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23.08.2002 - 

Transparenz versus Gewinn

Aktienoptionen in der Diskussion

MÜNCHEN (rs) - Die aktuelle Diskussion um die Bilanzierungsmoral von Unternehmern stellt auch bislang als legal geltende Praktiken auf den Prüfstand. Vor allem die unter IT-Firmen beliebte Mitarbeitervergütung in Form von Aktienoptionen gerät unter Beschuss.

Während Amazon um die Gunst der Investoren buhlt und verkündet, künftig seine Aktienoptionen für Mitarbeiter auch als Kosten zu bilanzieren, mauern die Schwergewichte der Branche. Intel, Peoplesoft, Cisco und Microsoft haben klar gemacht, dass sie ihre bisherige Praxis nicht ändern werden. "Der faire Wert nicht ausgeübter Optionen der Mitarbeiter lässt sich nicht erfassen", erklärte Intel-Finanzchef Andy Bryant. Der Anleger wird sich demnach auch in Zukunft durch das Kleingedruckte der Geschäftsberichte kämpfen müssen, um die tatsächliche finanzielle Situation dieser Unternehmen einschätzen zu können.

Dass der Wert der einzelnen Optionsprogramme nicht fair bewertet wird, wie Bryant behauptet, dürfte jedoch nur insoweit zutreffen, als es keine allgemeingültigen Berechnungsgrundlagen gibt. Im Zuge des wachsenden Misstrauens an den Märkten werden dennoch Stimmen laut, die lieber ungenaue als gar keine Informationen befürworten. Betriebswirtschaftlich sei es zwar sinnvoll, aber aktienrechtlich zweifelhaft, Aktienoptionen als Aufwand zu buchen, erklärte Norbert Breker, Fachleiter für Rechnungslegung und Prüfung beim Institut der Wirtschaftsprüfer (DIW), gegenüber dem "Handelsblatt". Dennoch sei es hilfreich, die durch Optionen entstehende Verwässerung der Aktien aus der Bilanz herauslesen zu können.

Byron Wien, Investmentchef von Morgan Stanley, geht sogar noch einen Schritt weiter und hält Aktienoptionen für die eigentliche Wurzel der Bilanzskandale. Erst die Optionen verleiten die Manager dazu, Gewinnangaben zu manipulieren, um den Kurs des Unternehmens nach oben zu treiben. Wie eine Studie der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) nachweist, stünden vor allem Softwarefirmen ganz anders da, wären die Aktienoptionen als gewinnmindernde Kosten in die Bilanz eingeflossen. Damit stecken die Anbieter in einer Zwickmühle, denn niedrigere Gewinne belasten ebenfalls den Aktienkurs und führen außerdem zu einem neuen Kurs-Gewinn-Verhältnis. Werte, die der Markt jetzt noch als günstig bezeichnet, wären folglich keine Schnäppchen mehr.

Spitzenreiter in puncto Verwässerung ist CRM-Spezialist Siebel, dessen Aktienoptionen laut CSFB mehr als die Hälfte (54 Prozent) aller ausgegebenen Aktien ausmachen. Eine Bilanzierung dieser Werte würde den Gewinn je Aktie von 0,56 Cent in einen Verlust je Anteilschein von 1,02 Dollar verwandeln, rechneten die Analysten vor. Ähnliches gilt für BMC: Statt eines Plus von 17 Cent je Aktie rutschte das Ergebnis auf minus 17 Cent ab. Auch Microsoft hätte einen um ein Drittel reduzierten Gewinn ausweisen müsssen.

Weniger dramatisch sieht es in der europäischen Softwareszene aus. Im Durchschnitt halten sich die Unternehmen hier bereits bei der Vergabe von Aktienoptionen an ihre Mitarbeiter wesentlich stärker zurück. Entsprechend niedriger fällt auch eine "Korrektur" des Profits aus.

Kein Dank für den Vorreiter

Für SAP beispielsweise hätte sich der Gewinn je Anteilschein von 1,86 Euro im Geschäftsjahr 2001 auf 1,56 Euro verringert. Den Walldorfern, die in der Vergangenheit die Kosten für Mitarbeiterbeteiligungsprogramme in ihre Gewinn- und Verlustrechnung verbuchten, wurde dies vom Markt nicht gedankt. Denn die Wettbewerber ließen ihre Aufwendungen nicht miteinfließen. Nun hat SAP sich auf der letzten Hauptversammlung ein neues Programm genehmigen lassen, das nicht als Aufwand in der Bilanz auftauchen muss. Prinzipiell will der Konzern jedoch an der Form des Leistungsanreizes für seine Mitarbeiter und Manager festhalten.

Aktienoptionen

Aktienoptionen, neudeutsch: Stock Options, haben sich zu einer beliebten Form der Vergütung entwickelt. Mit ihnen erwirbt der Inhaber das Recht, eine bestimmte Zahl an Aktien zu einem festgelegtem Termin für einen vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Vor allem Manager sollen so an das Unternehmen gebunden und motiviert werden, alles für steigende Kurse zu tun. Was die Ausgestaltung der einzelnen Optionen betrifft, gibt es unterschiedliche Varianten. Während in den USA bereits seit langem mit dieser Form der Mitarbeiterbeteiligung gearbeitet wird, ist die Ausgabe in Deutschland erst seit 1998 erlaubt. Inzwischen hat sich das Instrument auch hierzulande durchgesetzt, sämtliche Dax-30- und mehr als die Hälfte der M-Dax-Unternehmen bieten ihren Vorständen und Führungskräften Aktienoptionen an.