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07.02.2005

Adidas setzt auf Web-Konferenzen

Jürgen Wasem-Gutensohn
Mit einem Web-gestützten Konferenz-System vernetzt Adidas-Salomon seine Softwareentwickler auf drei Kontinenten und spart so Reisekosten.

Vom Fußball über Inline-Skates bis zu Outdoor-Jacken und Snowboards - das Sortiment von Adidas-Salomon umfasst rund 20000 Produkte. Dazu kommen Tausende von Produktvarianten. Zweimal im Jahr steht ein Sortimentswechsel an, kommen neue Techniken auf den Markt, auch öfter. Zudem wollen lokale, vertikale und Nischenmärkte gezielt adressiert werden. Produktplanung und -entwicklung gestalten sich unter diesen Umständen kompliziert. Insgesamt sind weltweit 900 Zulieferer für Adidas-Salomon tätig. Mehr als 90 Prozent der Produkte entstehen in Fabrikationsstätten, die nicht zu Adidas-Salomon gehören. In diesem Sektor setzt das Unternehmen also auf Outsourcing.

Die IT-Abteilung verfolgt jedoch einen anderen Ansatz. Externe Dienstleister erbringen nur rund ein Viertel der IT-Leistungen. Dazu zählt etwa das Management der Netze sowie das Hosting und der Betrieb von SAP-Systemen. Die restlichen 75 Prozent - meist unternehmenskritische Aufgaben - erledigt das Unternehmen selbst. Dazu zählt auch die Kernanwendung für das Produktdaten-Management (PDM).

Das PDM basiert auf SAPs Softwaremodul "Material Management" und umfasst die gesamte Produktplanung und -gestaltung. Darin sollen alle Produktinformationen und -Konfigurationen abgelegt werden, damit Funktionsabteilungen wie Design und Marketing, aber auch die externen Fertigungsunternehmen darauf zugreifen können. Damit lassen sich viele für den Sportartikelhersteller wichtige Fragen schnell beantworten: Welche Produkte verkaufen sich in welchen Regionen gut, welche sind Ladenhüter? Müssen Produkte geändert werden, weil sich Kundenanforderungen oder -vorlieben gewandelt haben?

Großer Koordinationsaufwand

Alle dazu benötigten Informationen sind in der Datenbank der PDM-Anwendung hinterlegt. Das Ziel der PDM-Lösung ist es außerdem, die Qualität der Produktentwicklung zu erhöhen sowie die dafür notwendige Zeit und Kosten zu vermindern.

Softwareentwicklung auf drei Kontinenten

Entstanden ist die PDM-Applikation über einen Zeitraum von zwei Jahren an drei Standorten: in Herzogenaurach bei Nürnberg, Portland (Oregon) und Hongkong. Von Anfang an waren neben den Fachabteilungen wie Design und Marketing auch die externen Fertigungsunternehmen in Ostasien in die Definition von Anforderungen eingebunden. Bei diesem Großprojekt mit Dutzenden von Mitarbeitern war ein enormer Koordinationsaufwand zu betreiben. Das fängt bei der Zuweisung von Arbeitsaufträgen an und reicht über die Steuerung des Projektfortschritts und Bewertung von Funktionstests bis zur Freigabe und Festlegung von Rollout-Plänen.

Statt zu regelmäßigen Meetings und Workshops an einem der drei Standorte einzuladen und so beträchtliche Reisekosten zu verursachen, beschloss das Projektteam, dass die Teilnehmer untereinander in Web-Konferenzen kommunizieren sollten. Adidas-Salomon entschied sich für die Lösung "Meeting Center" von Webex, einem Anbieter von professionellen Services und Online-Meetings im Web. Darüber können Anwender in Echtzeit online kommunizieren und Präsentationen, Dokumente oder Applikationen gemeinsam nutzen und bearbeiten. Die Gespräche finden dabei parallel über eine Telefon-Konferenzschaltung statt.

