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23.01.2008

Ärzte wollen andere Gesundheitskarte

Die geplante Speicherung von Patientendaten bleibt heftig umstritten. Jetzt haben Ärzte ein eigenes Konzept vorgestellt.

Die mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) vorgesehene zentrale Speicherung von Patientendaten stößt weiter auf große Sicherheitsbedenken. So verwies kürzlich Klaus Bittmann, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes, auf eine Panne in Großbritannien kurz vor Weihnachten. Über 160 000 auf einer CD gespeicherte Datensätze des staatlichen Gesundheitsdienstes National Health Service (NHS) sind durch Schlampereien spurlos verschwunden. Bittmann, dessen Verband die niedergelassenen Ärzte in Deutschland vertritt, hat aus dem Skandal einmal mehr den Schluss gezogen, dass sensible Patientendaten in ein verlässliches und sorgsam gepflegtes System gehören. Eine zentrale Speicherung in einer Datenbank, wie sie laut Bittmann das Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte plant, sei aufgrund technischer Risiken nicht der richtige Ansatz. Auch sei das Arzt-Patienten-Verhältnis durch die Pläne gefährdet.

USB-Karte statt Smartcard

Die von den Spitzenverbänden und dem BMG mit der Projektkoordination betraute Gesellschaft für Telematik-Anwendungen der Gesundheitskarte (Gematik) müsse die angeblich geplante Zentralspeicherung von Patientendaten dringend überdenken und Alternativlösungen prüfen, fordert Bittmann. Er plädierte dafür, Patientendaten auch hierzulande in möglichst kleinen Einheiten zu speichern. Eine echte Alternative sei die vom NAV-Virchow-Bund favorisierte USB-Lösung. Sie setzt auf Karten, die in ihrem Chip eine eigene Management-Software und Datenbank besitzen und sich über einen herkömmlichen USB-Anschluss auslesen lassen.

Was die USB-Karte können soll

Folgende Argumente führt das deutsch-israelische Firmenkonsortium Cepco für seine USB-Kartenlösung ins Feld:

  • Sie erfüllt die im Sozialgesetzbuch gemachten Vorgaben bezüglich mobiler, personenbezogener Speicher- und Verarbeitungsmedien (SGB5).

  • Der Patient trägt seine Unterlagen bei sich.

  • Datendurchsatz zwischen 64 MB pro Sekunde und 128 MB pro Sekunde (eGK 64 KB pro Sekunde laut Cepco).

  • Speicherung aller Patientendaten, auch komplexer Datensätze wie Röntgenbilder, CT, MR oder Ultraschall-Filme (Kartenspeicher wahlweise zwischen 1, 2, 4, und 8 GB).

  • Analyse-Tools auf der Karte.

  • Sofortige Arzneimittelunverträglichkeitsprüfung und Risikochecks.

  • Die Karte erstellt automatisch Anamnesebogen oder Notfall-Registrierungsbogen einschließlich Notfallkontakten über VoIP (z.B. Skype).

  • Speicherung von Krankheits-Management-Programmen.

  • Weiterentwicklung und Anpassung der Software möglich.

  • Die Karte benötigt kein spezielles Lesegerät.

  • Als Backup entwickelt der Hersteller zusammen mit IT-Dienstleistern einen "Digitalen Daten Safe" (Ärzte lehnen dies ab).

Die Daten können nur bei Vorlage der USB-Karte geöffnet und verändert werden. Ein Anbieter solcher Karten ist die Firma Cepco, die mit dem NAV-Virchow-Bund in Kontakt steht . Cepcos "Medocard" soll wesentlich sicherer und leistungsfähiger sein als die eGK-Smartcard (siehe Kasten "Was die USB-Karte können soll"). "Bislang hält die Gematik jedoch stoisch an einem System fest, das längst von neuen, besseren Lösungen überholt wurde. Statt die Augen vor Alternativmodellen zu verschließen, sollte sie diese endlich vorbehaltlos testen", sagte Bittmann. In den nächsten Wochen will nun der NAV-Virchow-Bund drei kleinere Probandengruppen bestimmen, um die USB-Karte zu testen. Erste Ergebnisse, auch zu deren Kosten, sollen in gut einem halben Jahr vorliegen.

Bedenken kamen zuvor schon vom zweiten großen Ärzteverband, dem Marburger Bund. In ihm sind hierzulande die verbeamteten und angestellten Mediziner organisiert. Bereits im Mai letzten Jahres hatte die Vereinigung angemahnt, dass bei einer technischen Erhebung sensibler Krankendaten dem besonderen Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient unbedingt Rechnung getragen werden müsse. Eine strikte Einhaltung der Grundsätze des Datenschutzes, vor allem vor dem Zugriff unbefugter Dritter, müsse gewährleistet sein. Andernfalls werde der Marburger Bund die Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte grundsätzlich ablehnen.

Während Ärzte und Apotheker seit Monaten gegen die Pläne einer zentral gespeicherten Patientenakte Sturm laufen, wenden Vertreter der Krankenkassen und die Gematik ein, dass es überhaupt noch keine Entscheidung bezüglich der technischen Umsetzung gebe. Manche Kassenvertreter werfen den Ärzten gar Panikmache vor ("gläserner Patient"). Laut Gematik-Geschäftsführer Dirk Drees arbeite man derzeit noch an den fachlichen Spezifikationen von Release 3 und damit den Details bezüglich der Patientenakte. Diese soll einmal die letzte Ausbaustufe der Telematik-Infrastruktur für die elektronische Gesundheitskarte bilden. Bisher wurden überhaupt erst einzelne Basisfunktionen der Gesundheitskarte erprobt und der Zeitplan ihrer Einführung verschoben.

Alles Panikmache?

Dennoch sieht Michael Martinet, Projektleiter der DAK, Deutschlands größtes IT-Projekt auf dem Weg. Auch bei der seit Monaten heftig geführten Debatte zwischen den Interessenverbänden über die Kostenverteilung erwartet Martinet Fortschritte. So laufen derzeit Vertragsverhandlungen zwischen den Spitzenverbänden der Ärzteschaft und den Leistungserbringern. Hier soll es bald konkrete Ergebnisse geben.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/

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1851179: Aktueller Stand des Telematik-Projekts;

1847885: Erste Erfahrungen mit der eGK;

587187: Hintergründe zur eGK.

Ein Problem bleibe aber der schlechte Informationsstand vieler Ärzte bezüglich der Einführung der eGK. Martinet: "Da wird von einem zentralen Datenspeicher für alle Patientendaten gesprochen, auf den alle zugreifen könnten. Das ist totaler Quatsch, weil es bisher noch überhaupt kein Konzept gibt."