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15.10.1982

adi-Kongreß: Mit einer Mischung aus Kritik und etablierter Geschichte den Start versuchen

Mit Norbert Ruppenthal, EDV-Leiter der Rodenstock Optische Werke, München, und adi-Vorstandsmitglied sprach Dieter Eckbauer

- Herr Ruppenthal, der Anwenderverband Deutscher Informationsverarbeiter führt anläßlich der Orgatechnik seinen ersten DV-Anwender-Kongress durch. Was hat den adi, bei dem vorhandenen Kongreß-Überangebot, veranlaßt, eine weitere Veranstaltung ins Leben zu rufen?

Wir wollen die Probleme der modernen Informationsverarbeitung auf der Basis des Vernünftigen, des Machbaren ansprechen. Wir glauben, daß viele Kongresse an diesem Ziel vorbeioperieren und an alle Fragen etwas zu praxisfremd, zu theoretisch herangehen.

- Sie wollen den Praktiker zu Wort kommen lassen. Wenn man sich aber die Liste der Referenten anschaut, dann fällt auf, daß mehr Hersteller als Anwender vertreten sind. Also doch dasselbe in Grün

Nein, nicht unbedingt dasselbe in Grün. Wir haben versucht, Programmreihen aufzubauen, die unterschiedlich sind vom Charakter und einerseits den Anwender ansprechen, wie die Reihe eins, "Handwerkszeug des EDV-Leiters", zum anderen aber auch die Interessen der beiden Parteien Hersteller und Anwender berücksichtigen. Das Thema der Reihe drei, das Zusammenschmelzen von Datenverarbeitung, Textverarbeitung und Telekommunikation zur Informationsverarbeitung, ist rein zukunftsorientiert zu sehen. Und dann gibt es noch einen Komplex, der sich mit dem Angebot des Softwaremarktes beschäftigt.

- Gerade in der Reihe drei wird doch ein Thema aufgegriffen, dem sich derzeit eine Reihe von Kongressen widmen, unter anderem der Telecom, der ja praktisch zur gleichen Zeit läuft. Sehen sie denn, nochmal gefragt, eine Berechtigung für einen weiteren Kongreß?

Die Berechtigung ist sicherlich umstritten. Wir wollen jedoch gegenüber den Kongressen, die am Markt etabliert sind, klarstellen, daß man mehr auf den Anwender eingehen sollte. Daß wir noch nicht den klaren Weg gefunden haben, in dem hier Anwender an Anwender berichten, sondern - und das war das Ergebnis unserer Ausschreibung - , die Leute noch hinter dem Ofen hervorgeholt werden müssen, spricht nicht gegen dieses Konzept. Tatsache ist aber, daß der Anwender noch zu wenig in der Lage ist, sich zu artikulieren und seine Probleme auch wirklich vorzutragen. Leider sind professionelle Vortragende von Herstellern meist besser getrimmt und können sich besser verkaufen als der schlichte Anwender, der die größeren Probleme hat. Aber bei den Herstellern liegt momentan das Hauptpotential an solche Dinge heranzukommen.

- Wo soll denn die Spannung herkommen, wenn die Hersteller das Redemonopol haben?

Für Zündstoff ist gesorgt. Da ist besonders das Referat von Thilo Steinbrink zu nennen, der die Interessen des adi-Verbandes im Rahmen der CECUA vertritt. Die CECUA ist eine Konferenz der europäischen Computerbenutzerverbände, die als Expertengruppe zweimal im Jahr in Brüssel tagt. Dort werden einheitliche Vertragsentwürfe erarbeitet. Für die Hardware gibt es bereits derartige Vorschläge und man ist dabei, diese Dinge auch für die Softwareseite zu entwickeln. Die Hersteller haben bereits ganz massiv bei der EG-Kommission dagegen mit dem Hinweis interveniert, daß wir ein Anwenderkartell aufbauen. Wir werden aber unsere Ziele weiterverfolgen und hoffen, dem Anwender eine gute Basis geben zu können, damit er bei Vertragsverhandlungen klarer vorgehen kann. Das Steinbrink-Referat dürfte der Knalleffekt auf diesem Kongreß werden.

