Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.07.1975 - 

Die Geschäftsleitung der AOK Lindau forderte "Totale Integration".

Aktenberge verschwinden

Von Hans Bocker, Exclusiv für CW

LINDAU - "Aktenlose Sachbearbeitung" war das Ziel der AOK Lindau - bei entscheidend verbesserter Auskunftsbereitschaft gegenüber Versicherten, Arbeitgebern und sonstigen Stellen.

Die Geschäftsleitung forderte schlicht ein "System totaler Integration" und stellte für die Realisierung einen Anforderungskatalog zusammen:

- Alle Geschäftsvorfälle sind in die EDV einzubeziehen

- Einmal erfaßte Daten müssen bei Bedarf im Direktzugriff verfügbar sein

- Gespeicherte Daten müssen sich willkürlich verketten lassen

- Automatische Fehlerprüfungen

- Datenaustausch mit anderen Stellen muß möglich sein

- Die EDV-Verarbeitung muß die für Führungsaufgaben nötigen Informationen liefern.

Online-Lösung mit 96 K

Nach einer Ausschreibung entschieden wir uns für eine Nixdorf-Lösung mit folgender Konfiguration Nixdorf 900 mit 96 K Hauptspeicher, zwei Magnetplatten mit je 56 Millionen Bytes, Magnetbandkassette, Magnetbandstation (1600 bpi), Konsuldrucker und fünf Bildschirmgeräte SIG 50/3 (960 Zeichen) sowie ein System 620 mit zwei Bildschirmplätzen für die Datenerfassung.

Auch bei unserer Problemlösung spielt die Software letztlich eine wesentlich wichtigere Rolle als die Hardware. Wir benutzen ein Nixdorf-Datenbanksystem, das die Datenverkettung gewährleistet und arbeitsplatzorientiert (Bildschirm) eingesetzt wird. Es sollte berücksichtigt werden, daß nicht die Belege, sondern die Daten wandern, also muß dort, wo die Informationen (Meldungen, Leistungsanträge, Rechnungen etc.) anfallen, die sachliche Bearbeitung, die Datenerfassung und die Weiterleitung an die ZE zur Verarbeitung und Speicherung erfolgen.

Das besondere Merkmal unseres Systems ist, daß ein Datenbankprozessor die beliebige Verknüpfung von Dateien und Datensätzen nach horizontaler, vertikaler und damit hierarchischer Gliederung übernimmt. Dies ermöglicht uns den Zugriff

- nach verschiedenen Ordnungsbegriffen (Vielfach-Indizierung, Primär und Sekundärindextabellen)

- über einen Datensatzauf einen weiteren logisch anstehenden Satz derselben Datei oder anderer Dateien (Querindizierung)

- nach einem Ordnungskriterium auf viele Sätze mehreren Dateien (mehrdimensionale Indizierung).

Bei unserem Datenbanksystem wird das Kettungssystem (adress chaining) und das Indextabellensystem (inverted file method) kombiniert verwendet. Durch Verkettung der Datenbestände wird der Aufbau von Informationsstrukturen über mehrere Dateien ermöglicht. Durch Hinweisadressen werden die Dateien miteinander verknüpft. Der Aufbau der Datenstrukturen erfolgt auf der Grundlage des übergeordneten Mastersatzes (mit der Anfangsadresse der Kette) und des untergeordneten Detailsatzes (mit der Hinweisadresse für den nächsten Detailsatz).

Sofortauskunft

Dies alles bedeutet für unsere Mitglieder und Arbeitgeber, zu deren Nutzen dies letztlich alles geschehen ist, daß sie mit Hilfe der eingesetzten Bildschirmgeräte jederzeit die Auskunft bekommen, die sie wünschen, und zwar sofort, ohne daß die Sachbearbeiter lange in Bergen von Aktenordnern suchen zu müssen. Sollte ein Kassenmitglied einen schriftlichen Bescheid benötigen (z. B. für den Arbeitgeber), wird über ein an den Bildschirm angeschlossenes Hardcopygerät das Gewünschte ausgedruckt.

Unsere Sachbearbeiter begrüßen die Online-Lösung: "Wir arbeiten gern am Bildschirm. Etwas anderes können wir uns gar nicht mehr

verstellen."

Übrigens: Eine Untersuchung des RKW (Rationalisierungskuratorium der deutschen Wirtschaft) bei der AOK Lindau hat ergeben, daß die Problemlösung in dieser Komplexität im Krankenkassenwesen als beispielhaft zu bezeichnen ist.

Ein zusätzlicher Vorteil ergibt sich für die AOK Lindau aus der Übernahme der Korrespondenz auf die EDV-Anlage. Dadurch werden etwa 90 Prozent des individuellen Schriftverkehrs abgedeckt. Besonders wichtig: Auslösendes Moment für zu schreibende Korrespondenz ist der Computer. Innerhalb der Verarbeitungsvorgänge werden über Satzkennzeichen notwendige Korrespondenzen auf Magnetbandkassette geschrieben, sortiert und ergänzt durch variable Daten aus den Dateien anschließend über den EDV-Drucker geschrieben.

Die AOK Lindau hat die Anlage mit der Begründung gekauft, daß der Einsatz von Hardware und Software so zukunftsorientiert ist, daß bei siebenjähriger Abschreibung die Vorteile von der betriebswirtschaftlichen Seite her gegenüber Miete bzw. Mietkauf überwiegend sind.

Hans Bocker ist stellvertretender Geschäftsführer der AOK-Lindau und verantwortlich für den Bereich EDV und Organisation.