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31.01.1975 - 

Europäische Gemeinschaft

Aktionsprogramm für Datenverarbeitung

CW-Bonn-Korrespondent, Konrad Müller-Christiansen

BRÜSSEL - Der Vorschlag für das erste Aktionsprogramm im Bereich der wissenschaftlich-technischen Information und Dokumentation, das mit dem 1. Januar 1975 anlaufen und am 31. 12. 1977 auslaufen soll, liegt auf dem Tisch des Ministerrates der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel. Die Kommission hat den Entwurf im vergangenen Jahr erarbeitet. Das Europäische Parlament in Straßburg hat ihm in den ersten Januartagen zugestimmt. Jetzt liegt es am Ministerrat, zu entscheiden, ob die vorgeschlagenen Aktivitäten realisiert werden sollen oder ob die Vorschläge stillschweigend ad acta gelegt werden.

Platonisches Verhältnis zur EDV

Zur Datenverarbeitung hat die Europäische Gemeinschaft bislang kaum mehr als ein platonisches Verhältnis. Immer wieder wollten die Brüsseler Behörden die industrielle Entwicklung beeinflussen, versprach man sich doch von einer Konzentration der europäischen Firmen nicht nur ein ausgewogenes Verhältnis zu den amerikanischen EDV-Giganten, sondern auch einen entscheidenden Schritt in Richtung auf die europäische Integration. Aber fast alle Versuche schlugen fehl.

Der europäische Großcomputer konnte in Brüssel nicht einmal die erste Hürde nehmen. Die gemeinsame Industriepolitik scheiterte letzten Endes an den oft sehr unterschiedlichen nationalen Vorstellungen. Wenn inzwischen trotzdem Firmen auf europäischer Basis zusammenarbeiten, so ist das sicher nicht den Politikern in Brüssel zu verdanken, sondern vielmehr der Einsicht in wirtschaftspolitische Zwänge.

Schrittweises Vorgehen

Inzwischen haben auch die Europäer in Brüssel einsehen müssen, daß die hochgesteckten Ziele einer gemeinsamen europäischen Industriepolitik auf dem Gebiet der Datenverarbeitung nicht ohne weiteres zu erreichen sind. Man entschloß sich daher zu einem schrittweisen Vorgehen und konzentriert sich dabei zunächst auf den Aufbau eines europäischen Informations- und Dokumentationssystems. Die Kommission hat sich bei ihrem Entwurf für ein Aktionsprogramm von der Tatsache leiten lassen, daß "die technische und kommerzielle Entwicklung auf dem Gebiet der Information und Dokumentation so rasch und verstreut erfolgt, daß die Errichtung eines europäischen Netzes ernstlich in Frage gestellt wird, wenn es nicht kurzfristig in Angriff genommen wird."

Dauerbetrieb Ende 1977

Hauptanliegen des Aktionsprogrammes ist es daher, "ein wirkungsvolles und wirtschaftliches Netzwerk zu errichten, das die wissenschaftliche und technische Information und Dokumentation sowie die Systeme für deren Verarbeitung, Speicherung und Verteilung auf der Grundlage eines gerechten und gleichen Zuganges alten Benutzern" garantiert. Um diese Ziel zu erreichen, schlägt die Kommission nicht nur ausführliche Untersuchungen. Versuche und einen umfassenden Probebetrieb vor, sondern fordert, daß gegen Ende des Zeitabschnittes, also Ende 1977, auf den Dauerbetrieb übergegangen werden kann.

Für die Durchführung dieses Aktionsprogramms im Jahre 1975 sind nach Schätzungen der Kommission 1,84 Millionen RE (1 RE = 3,66 DM) erforderlich. Um die fortschreitende Durchführung sicherzustellen, werden für die Jahre 1976 und 1977 etwa 2,3 bzw. 2,5 Millionen RE benötigt.

