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13.05.1983 - 

Erste Installation im Famila-Markt Pforzheim:

ADS-Scanner kassiert für Honeywell Bull-Mini

Die Automatisierung der Warenwirtschaft macht im Handel große Fortschritte. Immer mehr Unternehmen erkennen die Vorteile, die sich durch die Nutzung neuer Technologien bieten. Zu den jüngsten Anwendern einer Scanner-Applikation gehört ein Famila-Markt in Pforzheim. Dort haben die Firmen Honeywell Bull AG, Köln, und ADS Anker, Berlin/Bielefeld, gemeinsam eine Installation realisiert. Am Check-out arbeiten 15 ADS-Scannerkassen (Modell 41), die direkt mit einem Mini-Rechner von Honeywell Bull (System 6) verbunden sind.

Der Famila-Markt ist eine Betriebsstätte der Famila-Warenhandelsgesellschaft mbH & Co. KG Südwest in Pforzheim. Er befindet sich in einem "Familia-Center", einem SB-Warenhaus mit Vollsortiment.

Im Famila-Markt befinden sich heute zwischen 10 000 und 12 000 Food-Artikel und rund 8000 bis 10 000 Nonfood-Artikel. Hinzu kommen noch einmal rund 2000 Textilien. Rund neunzig Prozent der Foodartikel sind mit der Herstellercodierung versehen. Die restlichen zehn Prozent werden "instore" mit einem Kurz-EAN-Code ausgezeichnet und damit ebenfalls Scanner-fähig gemacht. In Kürze wird das gesamte Trockensortiment zu hundert Prozent ausgezeichnet sein (einschließlich Tiefkühlkost, Molkereiprodukte, Nonfood und Textilien). Nicht eingeschlossen sind Obst und Gemüse sowie Fleisch- und Wurstwaren.

"Wir sehen den Zeitpunkt als gekommen, wo fast der gesamte Foodbereich - mit Ausnahme der Frischwaren - mit dem Herstellercode versehen ist. Dadurch können wir einen qualifizierten ,Price-Look-up' praktizieren und eine Reihe von Vorteilen, zum Beispiel den Fortfall der Einzelpreisauszeichnung, den Fortfall von Einzelpreisänderungen, eine vereinfachte Inventuraufnahme und ein verbessertes Informationswesen im Bereich der Warenwirtschaft realisieren", berichtet Manfred Lupus, Gesellschafter der Familia Warenhandelsgesellschaft mbH & Co. KG. Diese Gründe bewogen den Unternehmer, eine moderne Scanner-Installation vorzunehmen.

Die Entscheidung zugunsten der Hersteller Honeywell Bull und ADS wurde aufgrund des - gegenüber dem Wettbewerb - besseren Preis-/ Leistungsverhältnisses getroffen. Außerdem arbeitet das Unternehmen bereits seit längerer Zeit mit einem Zentralsystem von Honeywell Bull, ferner sind in einem angeschlossenen C&C-Markt bereits ADS-Kassen installiert. Auf Marktebene sind heute insgesamt 15 Scannerkassen von ADS Anker installiert. Ferner sind ein Getränkemarkt der Gruppe und eine Fachabteilung (Do-it-yourself) im Obergeschoß des Famila-Centers an das System angeschlossen. In der Fachabteilung werden die Artikel mit einem Lesestift erfaßt; im Getränkemarkt werden die Artikelnummern eingegeben.

Anwenderprogramm auf Kassenebene

Das Kassensystem ADS 41 ist ein Hochleistungssystem, in dem sämtliche Funktionen einer modernen Kasse vereinigt sind. An die Kasse angeschlossen werden kann ein Lesestift, ein Scanner oder ein OCR-Leser. Außerdem können eine Kundenanzeige, eine Bedieneranzeige, ein Bondrucker, ein Journaldrucker, ein Rückgeldgeber und andere periphere Einheiten angeschlossen werden. Scanner und Lesestift können bei Bedarf auch gleichzeitig angeschlossen werden. Der Speicherbereich besteht aus ROM- und RAM-Speichern; er enthält das Anwenderprogramm auf Kassenebene.

Bei diesem Modell handelt es sich um ein modulares System, das flexibel sowohl horizontal (Peripherie) als auch vertikal (Aufrüstung auf ein nächstgrößeres Modell) erweiterbar ist. Die Speichertechnik dieses Kassensystems ermöglicht es, zum Beispiel zur Entlastung der Marktrechner, mehrere hundert Artikel direkt in der Kasse abzuspeichern. Dies ist auch im Famila-Markt vorgesehen. Um die Antwortzeiten am Check-out weiter zu erhöhen, wird erwogen, rund vierhundert Schnelldreher direkt in den Kassen abzuspeichern. Dadurch werden die Transaktionszeiten zum Marktrechner eingespart.

Die Rechner-Konfiguration auf Marktebene besteht aus zwei Systemen 6/31 von Honeywell Bull, die miteinander kommunizieren können und über eine Unilog-Überwachungs- und -Umschalteinheit mit den Kassensystemen von ADS verbunden sind. Die Systeme Honeywell Bull 6/31 arbeiten parallel. Dies bedeutet, daß sie auch die Datenbestände doppelt halten. Datenaktualisierungen auf dem System 1 werden sofort auf dem zweiten System ebenfalls aktualisiert. Falls System 1 einmal ausfällt, werden die Kassen automatisch auf das System 2 geschaltet, so daß dort der normale Betrieb weiterlaufen kann.

