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12.08.1988 - 

CW-Börsenspot: Guter Zeitpunkt für antizyklische Wertpapierkäufe

Aktien gebeutelter DV-Firmen bieten Chancen

MÜNCHEN (CW) - Eine pessimistische Grundstimmung ist nichts Schlechtes - zumindest nicht an der Börse. CW-Mitarbeiter Arnd Wolpers untersucht, mit welchen "zusammengeprügelten" DV-Aktien bald etwas zu verdienen sein dürfte. Obwohl mancher Wang- oder Commodore-Aktionär einst unsanft landete, sind diese Titel heute interessant.

Geht der Zinsanstieg zu Ende? Steigende Zinsen belasten die Aktienmärkte. Geldverteuerung führt regelmäßig zu einer Belastung der Aktiennotizen - so auch in diesem Sommer, als die laufende weltweite Aktienmarkterholung vom Zinsanstieg gebremst wurde. Positiv anzumerken ist in diesem Zusammenhang, daß durch die Zinsbremse des Aktienmarktes eine technische Überreizung sowohl des deutschen als auch des US-Marktes verhindert wurde. Mit steigenden Zinsen wuchs der Pessimismus. Er löste Käufe aus, die nicht nur den Kursanstieg bremsten, sondern wegen ihrer bereinigenden Wirkung (Vernichtung von zukünftigem Verkaufspotential) und der Schaffung von Liquidität eine tragfähige Basis für eine Fortsetzung des Aktienmarktaufschwungs in einigen Wochen bilden.

Sogenannte "Sentimentindikatoren" geben einen Maßstab für die "technische" Überhitzung beziehungsweise Bereinigung eines Marktes. Kluge Anleger handeln zu Zeiten übertriebener Meinungsbildung antizyklisch: Ist "jedermann" optimistisch, dürfte die potentielle Kaufkraft erschöpft sein, die Preise für Aktien sind dann "hoch", nicht "tief", jetzt muß man seine Aktien verkaufen.

Umgekehrt gilt, daß zu Zeiten großen Pessimismus das Verkaufspotential in der Regel erschöpft ist. Der antizyklisch operierende Anleger zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, sondern kauft. Zuverlässige Stimmungsindikatoren sind zum Beispiel die Umsatzverhältnisse von Kaufoptionen zu Verkaufsoptionen, das Verhalten der Baissespekulanten, die Stimmung der Börsenbriefe sowie die Stimmung der Berater.

Vor diesem "Sentiment-Hintergrund" ist die Bereinigung in den USA schon weit fortgeschritten, während wir uns am deutschen Aktienmarkt noch mitten in der Bereinigungsphase befinden dürften. Aus diesem Grund sollten Neuengagements am deutschen Aktienmarkt zunächst noch zurückgestellt werden. Die Anzahl der pessimistisch gestimmten Börsenbriefe in den USA notiert bei 45 Prozent, die Zahl der optimistisch gestimmten Berater für US-Aktien sank auf 34 Prozent (noch kein Kaufsignal), und die Optionsindikatoren deuten auf wachsenden Pessimismus hin.

Fazit: Bei einer weiteren Verbesserung der markttechnischen Indikatoren (mehr Pessimismus) und einer Entspannung im monetären Bereich (Ende des Zinsanstiegs, nicht weiter rückläufiges Geldmengenwachstum) sollte Wall Street im dritten Quartal eine Zehn-Prozent-Chance bieten.

Zu den Favoriten unter den Auslandswerten gehört für deutsche Anleger Commodore (23 Mark, Handel in München und Hamburg). An der Heimatbörse New York kletterte der Commodore-Kurs seit Jahresanfang von 6,50 auf 12,50 Dollar.

Commodore wird im Geschäftsjahr 1987/88 wie schon im Vorjahr einen Gewinn erwirtschaften. Value Line schätzt einen Jahreserlös von 1,10 Dollar je Aktie. Nicht nur die Gewinnsituation konnte verbessert werden; auch die Verschuldung wurde abgebaut. Nach knapp 160 Millionen Dollar werden die langfristigen Verbindlichkeiten auf 130 Millionen zurückgeführt werden. Dies entspricht einem Anteil von zirka vier Dollar je Aktie beziehungsweise dem knapp Zweifachen des Cash-flow, eine solide Kennzahl.

Einen Wermutstropfen für den Kapitalanleger bedeutet die schwierig vorhersehbare Gewinnentwicklung bei Commodore. Nach achtjährigem ununterbrochenem Ertragswachstum wurden 1985 und 1986 Verluste von insgesamt knapp acht Dollar je Aktie erwirtschaftet. Der Commodore-Kurs fiel damals von seinem Hoch bei 80 Dollar innerhalb von drei Jahren auf ein Tief von unter sechs Dollar!

