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09.05.1997 - 

Mehr Kontrolle und Flexibilität durch zentrale Verarbeitung

Ahlers hat seine Informatik komplett neu eingekleidet

"Wir greifen internationale Trends auf und machen daraus tragbare Mode für Millionen", lautet der Leitsatz der Ahlers-Gruppe. Als Partner des mittelständischen Facheinzelhandels bietet das Unternehmen mit Sitz im westfälischen Herford Kollektionen für festumrissene Zielgruppen an. Im Sports- und Jeanswear-Bereich ist Ahlers Lizenznehmer des Pariser Couturiers Pierre Cardin und seit Anfang 1996 auch vom James Dean Foundation Trust mit Sitz in Indianapolis. Eigenmarken sind unter anderen Pionieer-Jeans und Eterna.

Bis vor wenigen Jahren arbeitete die Ahlers-Gruppe mit einer Mainframe-Architektur und darauf basierenden Anwendungen - Standardpaketen der R/2-Familie von SAP sowie selbstentwickelten Branchenapplikationen. Die steigenden Kosten für den Betrieb der IBM ES/9000 und die Notwendigkeit, die Software an geänderte Geschäftsprozesse anzupassen, waren die Ursachen dafür, daß Ahlers Mitte 1993 begann, seine gesamte DV-Organisation neu zu überdenken.

Dabei setzte Ahlers eindeutige Prioritäten: Das Unternehmen wollte sein Serviceangebot an die Kunden ausbauen, die Zusammenarbeit mit den Lieferanten direkter gestalten und unter gestiegenem Kostendruck Funktionen wie Kommissionierung und Versand teilweise nach Osteuropa verlagern, was Konsequenzen für die logistischen Abläufe mit sich brachte. Zudem sollte das neue DV-System in der Lage sein, ein wachsendes Geschäftsvolumen zu verkraften.

Die Ahlers-Gruppe setzt sich aus 17 produzierenden Unternehmen sowie weiteren Tochtergesellschaften in sieben Ländern zusammen. So unterschiedlich wie deren Produktpaletten sind auch die jeweiligen Anforderungen an die Logistik und Informationstechnik. Disposition, Beschaffung und Versandabwicklung lassen sich keineswegs über einen gemeinsamen Leisten schlagen.

Diese individuellen Ansprüche stehen selbstverständlich im Kontrast zu den Notwendigkeiten einer zentralen DV-Abteilung, die gern jede Firma in derselben Weise abbilden würde. Gesucht war also eine standardisierte Lösung, die Steuerungsmöglichkeiten für die vielfältigen Anpassungswünsche der unterschiedlichen Standorte bieten sollte.

Ahlers entschied sich nach eingehender Marktsondierung für die Branchensoftware "Perdress" der Perform GmbH, Berlin. Mit dieser Entscheidung waren auch die Würfel für die neue Hardware-Umgebung gefallen: zugunsten der AS/400.

Für die Midrange-Maschine der IBM sprachen aber auch wirtschaftliche Gründe. Eigenen Berechnungen zufolge spart der Bekleidungshersteller allein durch das Downsizing jährlich eine runde Million Mark ein. In der Herforder Ahlers-Zentrale steht heute ein RISC-Modell des Typs 9406/530 mit 2 GB Hauptspeicher und etwa 146 GB Plattenkapazität netto.

Mit der Umstellung von Hardware und Branchensoftware ging auch der Wechsel auf eine neue Softwarelandschaft einher. Da Ahlers seine R/2-Lösung individuell modifiziert hatte, wäre die Migration auf R/3 nicht ohne weiteres zu vollziehen gewesen. Erschwerend kam hinzu, daß die SAP-Software bis vor kurzem nicht für die AS/400 zu haben war und das Unternehmen deshalb eigens für R/3 einen Unix-Rechner hätte anschaffen und betreiben müssen.

Anforderungen stellte das Unternehmen vor allem an die Internationalität seiner neuen Software. Aufgrund der potentiellen Absatzmärkte und der günstigeren Produktionsbedingungen - einschließlich der für Osteuropa ausgeschriebenen Subventionen - hat die Ahlers-Gruppe in vielen europäischen Ländern Niederlassungen gegründet. Von daher benötigte das Unternehmen eine Lösung, die nicht nur verschiedensprachige Oberflächen bietet, sondern auch die jeweiligen nationalen Besonderheiten berücksichtigen sollte.