Bestandspflege auf dem Zentralrechner

Das System 1 verfügt über 512 B Hauptspeicherkapazität, das System 2 über 256 KB. Ferner sind an jedem System 72 Millionen Bytes Magnetplattenkapazität (64 Fest- und acht Millionen Wechselplatten) vorhanden. Zur Systembedienung sind außerdem je ein EDV-Arbeitsplatz (Bildschirm/Tastatur) vorhanden. Über die Arbeitsplätze erfolgt die gesamte Stammdatenbearbeitung (Eingabe neuer Artikel, Preisänderungen etc.). Außerdem ist ein Matrixdrucker installiert. Auf diesem Drukker werden Tagesstatistiken, Regaletiketten und Änderungslisten ausgegeben.

In der Zentrale (Rechenzentrum in Birkenfeld bei Pforzheim) steht ein großes System von Honeywell Bull (System 64), auf dem die gesamte Warenwirtschaft gefahren wird. Die Marktrechner übertragen die Marktdaten zur weiteren Auswertung per Datenfernübertragung auf das System HB 64. Auch die Bestandspflege wird auf dem Zentralrechner vorgenommen, das heißt, die Werte (abverkaufte Mengen) werden von den dezentralen Rechnern abends zum Zentralsystem übertragen. Bestellungen werden im Markt in ein mobiles Datenerfassungsgerät eingegeben und anschließend mit Hilfe eines Akustikkopplers über die Telefonleitung zum Zentralrechner übermittelt.

Auf Marktebene geht es darum, den Skanning-Betrieb zu steuern. Marktbezogene Statistiken werden von den dezentralen Systemen erstellt und ausgegeben. So liegt bereits eine halbe Stunde nach Ladenschluß der Rohgewinn, differenziert nach den einzelnen Warengruppen, sowie die Kassenabrechnung vor. Nicht zeitkritische Auswertungen und Statistiken für die Warenwirtschaft liefert das Zentralsystem. Zu den wichtigsten Auswertungen im Rahmen der Warenwirtschaft zählen Sonderangebots-Statistiken, Renner- und Pennerlisten sowie Warengruppen-Statistiken. Das Warenwirtschaftsprogramm des Zentralsystems ist eine Famila-Eigenentwicklung.

Die Verbindung zwischen den Scannerkassen und den Marktrechnern ist über eine sogenannte "Polling-Prozedur" realisiert. Dabei "fragt" das Marktsystem die Kasse, ob eine Nachricht zur Bearbeitung vorliegt - und nicht umgekehrt. Dies hat den Vorteil, daß auch bei parallelem Betrieb aller Kassen im Rechner stets eine kontinuierliche Abarbeitung möglich ist, ohne die Antwortzeiten an den Kassen zu beeinflussen. Durch die Polling-Prozedur werden auch Kosten eingespart, die zum Beispiel im Rahmen von "Point-to-Point"-Leitungen auftreten würden.

Bei der Polling-Prozedur handelt es sich technisch gesehen um eine offene Ringleitung. An eine Ringleitung können bis zu 32 Kassen angeschlossen werden. Der Ausfall einer Kasse hat auf den Betrieb der übrigen Kassen im Ring keinen Einfluß (diese können ihre normale Arbeit fortsetzen). Hervorzuheben ist, daß Preisänderungen über jede Kasse - zusätzlich zum EDV-Arbeitsplatz - eingegeben und zu den Marktrechnern übertragen werden können. Dies ist ein einfacher und wirtschaftlicher Vorgang. Außerdem ist dies wichtig für den Back-up-Fall.

Scannerkassen von ADS werden demnächst auch in zwei weiteren Märkten installiert werden (in Heidelberg und Weinheim). Dort werden noch einmal insgesamt dreißig Kassen eingesetzt. Der in Pforzheim installierte Marktrechner 2 übernimmt dann auch die Back-up-Funktion für diese Betriebe. Zusamenfassend läßt sich sagen, daß Skannerinstallationen de Warenwirtschaft im Handel nachhaltig rationalisieren können. Einer Untersuchung zufolge lassen sich Kosteneinsparungen (durch Wegfall der Einzelpreisauszeichnung, verbesserte Personaleinsatzplanung und höhere Kassiererproduktivität) in Höhe von 0,8 Prozent vom Umsatz realisieren.

Durch eine Reduzierung der Inventurdifferenz (Abschriftenerfassung, genaues Kassieren, korrekte Verkaufspreise) lassen sich noch einmal Kosten in Höhe von. 0,5 Prozent vom Umsatz einsparen. 0,45 Prozent vom Umsatz lassen sich im Sortimentsbereich (durch eine Kalkulationsverbesserung, durch Reduzierung der Lagergröße, durch Verbesserung der Disposition und durch Sortimentsanalysen) zusätzlich einsparen. Dadurch kommt es zu einer Verbesserung des Bruttonutzens in Höhe von 1,75 Prozent vom Umsatz. Diese Einsparungen können bei konsequenter Nutzung der Scannertechnologie erreicht werden.