- Bedarf es denn eines Kongresses, um derartige Aktivitäten voranzutreiben? Wäre dies nicht eine permanente Aufgabe des adi?

Wo ist die Plattform, wo ist ein Podium, damit an die Öffentlichkeit heranzutreten? Wir haben ähnliche Dinge bei der Systems in München probiert, mußten aber feststellen, daß dort der Hersteller mehr im Vordergrund steht, wenn man sich die Symposien etc. ansieht. Ähnliche Dinge sind jetzt auch beim IKD in Berlin passiert. Wir werden sehen, ob dieser Kongreß in die von uns gewünschte Richtung geht. Um die Öffnung zum Anwender hin letztlich erreichen zu können, mußten wir mit einer Mischung aus Kritik und etablierter Geschichte den Start versuchen.

- Wir bemängeln an Ihrem Kongreßzeitplan, daß kaum Raum gelassen wird für Diskussionen. Wenn Sie schon den Anwender nicht hinter das Mikrofon bringen, er ist ja in jedem Fall Publikum.

Ein wichtiger Gedanke. Ich werde ja als Moderator die Reihe eins führen. Wir haben dort alle zwölf Referate so abgefaßt, daß der Vortragende wirklich nicht länger als zwanzig Minuten reden darf und der restliche Teil, nämlich die halbe Zeit, zur Diskussion zur Verfügung steht. Aber wer die Kongreßlandschaft beobachtet, wird immer wieder feststellen, daß die Leute wenig Fragen haben. Hier muß man als Moderator schon neue Wege gehen, um die Leute zur Diskussion und vielleicht auch zur Konfrontation zu reizen. Wir werden von der Seite wirklich alles versuchen, daß hier nicht Monologe gehalten werden, sondern ein echter Dialog stattfindet.

- Man gewinnt den Eindruck, daß viele interessante Informationen vermittelt werden, im Sinne von, was könnte der Anwender tun, was sollte er tun. Es wird aber viel zu wenig auf die aktuellen Probleme eingegangen, die ein EDV-Manager heute hat. Probleme, die ihm auf den Nägeln brennen. Die Themen, die auf Kongressen abgehandelt werden, greifen oftmals dem tatsächlichen Geschehen weit voraus.

Wir wissen das. Das zeigt auch die Flucht aus diesen großen Massenkongressen, die in Monologen die Zukunft aufzeichnen und dem Teilnehmer nur ein Zuhören abverlangen, weil er eben nicht so folgen kann und mit einer riesenhaften Mappe mit 500 Seiten Text nach Hause geht und meint, er kann es lesen. Er blättert vielleicht noch im Flugzeug ein bißchen und dann wandert das in ein Regal und bleibt stehen, weil er gefressen wird von den Problemen der Tagesarbeit. Daran können wir nicht vorbei.

- Was könnte man dagegen tun?

Die Alternative wäre, ein Kongreßprogramm aufzustellen, in dem die Themen und die Reihen offen sind. Man müßte sich zusammensetzen und sagen, soundsoviele Leute sollen kommen - möglichst umsonst - und dann fragen, wo drückt Euch denn der Schuh. Das machen wir in unseren Landesverbänden auf kleinster Ebene in zehn oder zwölf Gruppen, wo wir uns alle Monat einmal treffen und solche Fragen in Kleinarbeit diskutieren.

- Ein Kongreß kann diese Kleingruppen-Intimität nicht bieten.

Die Frage wird sich anläßlich diese Kongresses sicherlich stellen: Wie soll es weitergehen? Ist der adi auf dem richtigen Wege, oder verfallen wir in einen Trott, den wir bei Massenkongresses eigentlich kritisieren? Wir versuchen, ich betone das nochmals, den Kongreß anwendernah zu gestalten. Ich glaube, es wird uns gelingen.