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30.10.1987

ADVOrga sieht rot: Krise eines Konsuls

Die ADV/ORGA AG, die Wert darauf legt, daß ihr Firmenname von den Fachjournalisten in Großbuchstaben geschrieben wird, die ADV/Orga AG (CW-Schreibweise) also ist in die roten Zahlen geraten (Seite 1). Das Abrutschen ist typisch für die Entwicklung einer vermeintlich unabhängigen Softwarebranche, die in Wirklichkeit ganz auf Mother Blue fixiert ist.

Zur Belastung wurde für die norddeutschen Weichwerker vor allem das Gezerre um die IBM-kompatible Datenbank IDMS. So setzte der Bruch mit Cullinet im Jahr 1986 den Wilhelmshavenern arg zu. Das Konsul-Meyez-Haus versäumte es, rechtzeitig für einen Produkt-Ausgleich zu sorgen. Gewarnt war ADV/Orga - nicht zuletzt durch Alarmzeichen aus den USA (Cullinet, ADR, Uccel etc.).

Nun ist die Fähigkeit, sich Kritik gegenüber aufgeschlossen zu zeigen, Friedrich A. Meyers Stärke nicht. Mit Mumm und Marketing-Vertrauen, wie es nun mal die Art der Gründer ist, wollte er das Problem lösen. Er verordnete seinem Unternehmen weiterhin eine stramme IBM-Ausrichtung. Und eifrig suchten die ADV/ Orga-Mannen nach Möglichkeiten, IBMs neues 9370-Abteilungsrechnerkonzept als Nonplusultra zu verkaufen (siehe Kolumne in der CW vom 5. Dezember 1986: "Handlanger der IBM").

Meyer spielt va banque. Die IBM kämpft um ihre Herrschaft, hat es sich auf die Fahnen geschrieben, aus der Hardware verstärkt in die Anwendung zu gehen, mehr Software-Umsatz zu generieren. Zwar hält sich der Mainframe-Monopolist die "blauäugigen" Softwarehäuser vorläufig noch warm, indem er ihnen Aufträge zuschanzt, doch ist abzusehen, wann der Vorrat an Gemeinsamkeiten - ohnehin nur eine einseitige Wunschvorstellung der "IBM"-Softwarehäuserc - restlos aufgebraucht ist. Spätestens dann nämlich, wenn SAA Fleisch auf die Rippen bekommen hat, wird Big Blue auf die Anhänglichkeit der Anbieter von IBM-Software keine Rücksicht mehr nehmen können.

Das kann, zugegeben, noch eine Weile dauern. Mündige Software-Profis richten sich indes nicht auf eine längere Phase der Abhängigkeit von IBM ein. Daß Meyer Gespräche mit Siemens zumindest nicht dementiert, deutet auf einen Sinneswandel in dieser Richtung hin. Ob das ein neues ADV/ORGA-Gefühl bringt, hängt freilich nur noch in geringem Maße vom PR-Geschick des Konsuls ab.