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30.10.1987 - 

Trennung von Cullinet hat zu Verlusten geführt:

ADV/Orga buhlt um potente Hardware-Partner

Dementieren wollten weder Siemens noch das Wilhelmshavener Software- und Dienstleistungsunternehmen. Bestätigen möchten beide jedoch nur, daß zum einen "Gespräche stattfinden" und zum anderen eine bei der ADV/Orga in Entwicklung befindliche Unix-Umgebung Gegenstand der Verhandlungen sei. "Noch ist alles offen", zitierte Dirk Lippold, Mitglied der Geschäftsleitung bei der norddeutschen Software-Schmiede den Vorstandsvorsitzenden.

Insider sprechen davon, daß sich der potentielle Siemens-Anteil auf 20 Prozent belaufe. Meyer beteuerte hingegen anläßlich der am 23. Oktober in Frankfurt veranstalteten Bilanz-Pressekonferenz, daß sein bisheriger Aktienanteil von 84 Prozent sich wohl kaum um mehr als ein Zehntel verringern werde. Die Branchen-Spekulationen wären demnach unter der Voraussetzung glaubwürdig, daß die Stuttgarter Standard Elektrik Lorenz AG (SEL) ihre Beteiligung von 12,5 Prozent aufgibt. Entsprechende Gerüchte kursieren zur Zeit ebenfalls, wurden von seiten der SEL bislang aber weder dementiert noch bestätigt.

Ursache für die Ertragseinbuße bei den Wilhelmshavenern ist vor allem die Auflösung des Lizenzvertrags durch den US-Anbieter Cullinet Software Inc., Westwood/Massachusetts. Seit dem 1. Mai dieses Jahres vertreibt nicht mehr die ADV/Orga, sondern die Cullinet Software GmbH, Wiesbaden, die Produkte des US-Herstellers in Deutschland. Die Nordlichter, antworteten auf den Verlust der Lizenzprodukte, insbesondere des Datenbank-Management-Systems "IDMS", mit einem Bekenntnis zur IBM und deren Datenbank-Produkt "DB2" sowie dem Abteilungsrechner "9370". Verunsichert durch die Trennungsabsichten machten einige der Lizenzkunden von ihrem Recht Gebrauch, die Aufträge zu stornieren. Auf diese Weise verloren die Wilhelmshavener bereits verbuchte Umsätze in Höhe von drei Millionen Mark.

Ihren in 1985/86 aus Cullinet-Produkten erzielten Umsatz beziffert die ADV/Orga mit knapp 12 Millionen Mark. Horst-Bernd Schür, ehemaliger ADV/Orga-Mitarbeiter und jetzt Distriktleiter bei der deutschen Cullinet-Niederlassung, nennt in diesem Zusammenhang die Summe von 30 Millionen Mark. Darin eingeschlossen seien jedoch alle im Hinblick auf die Lizenzprogramme geschlossenen Wartungs- und Beratungsverträge.

35 Mitarbeiter wechselten Anfang des Jahres vereinbarungsgemäß von Wilhelmshaven zu Cullinet nach Wiesbaden. Zum Zeitpunkt des Bilanzabschlusses waren die freigewordenen Stellen und darüber hinaus etwa genauso viele neue besetzt, so daß die Zahl der Angestellten 633 betrug. Die Firmenpolitik, vorwiegend junge Leute einzustellen, hat laut Lippold keinen negativen Einfluß auf die Qualität der Beratungsleistungen. Es gebe vielmehr eine betriebsinterne Arbeitsteilung, bei der die jüngeren Mitarbeiter die Software-Entwicklung, die erfahreneren hingegen das Consulting-Geschäft betrieben.

Steigerung nur wegen IBM-Entwicklungsauftrag

Günstiger als das Ertragsergebnis sieht die Umsatzentwicklung aus: Mit rund 87,4 Millionen Mark lagen die Einnahmen der Wilhelmshavener im abgeschlossenen Fiskaljahr um etwa 9,5 Millionen. Mark beziehungsweise 12,2 Prozent höher als im Vorjahr. Über zwei Drittel dieser Steigerung, nämlich 6,5 Millionen Mark, gehen dabei allerdings nach Angaben des Informationsdienstes VWD auf das Konto eines Entwicklungsauftrags von seiten der IBM.

Unabhängig von den Partizipations-Verhandlungen sucht die ADV/Orga die Nähe finanzstarker Hardwarehersteller. Die Entwicklung des "Integrierten Logistik- Anwendungssystems" (Ilas) kostete nach Auskunft der friesischen Softwerker etwa 19,5 Millionen Mark - obschon es laut Cullinet-Manager Schür "von unserem eigenen Logistiksystem abgekupfert ist". Um die Investitionskosten wieder hereinzuholen, wollen die Wilhelmshavener nun ihrerseits Lizenzen, an die Hardwarehersteller vergeben. Auf diese Weise sollen einerseits Vergütungen für den Know-how-Transfer und andererseits Erlöse aus Lizenzgebühren erwirtschaftet werden.

Einer dieser Hardware Partner, die Unisys Deutschland GmbH in Sulzbach/Taunus, teilte mit, daß sie die Rechte für eine Portierung der vier wichtigsten ADV/Orga-Produkte auf die gesamte Palette ihrer Rechner erworben habe. Im Dezember werde das erste Ergebnis der Kooperation vorliegen: das Personalabrechnungssystem "Ipas" auf einer Unisys-Maschine des Typs 1100. Die Beratung und - zumindest für den Übergang - die Implementierung seien weiterhin Sache der ADV/ Orga. Außerdem wollen die Hessen die Anwendungs-Software nicht unter dem eigenen Label, sondern mit den bereits am Markt eingeführten Produkt- und Herstellerbezeichnungen verkaufen.

Wiederum in die Rolle des Lizenznehmers schlüpfte die ADV/Orga kürzlich, indem sie das 4GL-Produkt "Siron" von Ton Beller in ihr Angebot aufnahm. Dazu Hasso Plattner, Geschäftsführer des ADV/Orga-Konkurrenten SAP GmbH, Walldorf: "Ein Unternehmen, das ständig den Anspruch auf den höchsten Technologiestand erhebt, stellt sich ein Armutszeugnis aus, wenn es auf das System eines Fremdherstellers zurückgreifen muß." Auf die Frage, warum man denn keine eigene Software gestrickt habe, antwortete ADV/Orga-Manager Lippold mit einer Gegenfrage: "Was sollen wir denn noch alles entwickeln?"