Commodore verdient in Europa. Rund 65 Prozent des Umsatzes werden hier erzielt, die Umsatzrendite beträgt 6,5 Prozent. In Nordamerika und Asien erwirtschaftet das Unternehmen Verluste. Wichtigste Beeinflussungsgröße für den zukünftiger Commodore-Kurs dürfte damit die Gewinnentwicklung in Europa sein. Unter der Voraussetzung, daß dem Dollar kein nachhaltiger Kursanstieg bevorsteht, sollte sich der Commodore-Gewinn weiter positiv entwickeln. Die angestrebte breitere Softwareunterstützung für den Amiga kann ebenfalls zu einer Ertragsverbesserung beitragen.

Insgesamt sollte nach dem starken Kursanstieg im Jahr 1988 mit Käufen jedoch gewartet werden, bis es zu einer ausreichenden Konsolidierung gekommen ist. Ein Kursrückgang in die Gegend um zehn Dollar wäre dazu notwendig.

Ein ebenfalls in Deutschland gehandelter US-DV-Wert, der den Anlegern bisher wenig Freude bereitet hat, ist Wang Labs (18 Mark, Handel in München und Hamburg). Auch Wang verzeichnete in den vergangenen Jahren starke Schwankungen im Ertrag. Nach 1,50 Dollar Gewinn je Aktie 1984 fiel der Ertrag auf 11 Cents (1984). 1987 rutschte Wang in die Verlustzone. Die Wang-Börsennotiz hat sich im gleichen Zeitraum geviertelt. Für die neunziger Jahre erwartet Wang für das 1987 vorgestellte Wang Integrated Image System zweistellige Zuwachsraten. Nachdem sich die Ertragssituation 1988 stabilisiert hat, bietet der Titel auf ein Jahr Sicht ein vernünftiges Chance-Risiko-Potential.

Einen der schärfsten Kurseinbrüche erlebten die Aktionäre von Norsk Data (14,50 Mark, Handel in München). Am Freitag vor dem Börsencrash vom 19. Oktober gab Norsk Data nach unten revidierte Gewinnerwartungen für 1987 bekannt. Der Kursverlust im Crash fiel daraufhin überdurchschnittlich groß aus. Vier Wochen später wurde die Gewinnschätzung erneut nach unten revidiert. Tatsächlich hat sich der 1987er Gewinn im Vorjahresvergleich halbiert (1,50 Mark je Aktie). Als Mitte Juli für das erste Halbjahr 1988 ein Verlust bekanntgegeben wurde, kam es noch einmal zu einer schockartigen Verkaufsreaktion. Insgesamt hat sich der Norsk-Data-Kurs in wenigen Monaten gefünftelt.

Norwegens Behörden sind sparsamer geworden

Von Norsk Data waren Anleger ein über Jahre hinaus kontinuierliches Umsatz- und Gewinnwachstum gewohnt. Eine regelmäßige Gewinnsteigerung von 30 Prozent wurde in den Kursen vorweggenommen. Desto größer war die Enttäuschung bei Bekanntgabe der schlechten Gewinnsituation. Norsk Data profitierte in der Vergangenheit von überdurchschnittlichen Margen, die im Telekommunikations- und DV-Bereich im Inlandsgeschäft zu verdienen waren. Insbesondere die Gebietskörperschaften, die die Hälfte des Norsk-Data-Inlandsumsatzes abnahmen, erwiesen sich als lukrative Kundschaft. Die Ausgabebereitschaft dieser Seite wurde drastisch eingeschränkt. Leichtes Geld (expansive Geldmengenpolitik, Öleinnahmen) hatten einen Konsumboom in Norwegen ausgelöst. Eine kräftige Inflation war die Folge.

Ein Wiederaufleben der Konjunktur für Norsk Data durch öffentliche Aufträge ist zur Zeit nicht absehbar. Eine positive Gewinnentwicklung aus dem hohen Auslandsgeschäftsanteil (60 Prozent) ist unwahrscheinlich, da Norsk Data an den Auslandsmärkten einem kompromißlosen Preiskampf ausgesetzt ist. Im Zuge der schlechteren Gewinnentwicklung wurde ein Auftrag der norwegischen Post, den Nixdorf schon fest an der Angel glaubte, erneut ausgeschrieben, um Norsk Data noch einmal ins Rennen zu bringen.

Kommt es zu einer protektionistischen Barriere in diesem Bereich, böte sich für Konkurrenten ein Einkauf in Norsk Data via Börse an, um eine Zusammenarbeit zu erzwingen. Vor diesem Hintergrund ist Norsk Data trotz einer Beschränkung des Ausländeranteils an norwegischen Aktiengesellschaften ein interessanter "Übernahmekandidat".