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AIT: Anwender spezifizieren im Dialog mit den Anbietern

13.05.1994

Professor Hartmut Weule

verantwortlich fuer Forschung und Technologie im Vorstand der Daimler-Benz AG

Wir sind einem unbarmherzigen Wettbewerb ausgeliefert, und wer gewinnen will, muss mehr als kreative Ideen, Kompetenz und Unternehmensgroesse in die Waagschale werfen koennen. Notwendig sind Hilfsmittel und Werkzeuge, die es gestatten, die gesamte Wertschoepfung zu beschleunigen.

Zwar gibt es derzeit viele IT- Systeme auf dem Markt, aber sie bieten keine ausreichende intelligente und effiziente Unterstuetzung beim Entwerfen von Produkten.

Hier setzt die Industrieinitiative "Advanced Information Technology in Design and Manufacturing" (AIT) an. Erstmals spezifizieren die IT-Anwender selbstaendig - jedoch im Dialog mit den IT-Anbietern. Das ist der erste Punkt.

Der zweite Punkt, der das AIT-Programm heraushebt, ist die breite Basis. Als Anwender haben sich nahezu alle europaeischen Automobil- , Luft- und Raumfahrtunternehmen sowie Zulieferer zusammengeschlossen.

Im Unterschied zu globaleren Programmen - wie beispielsweise dem von Japan initiierten Intelligent Manufacturing System (IMS) - hat das Projekt unmittelbare Praxisbedeutung. In dieser vorwettbewerblichen Phase ueberwiegt des gemeinsame Interesse, den Industriestandort Europa zu staerken.

Uebrigens ist das Programm ein gutes Beispiel dafuer, dass kleinliche Bedenken wegen der Kartellgesetzgebung in einigen europaeischen Laendern angesichts des weltweiten Wettbewerbs zurueckgestellt werden muessen.

Der dritte Punkt betrifft die Foerderung durch die Europaeische Gemeinschaft.

Schliesslich gibt es einen vierten positiven Aspekt. Er geht um europaeische IT-Anbieter. Bereits in der Pilotphase, die bis April 1995 dauern wird, verstaendigen sich nicht nur die Anwender ueber notwendige Systeme und Werkzeuge. Auch die wichtigsten IT-Anbieter werden in den Prozess eingebunden, um ihre Produkte nach den Vorgaben der Konsumenten entwickeln zu koennen.

Seit Beginn der Pilotphase im November des vergangenen Jahres ist nun ein Katalog mit den Benutzeranforderungen zu wichtigen Themen im Entstehen. Erst kuerzlich diskutierten hier in Bruessel die Anwender aus der Manaufacturing Industry mit ihren Zulieferern und gemeinsam mit den IT-Anbietern sowie der Wissenschaft den erreichten Stand und das weitere Vorgehen.

Nunmehr umfasst das AIT-Projekt sowohl die weitreichenden Vorstellungen als auch die praezisen Ziele fuer die Anwendung der Informationsverarbeitung in Entwicklung und Produktion. Die Schluesselfelder von AIT wurden genau abgegrenzt:

- IT-Unterstuetzung in der Vorentwicklung (zum Beispiel Conceptual Layout),

- IT-Unterstuetzung in der Entwicklung (zum Beispiel Virtual Product, Fertigungssimulation),

- IT-Unterstuetzung in der Fertigungssteuerung und Logistik (zum Beispiel flexible Planungs- und Fertigungssysteme) sowie

- Integration und Optimierung der Prozessketten in Entwicklung und Produktion.

Auch die Anforderungen sind nun klar definiert:

- Schwerpunkt Integration,

- innovative Nutzung existierender Technologien,

- branchenuebergreifende Projekte sowie

- Implementation der Projektergebnisse in die Geschaeftsprozesse.

Anwendergetriebene Projekte koennen jedoch nur dann Erfolge werden, wenn den Ideen auch Taten folgen. Jetzt ist festzulegen, welcher Partner innerhalb eines bestimmten Zeitraumes welchen konkreten Beitrag uebernimmt. Auch dafuer existieren Vorschlaege:

- Aufgabe fuer die einzelnen IT-Anwender ist es, die global formulierten Ziele und Anforderungen weiter zu konkretisieren und gemeinsame Projekte mit den IT-Anbietern fuer die Umsetzung zu spezifizieren.

- Entsprechend diesem Bedarf muessen die IT-Lieferanten anhand von Pilotprojekten und Demonstratoren massgeschneiderte Konzepte fuer Hard- und Softwaresysteme entwickeln.

- Parallel dazu haben die wissenschaftlichen Institute auf ausgewaehlten Gebieten intensive Grundlagenforschungen zu leisten.

- Schliesslich kommen auf die Kommission der EG neue, ressortuebergreifende Methoden der Projektorganisation und Finanzierung zu. Sie muessen ueber mehrere Generaldirektionen (DG) hinweg sichergestellt werden, zum Beispiel zwischen DG III (Informationstechnologie) und DG XII (Industrielle Technologie).

Mehr noch als fuer die Industrie bedeutet die Durchfuehrung des AIT- Projektes fuer die EG-Behoerden, im Interesse der Beschleunigung von wettbewerbsrelevanten Prozessen bestehende Egoismen zu ueberwinden, den Konsens aller Beteiligten zu finden und rasch zu handeln.

Der Text ist eine gekuerzte Fassung des Referats anlaesslich der Pressekonferenz zum Thema AIT am 29. April 1994 im Sheraton Bruessel Airport Hotel.