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27.09.1996 - 

System-Management

Administratoren ringen mit technischer Vielfalt

Nach einer kürzlich erschienenen IDC-Umfrage sahen 54 Prozent der befragten CIOs das System-Management als eines der größten Hemmnisse bei der Einführung von Client-Server-Umgebungen an. Obwohl es inzwischen viele herstellerübergreifende und funktionsreiche Anwendungen gebe, fehle es nach wie vor an der aus der Großrechnerwelt bekannten Integration und Zuverlässigkeit.

Bestätigt wird das Ergebnis dieser Befragung durch eine Untersuchung der Gartner Group, wonach die Hälfte der Client-Server-Projekte aufgrund von Problemen mit inadäquaten Management-Werkzeugen den vorgesehenen Zeitrahmen überschritten. Diese Daten unterstreichen die Notwendigkeit eines ausgefeilten Konzepts für System-Management.

Angesichts dieser Situation liegt es nahe, die Heterogenität soweit wie möglich einzuschränken, indem die zuständigen Manager ihre DV aus einer Hand kaufen. Schon in früheren Zeiten, als der Lieferant der Wahl noch IBM hieß, ließ sich dieses Ziel nicht erreichen. Trotzdem gibt es heute Versuche, die Datenverarbeitung auf Basis von Intel- und Microsoft-Produkten zu standardisieren.

Es gilt die Regel, daß technische Vielfalt nicht zu vermeiden ist. So haben Abteilungsleiter häufig die für sie optimalen Lösungen angeschafft, die nun integriert werden müssen. Andere Systeme gelangten durch Fusionen und Firmenkäufe in die Unternehmens-DV.

Verschärft wird diese problematische Situation dadurch, daß es keinen Anbieter von Management-Werkzeugen gibt, die einer umfassenden Lösung auch nur nahe kämen. Die Heterogenität und Schnellebigkeit der DV-Techniken läßt jede Lösung schon während der Konzeptionsphase veralten.

Selbst die IBM war nicht in der Lage, ihr ehrgeiziges "Karat"-Projekt allein zu stemmen, mit dem unternehmensweites System-Management auf objektorientierter Basis ermöglicht werden sollte. Deswegen wurde mit Tivoli Systems ein Spezialist auf diesem Gebiet an Bord geholt, dem man auch gleich die Verantwortung für die hauseigenen Management-Umgebung "Systemview" übertrug.

Bei Management-Standards Konfusion

Unter diesen Umständen wachsen Aufwand und Kosten für zentrale Kontroll- und Management-Instrumente überproportional. Den Anwendern bleibt nicht viel anderes übrig, als die Probleme soweit wie möglich zu reduzieren, indem sie die Vielfalt ihrer DV-Umgebung durch eine restriktive Einkaufspolitik bei der Hardware und den konsequenten Einsatz von Software- und Middleware-Standards reduzieren.

Doch auch Standards unterliegen der technischen Entwicklung. So ist seit den 80er Jahren die Anzahl der für das System- und Netz-Management so wichtigen Protokolle explodiert. Generell gilt, daß bei Management-Standards Konfusion und Mangel herrscht.

Zu den wenigen Standards zählen, zumindest im hardwarenahen Netz-Management-Bereich, das Simple Network Management Protocol (SNMP) und dessen im Telecom-Bereich etablierte Entsprechung CMIP (Common Management Interface Protocol). Auch das von der Open Software Foundation eingeführte Distributed Computing Environment (DCE) sowie sogenannte Remote Procedure Calls (RPCs), haben sich durchgesetzt.

Dies sind Dienste und Konventionen für unternehmensweite Funktionsaufrufe. Bei den Polling-Mechanismen ist noch unklar, ob sich die SNMP-Erweiterung SNMP 2 oder das objektorientierte Messaging-System Corba 2 durchsetzt.

Als Standards können daneben etablierte Management-Plattformen gelten. Zu ihnen gehören "Openview" von Hewlett-Packard, "Systemview" und "TME" von IBM und dessen Tochterunternehmen Tivoli, "Unicenter" von Computer Associates sowie die mehr netzwerklastigen Produkte "Sun Netmanager" und "Solstice" von Sun Microsystems und "Spectrum" von Cabletron. Im Windows-Umfeld zählt dazu - neben dem mehr Netzwerk-orientierten "Managewise" von Novell und Intel Microsofts "Backoffice" mit dem "System Management Server" (SMS).

Vom monolithischen zum verteilten Management

Die unterschiedlichen Ansätze zur Beherrschung der Unternehmens-DV sind historisch gewachsen. Probleme wie Softwareverteilung waren klassischen Mainframern unbekannt - lief die Applikation doch auf dem Großrechner. Die Anwender durften lediglich ihre Masken am Terminal ausfüllen. Hier war System-Management identisch mit RZ-Betrieb. Die wesentlichen Aufgaben bestanden in der Vergabe der CPU-Zeiten an Benutzer und Jobs, im Verhindern von Engpässen, etwa im Festplattenspeicher, in der Sicherung und Optimierung der zentralen Anwendungen sowie in der Überwachung von Transaktionen.

