Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

25.01.2002 - 

Tariferhöhung um 100 Prozent

ADP bittet Paisy-Outsourcer kräftig zur Kasse

MÜNCHEN (mo) - Zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren hat ADP die Wartungsgebühren für seine Outsourcing-Partner drastisch erhöht. Die Kostensteigerung gefährdet die Existenzgrundlage kleinerer Outsourcer. Das kann ADP nur recht sein.

Seit dem 1. Januar müssen Service-Rechenzentren, die ihren Kunden die Lohn- und Gehaltsabrechnung mit dem Großrechnerprogramm "Paisy" anbieten, einen deutlichen Kostenschub verkraften. Bei Großkunden mit mehr als 3500 Abrechnungsfällen pro Monat fällt nun eine Wartungsgebühr von 0,61 Euro pro Abrechnungsfall statt der bislang 0,31 Euro an.

Zweiter Preisschub nach 1998"Mit der neuerlichen Vertragsanpassung hat ADP bereits zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren die Preise für die Outsourcer massiv erhöht - nach der Anhebung der Wartungspauschale 1998 um rund 200 Prozent", erinnert sich Hans-Joachim Sauber, Geschäftsführer der Accurat Informatik GmbH, eines Geschäftsbereichs der AC Service GmbH: "Das finde ich nicht in Ordnung." 1997 lag die Gebühr noch bei etwa 0,13 Euro.

Würden die Outsourcer die höheren Kosten an ihre Kunden weitergeben, müssten diese mit einer Preiserhöhung von rund zehn Prozent rechnen. Doch das lässt sich am Markt nicht durchsetzen. "Die Erhöhung der Wartungsgebühr um 100 Prozent durch ADP können wir aufgrund des starken Wettbewerbs am Markt nicht an unsere Kunden weitergeben", beschreibt Lothar Stahl, Geschäftsbereichsleiter Personalwirtschaftliche Systeme bei der dv/d Systempartner GmbH, Stuttgart, die Situation und befürchtet: "Für viele kleine Rechenzentren, die sich auf Paisy konzentriert haben, ist die Preiserhöhung existenzbedrohend." Dem widerspricht Andreas Kiefer, Geschäftsführer der ADP Employer Services GmbH. Die Kostenerhöhung lasse sich in zwei Stufen leicht durchsetzen.

Trotzdem fühlen sich viele Paisy-Outsourcer von ADP unfair behandelt. In den 1997 geschlossenen Verträgen über die damalige deutliche Anhebung der Wartungsgebühren wurden lange Kündigungsfristen und moderate Gebührenerhöhungen "im Rahmen der allgemeinen Preisentwicklung für vergleichbare Leistungen Dritter" für die Zukunft festgelegt. "Meiner Meinung nach verstößt die Preiserhöhung gegen den laufenden Software-Pflegevertrag, den wir mit ADP 1997 geschlossen haben", ärgert sich Sauber.

Preise wie bei P&I und SAPDas sieht Kiefer anders: "Wir haben die bestehenden Verträge anwaltlich prüfen lassen. Diese lassen die jetzt erfolgte Preiserhöhung um rund 100 Prozent aus unserer Sicht zu, da andere Anbieter wie P&I und SAP ähnliche Preise verlagen wie wir jetzt." Bis auf zwei Unternehmen hätten auch alle Outsourcer die neuen Wartungsgebühren akzeptiert. Das war aber Insidern zufolge vor einem Monat noch anders. Da hatte der Großteil der Anbieter noch nicht zugestimmt, obwohl die Preiserhöhung bereits im August verkündet worden war.

Der Sinneswandel könnte in dem massiven Druck von ADP auf die Outsourcer begründet sein. In einem Schreiben, das der COMPUTERWOCHE vorliegt, droht ADP mit der Zurückhaltung von Wartungsleistungen wie Update-Implementierungen, wenn der Preiserhöhung nicht zugestimmt würde. Ohne diese Services ist aber der Betrieb von Paisy nicht möglich, da das Einspielen von gesetzlichen Änderungen für die ordnungsgemäße Abrechnung unbedingt erforderlich ist.

Viele Outsourcer vermuten hinter der rigiden Preispolitik einen Versuch von ADP, die eigenen Rechenzentren zu stärken. "Wir merken, dass ADPs Paisy-Rechenzentren die üblichen Marktpreise permanent unterbieten", beobachtet Stahl.

Kiefer bestreitet, einen Verdrängungswettbewerb gegenüber seinen Outsourcing-Partnern zu führen. Allerdings soll das eigene Outsourcing-Geschäft angekurbelt werden: "Unsere Rechenzentren haben zurzeit einen Anteil von vielleicht ein bis zwei Prozent an den Abrechnungsfällen in Deutschland. Diesen Anteil möchten wir in den nächsten fünf Jahren verdoppeln." Das will er aber primär über Neukundengeschäft mit mittelständischen Unternehmen erreichen.

Doch trotz aller Beteuerungen ist bei einigen Partnern das Band zerschnitten. "Seit 1981 nutzt dv/d Systempartner mit hoher Zufriedenheit Paisy", erinnert sich Stahl. "Mit der Übernahme durch ADP ist der Softwarelieferant von Paisy für uns nicht mehr berechenbar. Bei der momentanen Geschäftspolitik von ADP sehe ich keine andere Möglichkeit, als mittelfristig auf ein anderes Entgeltabrechnungsprogramm zu wechseln."

Paisys ZukunftDie Zukunft von Paisy ist sicher. ADP-Geschäftsführer Andreas Kiefer will das Lohn- und Gehaltsprogramm langfristig weiterentwickeln: "Dabei wollen wir in das Produkt massiv investieren, zum Beispiel in die Unterstützung relationaler Datenbanken, Employee-Self-Service-Funktionen und die Einrichtung von neuen Schnittstellen zu Drittanbieterprodukten." Die Neuerungen sollen den Bestandskunden im Lizenz- und Outsourcing-Bereich sowie den Outsourcing-Partnern angeboten werden. "Strategie von ADP ist der Ausbau des Outsourcing-Geschäfts. Das Softwarelizenzneugeschäft werden wir nicht forcieren."

Abb: Kostenentwicklung

Bei mehr als 3500 Abrechnungsfällen haben sich die Wartungskosten für Outsourcer seit 1997 drastisch erhöht. Quelle: CW