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27.02.1976 - 

The Wonderful Fourth Annual Congress of the Wonderful Association of the Importance of Butterflies and their Influence to the Computer Industry Itself

AIBICI verhohnepeoplet Bonner Förderungs-KarussellAIBICI - Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den raubt er den Verstand

BONN - 500 wurden eingeladen, 300 hatten zugesagt, knapp 700 wohl waren dann aber erschienen. Im überfüllten Festsaal des historischen Jungstil-Bahnhofs Rolandseck, direkt am Rhein, unweit von Bonn gelegen, wurde der vierte Jahreskongreß der Association of the Importance of Butterflies and their Influence to the Computer Industry Itself (AIBICI) zu einem karnevalistischen Höhepunkt für die Bonner-Behörden-Datenverarbeiter und die Regierungs- und Parlaments-Mannschaften von DV-Förderungs-Insidern.

12 Hektoliter Bier mit scharfen Schnäpsen, reichlich Wein und Sekt, Würstchen-Stand und Brötchen-Berge waren angefahren, "By Courtesy of Nixdorf" - was ganz fein heißt, daß die Bonner Geschäftsstelle und das Bonner Verbindungsbüro der Nixdorf Computer AG Organisation und Rechnung übernahm. Für Bombenstimmung sorgten auch und vor allem die Darbietungen der ehrenwerten AIBICI-Vorstandes.

Die Association for the Importance of Butterflies to the Computer Industry Itself wurde als Nonsens-Vereinigung vor vier Jahren "gegründet", um dem alljährlichen Nixdorf-Karneval für die Freunde der Bonner Dependance ein zugkräftiges Programm zu geben. Adele Hauff alias Werner Gerdes, Leiter der Nixdorf-Bonn-GS Gottfried Grimmel alias Götz Klingenburg, Leiter des Verbindungsbüros und Vico O'wichara alias Geert Müller-Gerbes, vormals im Verbindungsbüro der IBM (damals noch zusammen mit selbigem Gerbes), danach Pressereferent der Bundespräsidenten Heinemann und dann der Ministerin Focke, heute Leiter des Deutschland-Studios von Radio Luxemburg - diese drei Karnevals-Amateure mit sonst sehr blauen Anzügen erkannten sich 1972 als Gründungsmitglieder zum seither unangefochtenen AIBICI-Vorstand, und zum vierten Mal sang "Alles, was in Bonn mit EDV zu tun hat" mit - im Stehen und mit verschränkten Armen - als traditionsgemäß wieder die Schmetterlings-Verbands-Hymne intoniert wurde: "Victory is AIBICI" gröhlte es durch die Bahnhofshallen.

Zu Beginn der Sitzung war "Auch heuer wieder der Tod von liebenswerten Mitbewerbern zu beklagen":

Singen, wem Gesang gegeben!

Freuen wir uns, daß wir noch leben!

Wer kann wohl der nächste sein?

Und eine mächtige Stimme hallte aus dem Hintergrund:

Jedermann.

Der Urschrei kam Online aus Salzburg.

In einem weiteren Tagesordnungspunkt wurde präzisiert, was Voraussetzung für eine Mitgliedschaft im Arbeitskreis Mittlere Datentechnik sei, nämlich:

Die eigenhändige und -nützige Produktion von sogenannten Kleincomputern mit einem Stückgewicht von weniger als 1,47 Doppeltzentnern netto. Außerdem darf die Zentraleinheit eines sogenannten Kleincomputers keinen Rauminhalt von nicht mehr als 0,8437 Kubikmetern haben.

Das sagt die Bundesbaudirektion.

Sie müßte sonst 'ne Wand 'rausreißen.

Übereinstimmung herrschte im AIBICI-Vorstand, daß Siemens nicht zum Kreise der Mittleren Datentechnik gezählt werden dürfte, denn:

Die innerbetrieblichen Abläufe zur Erlangung von Bundesmitteln sind in dieser, im übrigen von uns sehr geschätzten Firma, so ausgefeilt, daß man dieses schon zur höheren Datentechnik rechnen darf.

Brüllendes Gelächter - unter durchaus Betroffenen. Auch sonst erhielt Siemens manchen Tiefschlag:

Erste Stimme:

Habe nun ach, Politologie, Juristerei und Medizin und leider auch Informatique durchaus studiert, mit heißem Bemüh'n. Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.

Zweite Stimme:

Heißest Plettner, heißest Doktor gar, und zeichest schon an die fünfzehn Jahr herauf, herab und quer und krumm. Matthöfern an der Nas' herum.

Dritte Stimme:

Bist zwar gescheiter als alle die Laffen, Beamte, Minister, IBM und die Pfaffen.

