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07.10.1988 - 

Computerhersteller steht wegen Umweitfrevels vor Gericht

Ärger für HP: Giftskandal in Silicon Valley

CUPERTINO (IDG) - Durch Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt hat sich Hewlett-Packard eine Strafanzeige eingehandelt. In nur zwei Monaten hatten die Gesundheitsbehörden auf dem HP-Werksgelände 23 Verstöße registriert. Jetzt droht dem Konzern eine Verurteilung zu 16 Millionen Dollar Bußgeld.

Streitpunkt sind Chemikalien, die das DV-Unternehmen in der Fertigung benutzt, und die dabei anfallenden giftigen Abfälle. Seit Dezember 1986 verstößt Hewlett-Packard nach Ansicht des Staates Kalifornien gegen das geltende Umweltstrafrecht. Der Konzern konterte mit der Behauptung, zu keinem Zeitpunkt sei die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet worden.

Bei drei Untersuchungen in den Monaten Dezember 1986 und Januar 1987 hatte die staatliche Gesundheitsbehörde auf dem Firmengelände 23 Gesetzesübertretungen festgestellt. Sollte sich herausstellen, daß diese Verstöße seit der Inspektion bis heute andauern, kann der Staat rückwirkend eine Strafe in Höhe von 25 000 Dollar pro Tag verhängen, sofern die Übertretungen vorsätzlich oder aus Mißachtung der Bestimmungen begangen wurden; im Endeffekt könnte sich die Strafe also auf mehr als 16 Millionen Dollar summieren. Sollte das Gericht befinden, die Umweltverschmutzung sei auf Fahrlässigkeit zurückzuführen, wären immerhin 10 000 Dollar pro Tag zu berappen.

"Wir sind enttäuscht darüber, daß der Staat meint, gleich mit einer Anklage gegen uns vorgehen zu müssen", sagt HP-Sprecher Kevin O'Conner. Er geht davon aus, daß sein Unternehmen es lediglich versäumt habe, über alle Emissionen Buch zu führen. "Eine Bedrohung der Gesundheit der Anwohner war nie gegeben. "

Laut Anklage versickerten auf dem Firmengelände von HP Säureabfälle; außerdem fanden die Aufsichtsbehörden Behälter mit Sondermüll, die unzureichend gekennzeichnet waren. Die Aufzeichnungen über die Behandlung und den Verbleib der Gefahrstoffe waren unvollständig, einige Angaben fehlten ganz. Überdies hatte HP den Staat nicht davon in Kenntnis gesetzt, daß eine Fabrik inzwischen über den ursprünglich genehmigten Umfang hinaus erweitert worden war, und außerdem legte HP den örtlichen Behörden keinerlei Pläne für Notfälle vor.

Laut Hewlett-Packard existiert zwar ein solcher Plan; allerdings gebe es zwischen dem Staat und HP Meinungsverschiedenheiten darüber, was darin vorgesehen sein müßte. O'Conner ist bemüht, die Streitpunkte herunterzuspielen: "In einigen Fragen ist das nichts als Haarspalterei!"

"Technische Probleme" sind keine Ausrede mehr

Einer der wesentlichen Vorwürfe ist freilich die schlampige Buchführung im Giftmüllbereich bei HP. "Das ganze System baut auf Selbstkontrolle auf. Wenn die nicht einmal dazu bereit sind, tappen wir natürlich im dunkeln", sagt Ted Smith, Direktor der Silicon Valley Toxics Coalition, die sich in den letzten Jahren mit einigen Umweltsündern aus der angeblich "sauberen" High-Tech-Industrie herumschlagen mußte. Verschiedene Halbleiterfirmen wurden seit 1985 dazu gezwungen, Rückhaltevorrichtungen für grundwassergefährdende Halogen-Kohlenwasserstoff-Verbindungen zu installieren.

Auf technische Probleme wird sich übrigens bald kein Umweltverschmutzer aus dieser Branche mehr herausreden können. Während der Rechtsstreit zwischen dem Staat und HP in Kalifornien Schlagzeilen machte, hat die Firma Athens Corp. aus dem Ort Oceanside ein Halbleiter-Reinigungssystem vorgestellt, das die bei der Produktion von höchstintegrierten Chips (VLSI und ULSI) anfallenden Giftmüllmengen drastisch vermindert. Die neue Methode, die später auch bei DRAMS, EPROMs und CMOS-Chips angewendet werden soll, reinigt die Wafers durch einen Ionen-Austauscher.