Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

12.05.2000 - 

Dresdner-Bank-Tochter ist Spätstarter im Online-Aktienhandel

Advance Bank setzt auf das Direct Brokerage mit Beratung

MÜNCHEN - Gegen die bereits etablierte Konkurrenz im Direct Brokerage will sich die Duisburger Advance Bank AG jetzt mit dem Schwerpunkt Beratung positionieren. Die hohen IT-Investitionen der Dresdner-Bank-Tochter trüben aber noch die Bilanz.Von Andrea Goder*

Dass die Pfründe im Online-Brokerage-Markt schon verteilt sind, wollten die beiden Advance-Bank-Vorstände Dirk Drechsler und Michael Stojan auf der Bilanzpressekonferenz in München nicht gelten lassen. Vielmehr sei nach den "Early Adopters", im Branchenjargon sind das jene Kunden, die als Erste auf technische Neuerungen aufspringen, jetzt mit einer zweiten Welle an Internet-Nutzern zu rechnen. Von diesem Boom will die Advance Bank, die sich in Deutschland in Anlehnung an die Konzernmutter als "erster Direct Broker mit Beratung" sieht, profitieren.

Wie Stojan erläuterte, lag im letzten Jahr das alle Anlageformen umfassende Depotvolumen bei 4,2 Milliarden Mark, nach 2,9 Milliarden Mark Ende 1998. Das durchschnittliche Depotvolumen betrug rund 100000 Mark. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Kunden von 100000 auf 150000. Im ersten Quartal 2000 mussten sich die Advance Banker allerdings mit der Gewinnung von nur 10000 Neukunden begnügen. "Wir glauben, dass dieses Wachstum reicht", lautete Stojans knapper Kommentar.

Der Spätstarter im deutschen Brokerage-Markt, der erst im Juni dieses Jahres mit seinem Angebot online geht, muss allerdings gegen bereits im Markt etablierte und vor allem rasant wachsende Wettbewerber - sprich: Direktbanken und Discount-Broker, die ebenfalls Online-Beratungsangebote zur Verfügung stellen - antreten.

Auch 1999 wurden tiefrote Zahlen geschriebenSo meldeten Comdirect und die Direkt Anlage Bank (DAB) in den ersten drei Monaten die Eröffnung von 131000 beziehungsweise 90000 neuen Depots. Während sich für diese Anbieter der Online-Aktienhandel immer mehr als lukratives Business entpuppt, schrieb die Advance Bank auch 1999 tiefrote Zahlen. Nach 200 Millionen Mark Verlust 1998 konnte der Fehlbetrag im letzten Jahr allerdings auf 97,3 Millionen Mark reduziert werden. Mit zu dem defizitären Ergebnis beigetragen haben vor allem hohe IT-Investitionen, die in den Auf- und Ausbau des Online-Beratungs- und E-Commerce-Angebots flossen. Die Ausgaben bezifferte Drechsler, als IT-Vorstand bei der Advance Bank verantwortlich für die E-Commerce-Strategie, auf 40 Millionen Mark.

Neu im Beratungsportfolio ist beispielsweise der "Fonds Advisor", eine Online-Plattform, über die sich Kunden zu rund 3000 Investment-Fonds informieren und beraten lassen können. Bei Anlageentscheidungen haben Kunden zudem die Möglichkeit, sich direkt an einen Vermögensberater zu wenden. Ein Service, den es jedoch nicht zum Nulltarif gibt. Die Beraterbank im Netz sei denn auch "ein Stückchen teurer", räumte Drechsler ein.

Priorität soll in diesem Jahr der Aufbau des Brokerage-Marktplatzes haben. Anders als bei Discount-Brokern reduziere sich das Angebot, wie der Bank-Manager betonte, aber nicht auf schnelle Aktienorders. Dem Transaktionsgeschäft komme nur eine Basisfunktion zu. Zu den Kernkompetenzen gehören vielmehr umfassende Beratungsleistungen über Internet, Telefon, Fax - und demnächst auch via Handy.

Kurse, Charts, Research-Informationen und Analystenmeinungen können Kunden ab Mai durch eine Kooperation mit dem Kölner Web-Finanzdienstleister Onvista abrufen. Noch in diesem Jahr will die Direktbank in Zusammenarbeit mit dem E-Commerce-Spezialisten Brokat WAP-Brokerage auf Basis der so genannten E-Sign-Verifizierung anbieten. Durch einen in das Handy integrierten Chip entfällt für den Kunden damit das umständliche PIN-/TAN-Verfahren.

Um den eigenen Internet-Marktplatz zu stärken, forciert die Advance Bank darüber hinaus den Aufbau eines Partnernetzes. Erst vor kurzem wurde mit dem Co-Shopping-Anbieter Letsbuyit.com eine Kooperation geschlossen. Basierend auf dem Geschäftsmodell des Power-Shoppings können Anleger "durch ihre gebündelte Kaufkraft günstige Ausgabeaufschläge für Investmentfonds realisieren", erklärte Drechsler. Neben dem Ausbau des eigenen Marktplatzes, etwa in den Bereichen Immobilien und Versicherungen, will die Advance Bank in Zukunft aber auch verstärkt auf anderen Portalen und Online-Schaufenstern Präsenz zeigen. Eine Kooperation gibt es bereits mit dem E-Mail-Dienstleister GMX, über dessen Homepage GMX-Kunden beispielsweise Zugriff auf Anlagetipps zum Thema Investmentfonds haben.

Die Erweiterung des Brokerage- und E-Commerce-Angebots wird Vorstand Stojan zufolge auch in diesem Jahr mit einem "mittleren zweistelligen Millionenbetrag" zu Buche schlagen. Geplant ist, die Kundenzahl bis zum Jahresende auf über 200000 zu steigern. Schwarze Zahlen werde die Dresdner-Bank-Tochter vermutlich aber erst bei über 300000 Kunden und damit nicht vor dem Geschäftsjahr 2002 schreiben.

Bis das Direct-Brokerage-Konzept mit Beratung greift, dürften die Advance-Banker deshalb noch eine längere Durststrecke vor sich haben. Bereits vor mehr als drei Jahren - die Advance Bank gehörte damals noch zur Vereinsbank - wollte die Duisburger Bankgesellschaft als Direktbank nicht auf Kundenberatung verzichten. Das Zwitterkonzept stellte sich allerdings als falsch heraus. 1998 verkaufte die Vereinsbank ihre defizitäre Tochter für 250 Millionen Mark an die Dresdner Bank. Mit der geplatzten Fusion zwischen Deutscher Bank und Dresdner Bank entging die Advance Bank vor kurzem erneut einem Besitzerwechsel. Wäre der Deal wie geplant über die Bühne gegangen, hätte das die Integration der Advance Bank in die Deutsche Bank bedeutet.

Angesichts anhaltend hoher Verluste - über 80 Millionen Mark werden in diesem Jahr erwartet - bleibt die Zukunft der Dresdner-Bank-Tochter aufgrund der Konsolidierungswelle in der hiesigen und weltweiten Bankenszene in jedem Fall ungewiss. Offen ließ Stojan auch die Frage nach einem Börsengang. Die Advance Bank sei "IPO-fähig", hieß es dazu in München. Genauer präzisieren wollten die beiden Vorstände diese Aussage allerdings nicht.

* Andrea Goder ist freie Journalistin in München.