Komplizierter wurde es bereits mit der Etablierung der lokalen Netze (LANs) in den 80er Jahren. Sie stellte einen ersten Versuch dar, des berüchtigten PC-Wildwuchses Herr zu werden und die DV-Inseln wieder in die Unternehmens-DV zu reintegrieren. Nachdem jahrelang jeder PC-User mit der Anwendung seiner Wahl gearbeitet hatte, wurden nun Applikationen aus dem Netz geladen. Wichtiger noch: Auch die Daten ließen sich wieder zentral speichern. Bis in die späten 80er Jahre beschränkte sich System-Management hierbei auf das Erstellen von Benutzerprofilen und das Überwachen der Server-Auslastung.

Der Vernetzungsboom dieser Jahre führte zu einer enormen Verbreitung von herstellerspezifischen Protokollen, die nur in begrenzten Umgebungen funktionierten. Verbindungen zwischen LAN- und Mainframe-Welt gab es meist nur in Form von inhouse erstellten Sonderlösungen. An ein unternehmensweites Management war solange nicht zu denken, bis 1988 das Simple Network Management Protocol (SNMP) eingeführt wurde.

Neue Schwierigkeiten ergaben sich durch das seit Anfang der 90er Jahre im Gefolge von Unix eingeführte Client-Server-Konzept. In Reinkultur bedeutete diese Technik die Aufgabe der festen Master-Slave-Rollenverteilung zugunsten von Systemen, die ad hoc die jeweils geforderte Aufgabe übernehmen können. Diese Form der verteilten Datenverarbeitung ist bislang eine Vision geblieben, worüber zumindest die Systemverwalter nicht traurig sind. Statt dessen hat sich das Client-Server-Konzept der drei Ebenen (3-tier) durchgesetzt, bei dem es einen (meist zentralen) Daten-Server, einen Applikations-Server und einen Client gibt, auf dem im wesentlichen die Präsentationsschicht der Unternehmensanwendungen und sogenannte persönliche Tools wie Textverarbeitung und Spreadsheets installiert sind. Hinzu kommen LAN-Funktionen wie E-Mail und Workflow-Programme. Für die System-Manager bedeutete diese Entwicklung, daß sie die gesamte Unternehmens-DV in der Folge eher in den Griff bekamen. Die Bewältigung dieser Aufgabe erforderte jedoch eine intime Kenntnis aller Techniken, insbesondere der Schnittstellen und Protokolle, die auf den drei genannten Ebenen und dazwischen verwendet werden. Trotz langsam aufkommender übergreifender Standards wie SNMP, CMIP und Corba ist dieses Grundproblem noch lange nicht gelöst.

Als hilfreich hingegen erweisen sich die immer ausgefeilteren Agenten. Dabei handelt es sich um kleine Programme, die auf dem zu überwachenden System installiert sind und darauf warten, durch vordefinierte Ereignisse aktiviert zu werden. Einfache, zum Beispiel SNMP-basierte Agenten melden das Ereignis dann zur Management-Konsole andere Agenten, die oft objektorientiert entwickelt wurden, können kleinere Fehlfunktionen selbsttätig beheben.

Komplikationen neueren Datums basieren auf dem jüngsten Trend, LANs und WANs um Internet-Techniken zu ergänzen. Unverbesserliche Mainframer hoffen, insbesondere durch laufwerkslose Internet-PCs die einfach zu verwaltenden Terminals vergangener Tage wiederzubeleben. Generell läßt sich jedoch sagen, daß die Frage des System-Managements im Internet derzeit noch weitgehend ungeklärt ist. Das gilt zum Beispiel für so zentrale Fragen wie Transaktions- und Zugriffssicherheit. Statt Vereinfachung kommt auf die Administratoren nun erst einmal die Auseinandersetzung mit einer Reihe von neuen Protokollen sowie die Einrichtung von aufwendigen Firewalls zu.

Allerdings wird das Web von einigen Herstellern auch als Chance zur Vereinheitlichung des System-Managements wahrgenommen. Aus diesem Anlaß kooperieren jetzt Microsoft, Intel, Cisco, Compaq und BMC. Zu den ersten Lösungen gehören das für das Web konzipierte Datenmodell Hypermedia Management Schema (HMMS) und das dazugehörige Hypermedia Management Protocol (HPPS), das nunmehr auch von Computer Associates unterstützt wird.

Angeklickt

Das Client-Server-Konzept hat sich in Reinkultur noch nicht durchgesetzt - zur Freude der Systemadministratoren, die das zur Zeit erfolgreichere Drei-Ebenen-Konzept bevorzugen (3-tier), weil sie damit die Applikations- und Dienstevielfalt besser im Griff haben. Ausgefuchst müssen sie dennoch sein: Sämtliche Standards und Techniken müssen ihnen geläufig sein, wollen sie im Vernetzungsboom bestehen.