Videokonferenzen ungeeignet

"Die Nutzung eines Videokonferenzsystems als Alternative zu der Web-Konferenzlösung schied sehr schnell aus", berichtet Ronald Urban, Specialist Incident Management, Global IT Service Desk bei Adidas-Salomon in Herzogenaurach und zuständig für den Support der Webex-Lösung. "Speziell in China, wo sich viele Fertigungsunternehmen von Adidas-Salomon befinden, sind die Telefonleitungen für die Übertragung von Videokonferenzen nicht zuverlässig genug." Webex Meeting Center nutzt dagegen ein globales Netz, das der Dienstleister speziell für die Übertragung von Echtzeitkommunikation via Internet entwickelt hat. Im Gegensatz zu fest installierten Videokonferenzlösungen entfallen laut Urban bei Service-basierenden Web-Konferenzen teure Investitionen in zusätzliche Hard- und Software.

Anwender brauchen für die Teilnahme an einer Web-Konferenz einen PC, Browser, Internet-Zugang und ein Telefon. Nachdem sie eine Einladung per E-Mail erhalten haben, melden sie sich auf der Website von Webex an und laden einmalig einen Client. Die Installation ist in wenigen Minuten abgeschlossen. Anschließend steht der Service zur Verfügung. Die Web-Konferenz-Services sind plattformunabhängig und funktionieren mit jedem beliebigen PC.

Urban zufolge nutzten zwischen 120 und 150 Projektbeteiligte (Projektleiter, Teamleiter, Entwickler, Adidas-Salomon-Mitarbeiter aus den Abteilungen Design, Produktentwicklung und Marketing sowie Mitarbeiter der externen Fertigungsstätten in China) die Web-Konferenzlösung.

100 Web-Meetings pro Monat

Gut die Hälfte davon arbeitet in Herzogenaurach, jeweils 20 Prozent in Hongkong und in Portland, die restlichen zehn Prozent waren Externe. In Spitzenzeiten wurden bis zu 100 Web-Meetings pro Monat abgehalten, in weniger intensiven Arbeitsphasen waren es immerhin noch 60.

"Auch wenn hin und wieder persönliche Meetings der Projektbeteiligten unumgänglich waren, ergaben sich durch den Einsatz der Kommunikationslösung enorme Einsparungen bei den Reisekosten", resümiert Urban. "Im gesamten Projekt kam hier ein sechsstelliger Betrag zusammen." Zudem sind Mitarbeiter durch die Nutzung von Web-Konferenzen produktiver, weil sie ihre Arbeitszeit nicht für Reisen zu Meetings zu verschwenden.

Die von Webex bereitgestellte Infrastruktur besteht aus der "Media-Tone"-Technik und dem "Webex Interactive Network" (WIN). Erstere nutzt den Standard T.120, ein Protokoll zur plattformunabhängigen Datenkommunikation in Echtzeit. WIN ist ein redundantes, globales Netz, das speziell für die Übertragung von Echtzeitkommunikation via Internet entwickelt wurde. Aktuell umfasst WIN über 650 Server an zehn Standorten in den USA, Europa und Asien, die von einem Network Operations Center im Silicon Valley überwacht werden. Dadurch ist das System vor Internet-spezifischen Performance-Problemen geschützt.

"Neben der Zuverlässigkeit ist die Sicherheit einer der zentralen Aspekte bei den Web-Konferenzen. Schließlich werden in Online-Meetings wichtige Themen besprochen und vertrauliche Informationen ausgetauscht", be-tont Urban.

SSL-Verschlüsselung

Die Informationen und Inhalte einer Web-Sitzung stehen bei Webex als Kopien der Original-Files in Echtzeit zur Verfügung. Sie werden nicht wie bei Lösungen anderer Anbieter auf einem Server gespeichert. Dadurch gibt es praktisch keine Möglichkeit für Eindringlinge, die Informationen zu hacken. Beim schreibenden Zugriff auf die Datenkopie werden die Daten mit 128 Bit und Secure Sockets Layer (SSL) verschlüsselt. Dieses Verfahren wird auch von Finanzinstituten beim Online-Banking verwendet und gilt als sicher.

Tool für Schulungen

"Für Online-Meetings hat sich Webex Meeting Center im PDM-Projekt sehr bewährt", zieht Urban ein Fazit. Am Standort Portland sei die Technik bereits für Schulungszwecke entdeckt und eingesetzt worden. Dabei werden Daten und Videos mittels einer zusätzlichen Webcam in Echtzeit übertragen, so dass sich Online-Schulungen wie herkömmlicher Unterricht im Klassenzimmer gestalten lassen. (rg)