Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

02.06.1989 - 

Anwenderkongreß fordert mehr Ada-Programmierer:

Ada-Programm soll Raumstation steuern

Der Mangel an Ada-Programmierern war eines der Hauptthemen auf dem 4. deutschen Ada-Anwenderkongreß in München. Während in den USA bereits Public-Domain-Software in Ada vertrieben werde, hieß es dort, gäbe es in Europa erst etwa 1000 Programmierer für diese Sprache - die Hälfte davon in England.

Es komme darauf an, die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die Ada gegenüber anderen Programmiersprachen auszeichne, zu vermitteln. Hier komme den deutschen Hochschulen eine zentrale Bedeutung bei. Hochschul-Dozenten sollten sich der Sprache Ada annehmen und ihren Studenten vermitteln. Nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand von Ada Deutschland werden derzeit lediglich an der Universität Hamburg und ab Sommersemester 1989 auch an der TU Berlin Lehrveranstaltungen in Ada angeboten. Im Laufe des Jahres kommt noch die Münchener Bundeswehr-Hochschule dazu.

Darüber hinaus beschäftigt sich eine Reihe deutscher Universitäten in Projekten, in denen Ada Anwendung findet. Dazu gehören die Universitäten in Paderborn, Oldenburg, Karlsruhe und Dortmund sowie in Hamburg, Hildesheim, München und Berlin.

Doch diese Namen können nicht verheimlichen, daß es sich hier trotzdem nur um den berühmten Tropfen auf den heißen Stein handelt. Die eingangs erwähnte Zahl von nicht einmal 1000 Ada-Programmierern in Europa läßt erkennen, daß der Schwerpunkt in der Ausbildung zu liegen hat. Erwähnung fand in diesem Zusammenhang, daß einige Ada-Anbieter in Deutschland sowohl für Studenten günstige Einstiegsmodelle anbieten, als auch den Hochschulen (auch den Fachhochschulen) eine Reihe von Lizenzen angeboten werden können.

Ein weiteres wichtiges Thema war, immer noch bestehende Vorurteile gegen das vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium initiierte Ada als Sprache für rein militärische Zwecke auszuräumen. In diesem Zusammenhang wurde diskutiert, wie man den Anwenderkreis am beste erweitern könnte.

Positiv wurde die Portabilität von Ada hervorgehoben. So berichtete das Berliner Unternehmen Sietec von Projekten, in denen es gelang unzählige verschiedenartige Rechner mit unterschiedlichsten Betriebssystemen mit Ada auszustatten. Dadurch sei sowohl eine "hohe Synergie in der Software-Entwicklung", als auch eine "homogene Rechnerbasis durch den Ada-Einsatz" erreicht worden. Statt "teurer" Vax-Rechner ließen sich so auch "einfache PCs" zu bestimmten Aufgaben heranziehen.

Eines der zur Zeit größten Ada-Projekte, über das auf dem Kongreß gesprochen wurde, wird derzeit in den Vereinigten Staaten abgewickelt. An dem Nasa-Programm "Raumstation Freedom" ist neben Japan und Kanada jedoch auch die europäische Raumfahrtbehörde Esa beteiligt.

In München sprach Nasa-Verteter Gary Raines den Umfang des geplanten Freedom-Programms an. Seinen Angaben zufolge, belaufen sich die Schätzungen auf etwa zehn Millionen Zeilen Quellcode allein für die Steuerung des Fluges der Rumstation sowie der Bodenstationen. Hinzu kommen noch die Programme, die von den einzelnen Partner-Ländern später an Bord von Freedom durchgeführt werden. Über deren Umfang konnte Raines keine Angaben machen.

Die Entscheidung für Ada wurde Raines zufolge auf Grund einer Kosten/Nutzen-Analyse getroffen, wobei der Zeitraum des auf 30 Jahre angelegten Projektes zugunsten von Ada gesprochen habe. Innerhalb dieses Zeitraumes sei es unumgänglich, die an Bord der Raumstation befindlichen Computer-Systeme gegen "aktuelle" auszuwechseln. Hier mache sich die problemlose Portierbarkeit von Ada positiv bemerkbar. Auch die Fähigkeiten dieser Programmiersprache, durch ihr Tasking mehrere Prozessoren parallel zu bedienen, spreche für sie. Schwierigkeiten bereitet der Nasa noch die langsame Performance, das dynamische Speicher-Management und die noch nicht optimale Echtzeit-Behandlung, sowie eine derzeit noch fehlende Schnittstelle zur Datenbanksprache SQL. Beide Probleme kamen dann auch auf dem Kongreß immer wieder zur Sprache.

Vergleichsweise bescheiden nehmen sich demgegenüber die Dimensionen aus, mit denen die Münchener Firma GSE konfrontiert wurde. Sie realisierte eine Förderband-Steuerung für Waschmaschinen auf der Basis eines ATs mit dem nicht echtzeitfähigen Betriebssystem MS-DOS und Ada - mit Erfolg.

_AU:Peter Ratajczak*