vereinbarung bestehe. Diese Kooperation sei aufgrund der Verbreitung der CASE-Umgebung "Maestro" fuer IBM weitaus wichtiger als die Partnerschaft mit Bachman.