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27.08.2007

Aktiv gegen den Mangel

unic 
IT-Experte Dr. Hubert Schüle äußert sich zu den Ursachen des Fachkräftemangels in der IT-Branche und zeigt Lösungsperspektiven auf.

In einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes für Informatik, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) gaben rund 60 Prozent der Unternehmen an, große Schwierigkeiten bei der Rekrutierung geeigneter IT-Fachkräfte zu haben. IT-Experte Dr. Hubert Schüle, Professor für Wirtschaftsinformatik und E-Business an der Privaten Fachhochschule Göttingen (PFH), äußert sich zu Ursachen und Lösungsperspektiven.

Vor gar nicht langer Zeit wurden IT-Fachkräften düstere Karriereaussichten prognostiziert, plötzlich sprechen Unternehmen und Verbände vom IT-Fachkräftemangel. Wie ist dieses Phänomen Ihrer Einschätzung nach zu erklären?

Prof. Dr. Hubert Schüle: Nach dem Ende des Internet-Hypes haben viele IT-Fachkräfte ihren Job verloren. Aufgrund des Imageschadens und der seinerzeit düsteren Berufsperspektiven ging die Zahl der Studenten in IT-Studiengängen sukzessiv zurück. Schlechte Projektgeschäfte in den folgenden konjunkturellen Krisenjahren verschärften die Arbeitsmarktsituation und verursachten einen Investitionsstau im IT-Bereich, der sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren auflöste. Der entstandene Bedarf an Fachkräften kann aufgrund der geringen Zahl an Hochschulabsolventen nicht ausreichend befriedigt werden. Hinzu kommt, dass die vorhandenen Absolventen vielfach zu wenig Erfahrung mit der Arbeit an konkreten Projekten ausweisen und trotz langem Studium kaum Unternehmensluft geschnuppert haben.

Droht Deutschland den Anschluss aufgrund des Fachkräftemangels zu verpassen?

Schüle: Fakt ist, dass sich zu wenige junge Menschen in unserem Land für ein Studium im IT-Bereich entscheiden. Im Vergleich mit indischen und chinesischen Programmierern haben wir zahlenmäßig und aufgrund unserer gegebenen Lohnkostenstruktur, global betrachtet, den Wettkampf bereits verloren. Aber: Wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen, sehe ich gute Chancen, eine führende Rolle im IT-Bereich zu sichern. Programmiervorgaben entwickeln, Softwarearchitekturen entwerfen, gewinnbringende Geschäftsmodelle etablieren - die Hochschulen stehen vor der Aufgabe, ihren Studenten nicht nur das notwendige Programmierverständnis, sondern auch betriebswirtschaftliches Know-how zu vermitteln, um die Grundlage für ein qualitatives Leadership zu schaffen.

Wie können junge Leute wieder für ein Studium im IT-Bereich begeistert werden?

Schüle: Bei Studieninformationstagen versuche ich den Interessenten immer zu vermitteln, wo die Wertschöpfung im IT-Bereich eigentlich zu finden ist und welche hoch spannenden Aufgaben und attraktiven Jobs auf gut ausgebildete Absolventen warten. Know-how-Träger an der Schnittstelle zwischen technischem Verständnis und wirtschaftlicher Umsetzung - dass sind Botschaften, mit denen wir versuchen müssen, wieder mehr junge Leute für ein Studium im IT-Bereich zu begeistern. Als Hochschule versuchen wir, durch Schulkooperationen unseren Beitrag zu leisten. In Informationsveranstaltungen und Workshops lassen wir Oberstufenschüler Hochschul- und IT-Management-Luft schnuppern, um frühzeitig das Bild in den Köpfen künftiger Leistungsträger zu korrigieren.

Marzena Fiok