Dich plagen keine Skrupel, noch Zweifel, doch denke dran und hol's der Teufel: Zwei und Drei:

Unidata da du gangest, um Förderung du bangest, weniger Piepen du empfangest.

IBM kam wenigstens über Strecken besser weg:

Es würde nicht verwundern wenn sich die IBM verärgert und verängstigt vom europäischen Markt zurückzöge, falls er der geballten Marktstrategie des Arbeitskreises Mittlere Datentechnik gelänge, eine IBM-Aktie zu erwerben.

Unter den AIBICI-Fans war viel Bonner und Paderborner Prominenz vertreten. Der Gesellschaftsreporter verzeichnete (in Alpha-Folge - karnevalistisch ohne Titel und Würden): Von Bülow (MdB), Dahms (Kanzleramt), Donth (BMFT), Flittner (GMD), Güntsch (BMFT), Hauff (BMFT), Kern (MdB), Kohnen (Presseamt), Krückerberg (GMD), Kütter (Siemens), Lentzer (MdB), Lohmar (MdB), Luft (Nixdorf), Olschewski (Dietz), Pärli (MBP), Rausch (Nixdorf), Schmidt (Nixdorf), Schwaab (Diebold), Spies von Büllesheim (MdB), Winkler (Arbeitsministerium). Der Zampano Maximo aber fehlte - sowohl Heinz aus Paderborn wie Hans aus Bonn.

Und fast alle bekamen ihr Fett weg: Zu Macbeth'schen Donnergetöse und atonaler Orgelmusik gab es eine Bonner-Förderungs-Suppe aus wallenden Trockeneis-Wolken.

Drei Stimmen, Trio und alternierend:

In den Topf, die Hexenbrut, zische, brenne, Feuersglut, brodle auf, du Wundersaft, bäume dich, du Zunderkraft, die den schlimmsten Plunder schafft.

Alle wollen wir jetzt kochen, auch wenn sie auf Ämter pochen. Auf geht's nun zum Topf hinein, kochen wir ein Süppchen fein.

Matthöfers Bein muß es sein. Lohmars Kopf in den Topf. Nixdorfs Aug' und Plettners Zehe, Ehrliches Maul, dazu 'ne Krähe. Walle, walle, schöne Suppe, Geld ist alle, ist mit schnuppe. Hauffs Gelenke, schwenke, schwenke. Display-Kohnen nicht verschonen. Krückeberg und Flittners Rücken, jetzt muß doch die Suppe glücken. Rühret, rühret, voller Kraft, dieses wird ein schöner Saft. Förderung, wem dies gebührt, Geld kriegt nur, wer mit uns rührt. Walle, walle, schöne Suppe, Geld ist alle, ist uns schnuppe. Alle wollen wir jetzt kochen, diese Supp', die wir verbrochen.

Spot an, Musik aus

Also laden wir Euch ein,

Eßt diese Suppe

Ganz allein.

Dieser Auszug aus der langen Litanei zeigt beispielhaft, daß Ämter und Würden in AIBICI-Kreisen nicht unbedingt Respekt erheischen.

Von logistischen Pausen umrahmt erzählte Märchentante Werner Gerdes mit so süßer Stimme selbst-erdichtetes: Aus "Sommernachtstraum eines deutschen Transistors und einer französischer Diode".

Es war einmal ein reicher König, der regierte ein kleines Land. Er hatte zwei Söhne die er gleichermaßen liebte, besonders der einen. Sie nannten sich Siemensius und Zedeusius und besaßen viele Fabriken und noch mehr Personal.

Dann die Geschichte von "Des Kaisers neuer Computer":

Es war einmal ein Kaiser, der kaufte jeden neuen Computer. Und so wie man von einem Kaiser sagt, er sei im Schloß, so sagte man von diesem: "Der Kaiser ist im Rechenzentrum."

Eines Tages kam ein Computer-Hersteller in die Kaiserstadt und behauptete, er könne einen so sehr kleinen Kleinrechner bauen, daß er nur noch von außergewöhnlich klugen und des Programmierens kundigen Beamten gesehen werden könne, die für ihren Job taugen.

Man kennt die Geschichte. Beifall der Minister und Ratgeber für reine Luft. Des Kaisers Reaktion:

"Oh, wie des Rechners Riemen tuckert? Bin ich hier denn bei Siemens-Schuckert?"

Zuletzt klatschten alle begeistert in die Hände und der Kaiser drückte auf eine gar nicht vorhandene Taste, um das allgemeine und arbeitsteilige Informationsbankensystem seines Reichs zu erproben.

Kompliment den Bonner DV- und Förderkreisen, die genug Selbstironie hatten, um kräftig mitzulachen.

Kompliment aber auch den Nixdorfern, die ... Wie hieß es in einem der Couplets:

"Ganz enorm, die Lobby aus Paderborn."