1976/77 soll die Anpassung nationaler wissenschaftlich-technischer Informations- und Dokumentationssysteme an die Normen de europäischen Informationsnetzes geprüft und rechtzeitig vereinbart werden.

Kompatibilität mit Gesamtnetz

Nach Ansicht der Kommission erfordert die schnelle Entwicklung sektoraler Informationssysteme und ihre Integration in das europäische Informations- und Dokumentationsnetz die Errichtung gemeinschaftlicher Systeme, die mit dem Gesamtnetz kompatibel sind, zum Beispiel in den Bereichen Landwirtschaft und Umweltschutz. Die Kommission denkt dabei nicht nur an den Ausbau bereits bestehender Systeme (zum Beispiel ENDS, SDIM), sondern auch an zukünftige Systeme (zum Beispiel Forschung und Entwicklung im Energiebereich, Transporttechnologie, Wissenschaftspolitik). Schließlich soll im Rahmen dieses Schwerpunktes des Aktionsprogrammes auch die Unterstützung der Rationalisierung und Weiterentwicklung der verschiedenen privaten Initiativen unterstützt werden.

Insgesamt sieht das Programm dafür im Jahre 1975 550 000 RE vor. Ausgangspunkt für die Errichtung des Informationsnetzes sind eine Reihe von technischen Modellstudien, die zeigen sollen, ob sich die Vorstellungen auch realisieren lassen. Erst dann können die Spezifikationen für die Hardware und Software sowie die Normen für den Betrieb des Netzes sowie für die Interaktion zwischen Benutzern und Netz festgelegt werden. Erst dann sind erste Entwicklungen im Bereich der Software vorgesehen. Anschließend

kann mit der schrittweisen Installierung der Hardware, der Fernmeldeverbindungen begonnen werden und die allmähliche Anpassung der integrierten Informationsysteme der Mitgliedsländer an die Erfordernisse des Netzes erfolgen. Für diesen Bereich sieht die Kommission Mittel in Höhe von 660 000 RE im Jahre 1975 vor.

Europa liegt zurück

Für den dritten Schwerpunkt, der von der Kommission mit Methoden und Arbeitsverfahren der Information umschrieben wird, sind 1975 insgesamt 630 000 RE vorgesehen. Die Notwendigkeit, auf diesem Gebiet der Methodeologie und Technologie etwas mehr zu tun, ergibt sich für die Kommission aus der Tatsache, daß hier Europa in den letzten Jahren besonders stark gegenüber Japan und den USA zurückgefallen ist. "Es besteht daher eine dringende Notwendigkeit, diesen Rückstand aufzuholen. Zugleich müssen ernsthafte Anstrengungen unternommen werden, um die spezifisch europäischen Probleme zu lösen." Im einzelnen sieht das Programm in diesem Punkt die Entwicklung geeigneter mehrsprachiger Hilfsmittel. Untersuchung und Entwicklung von Standards für das Informationsnetz, Studien zur Analyse und Bewertung des Literaturinhalts, Ausbildung von Fachleuten und Unterweisung von Benutzern sowie neue Informationstechnologien (Dateistrukturen, europäische Programm-Bibliothek) vor. Schließlich soll im Rahmen dieses Schwerpunktes auch der Bedarf an weiteren Informationssystemen untersucht werden. Die Kommission denkt dabei unter anderem an Sachgebiete wie zum Beispiel Transporttechnologien, Wissenschaft und Technologie der Nahrungsmittel, Inventar von europäischen Forschungsprojekten auf verschiedenen Gebieten, Wissenschaftspolitik und viele andere Gebiete, die im öffentlichen Interesse stehen. Die Kommission hat mit diesem Aktionsprogramm den ersten Schritt für die Errichtung eines europäischen wissenschaftlich-technischen Informations- und Dokumentationssystems getan. Sie hofft, daß ihre Zielvorstellungen jetzt zügig realisiert werden, denn nur dann wird es Europa gelingen können, mit der Entwicklung in den anderen großen Ländern Schritt zu halten.