Fündig wurde Ahlers bei der DCW Software Dr. Claus Wellenreuther GmbH, Mannheim. Im Juni 1994 installierte das Projektteam zunächst die deutsche Version der Buchhaltung und Kostenrechnung in der Herforder Zentrale. Nach und nach folgten Module in ausländischen Ausführungen. Zum Rechnungswesen gesellten sich dann das Melde- und Dialogberichtswesen sowie die Komponenten Warenkreditversicherung und Wechselverwaltung. Installiert ist die DCW-Software mittlerweile im österreichischen Mariasdorf, im elsässischen Colmar und im oberitalienischen Turin sowie in der spanischen Hauptstadt Madrid und im polnischen Opole. Insgesamt haben 50 Ahlers-Mitarbeiter direkt damit zu tun.

Um die R/2-Funktionalität komplett ersetzten zu können, holte Ahlers noch ein weiteres Software-Unternehmen ins Boot. Für das Personal-Management werden die "Topas"-Applikationen der Team GmbH, Hamburg, eingesetzt.

Der weitgehend bereits verwirklichte Plan bestand darin, alle Ahlers-Töchter einheitlich mit Software auszustatten und die Verarbeitung zentral über die AS/400 in Herford abzuwickeln. Während die meisten Standorte dazu Datenübertragungsnetze und Telefon-Standleitungen nutzen, sind die Standorte im österreichischen Mariasdorf und im polnischen Opole seit kurzem via Satellit mit der Unternehmenszentrale verbunden. Ahlers begründet diesen Schritt damit, daß diese Lösung erheblich bessere Übertragungsqualität liefere als die extrem instabilen Leitungen nach Polen oder Österreich. Realisiert wurde die Satellitenanbindung vom Düsseldorfer Dienstleister Spaceline Communications Services.

Zusätzlich zum verminderten Risiko und der erhöhten Wartbarkeit hat das Unternehmen durch seine zentral organisierte DV-Lösung an Flexibilität gewonnen. Die Daten aller Tochtergesellschaften lassen sich auf Knopfdruck abrufen, während bislang zum Beispiel die DV der polnischen Tochter unabhängig vom Gesamtunternehmen gearbeitet hat. Letztlich räumt die Struktur der Zentrale effektivere Kontrollmöglichkeiten ein, indem sie ein Berichtswesen in Echtzeit erlaubt.

Das DCW-System und die Branchenlösung von Perform sind miteinander integriert. Ebenfalls in das System eingefügt ist die Software "Konsis" aus dem Hause IDL, Schmitten, mit deren Hilfe Ahlers seine Konzernbilanzen monatlich konsolidieren kann. Damit verfügt das Unternehmen heute sogar über Konsolidierungsmöglichkeiten, die R/2 nicht zugelassen hat.

Nach etwa zweieinhalb Jahren wurde die Umstellungsphase abgeschlossen. Wie Ahlers nicht ohne Stolz feststellt, haben sich die Investitionen schon während der Projektlaufzeit amortisiert.

Die Firma

Im Jahre 1919 legte Adolf Ahlers im friesischen Jever mit einer Tuchgroßhandlung den Grundstein für das heute weltweit agierende Unternehmen, das seit 1932 seinen Hauptsitz in Herford-Elverdissen hat. Von der westfälischen Firmenzentrale aus steuert der zweitgrößte deutsche Hersteller von Herrenoberbekleidung diverse Produktions- und Vertriebsgesellschaften sowie Logistikzentren, die so unterschiedliche Bereiche abdecken wie Sports- und Jeanswear, Hemden, Berufsbekleidung und klassisches Herren-Outfit. Mit mehr als 6500 Mitarbeitern im In- und Ausland setzte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr rund 550 Millionen Mark um.

*Andreas Becker ist Journalist in Montabaur. Uwe Dubbert leitet die Informationsabteilung der Ahlers AG.