Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

02.10.1981 - 

Telesoft plant zunächst Intel-, DEC- und 370-lmplementierungen:

Ada-Compiler gründet Softwarehilfen-Familie

SAN DIEGO, Calif.(cw) - Junge Unternehmen auf dem Gebiet der Informationsverarbeitung hatten bisher stets Erfolg, wenn sie sich in einer Marktnische einnisteten und von dort aus nach Kräften absahnten, was in der REGEL recht unauffällig erfolgte. Wenn nun ein anderes junges Unternehmen sich statt dessen zum Ziel gesetzt hat, einen völlig neuartigen Marktsektor zu erschließen, sind schnell die Marktbeobachter zur stelle und nehmen den Neuling ins Visier.

Ein Unternehmen, das seit kurzem diese Aufmerksamkeit auf sich lenkt, ist die Telesoft Inc., die kürzlich den ersten kommerziell lieferbaren, portablen Compiler für Ada angekündigt hat, für jene vieldiskutierte neue Programmiersprache also, die für das amerikanische Verteidigungsministerium entwickelt worden ist. "Eines der Hauptziele beim Aufbau von Ada war die Schaffung einer Basis für eine völlig neue Softwarekomponentenbranche", sagt Ken Bowles, Vorsitzender der Telesoft. "Eines unserer Geschäftsziele besteht darin, einer der großen Verleger im Softwarekomponentenmarkt zu werden, und wir haben uns deshalb vorgenommen, am Aufbau eines solchen Markts für die Industrie mitzuwirken."

Bowles, in der Welt der Informationsverarbeitung bekannt als Gründer und Direktor des Projekts, mit dem UCSD Pascal geschaffen wurde, sagt, der Ada-Compiler sei der Grundbestandteil einer Familie von Softwarehilfen, die das Telesoft Programming Support Environment (Telesoft-PSE) genannt wird. Zu dieser Familie gehören außerdem ein Pascal-Multitasking-Compiler, ein ROS-Multitasking-Betriebssystem und ein MC68000-Makroassembler.

Diese bilden - so das Unternehmen - die erste einer Serie von Softwarehilfen, die es zu verlegen gedenkt. Der Ada-Compiler von Telesoft stellt allerdings nur eine Teilimplementierung der ganzen Ada-Sprache dar, weil deren umfassende Normung noch aussteht. Ursprünglich war der Compiler zum Lauf auf Tischrechnern bestimmt.

Warten auf Ada-Norm

"Unser Ziel besteht darin, den Anwendern einen Compiler zu übergeben, mit dem sie Ada erproben können, und anfangs hatten wir uns ganz auf die Portabilität verlegt", sagt Peter Dine, Präsident von Telesoft. "Wir haben uns aber zur ständigen Weiterentwicklung des Compilers wahrend der nächsten zwölf Monate verpflichtet und werden mit weiteren Releases erscheinen, sobald die vollständige Ada-Norm vorliegt."

Die nächsten Implementierungen sind für den APX86 von Intel, das System VAX-11 von Digital Equipment und das IBM-System /370 bestimmt sagt Telesoft. Die PSE-Softwarehilfen waren von Anfang an für Systemintegratoren vorgesehen, die andere Programme entwickeln, wobei im Brennpunkt der ursprünglichen Marketingbemühungen große Unternehmen und Institutionen standen. Das Unternehmen glaubt, festen Boden unter den Füßen zu haben und nun die Ernte einzubringen.

"Wir glauben, eine grundsätzliche Umkehr darin zu erkennen, wie der Markt die Systembeschaffung von den Herstellern auffaßt. Früher waren die Kunden so eingestellt, daß sie sich auf eine ganz bestimmte Hardwarekonfiguration festlegten, wobei die Software lediglich als deren Wertsteigerung angesehen wurde. Wir mochten eine umfassende Umstellung des Marktgeschehens insofern voraussagen, als die Kunden ihr Hauptaugenmerk auf das Softwaresystem richten werden, wobei die Hardware nur als dessen Wertsteigerung betrachtet wird", sagt Bowles.

Er betont, die Softwarehilfen für Ada seien enorm wichtig, weil die Anwender davon ausgingen, daß ihre Programme auf allen Rechner laufen sollten, ungeachtet deren Herkunft. "Der Vorteil von Ada ist darin zu sehen, daß es für Rechner aller Größen verwendet werden kann", fügt er hinzu.

Portable Softwarekomponenten

Ada war zwar bisher ein Steckenpferd des Pentagon, doch ist Telesoft von seiner allgemeinen kommerziellen Verwendbarkeit überzeugt. Bowles schätzt, daß die Hälfte seiner Kunden kommerzielle, nicht an das Pentagon gebundene Vertragspartner sein dürften. Interesse an dem neuen Compiler haben bereits Unternehmen der Elektronikindustrie sowie Hersteller von Industrierobotern und von Ausrüstungen für Erdstationen gezeigt.

"Die zentrale Frage ist die Produktivität großer Programmierabteilungen. Wir glauben, den Fuß fest in der Tür zu haben, da der potentielle Markt für Softwarehilfen nicht absehbar ist" meint Dine und fügt hinzu: "Indem wir den heutigen Stand der Technik in die kommerzielle Nutzung hineintragen, schaffen wir einen neuen Markt für Softwarekomponenten."

Nach Ansicht von Telesoft trägt diese Strategie dazu bei, den Engpaß an Programmierern zu überwinden, indem ein Markt für austauschbare, portable Softwarekomponenten erschlossen wird, so daß jeder für seine eigene Programmentwicklung die erforderlichen Komponenten auswählen und zusammensetzen kann.

*Robert Batt ist Redaktionsmitglied der COMPUTERWORLD.

Übersetzt aus COMPUTERWORLD vom 7. 9.1981 von Hans J. Hoelzgen, Böblingen.