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06.09.1996 - 

IT in der Prozeßindustrie/Umgang mit Gefahrstoffen bei der Henkel KGaA, Düsseldorf

Aktuelle Regeln und Daten kontinuierlich integrierbar

06.09.1996

Für die betroffenen Unternehmen ist das Bearbeiten und Einhalten der gesetzlichen Vorgaben zu einem Kapazitäts- und Mengenproblem geworden. Die kontinuierliche Prüfung der Regelflut auf Relevanz, Aktualität und Einhaltung von Übergangsfristen sowie die Aufnahme in interne Informationsflüsse markieren die wichtigsten Anforderungen an Unternehmen.

Computergestützte Informa- tionssysteme mit regelmäßigem Update- Service bieten die Möglichkeit, alle Änderungen des Gefahrgutrechtes jederzeit vollständig und richtig umzusetzen. In bereits bestehende Systeme können die einschlägigen Stoffdaten und Gesetzestexte als Grundlage für die Gefahrgutabwicklung überführt werden.

Produkte wie Persil und Pattex, aber auch Krankenhaus- und Küchenhygieneartikel, Korrosionsschutzmittel und Teppichkleber gehören zur Produktpalette der Henkel KGaA mit Sitz in Düsseldorf. Das Gefahrstoff-Transportvolumen erreicht rund 100000 Tonnen pro Jahr, von denen der überwiegende Teil auf Straßen- und Bahnwegen transportiert wird. Den größten Anteil haben Stoffe der Klasse 8 (Ätzende Stoffe) und verschiedene endzündbare Flüssigkeiten der Klasse 3. Insgesamt erreichen die gefährlichen Stoffe einen Anteil von rund sechs Prozent am kumulierten Transportaufkommen.

Für die gesamte Informationsversorgung in Sachen Gefahrgut ist bei Henkel das Gefahrgutreferat als zentrale Stelle zuständig. Fünf Mitarbeiter unterstützen den logistischen Ablauf mit entsprechenden Informationen für jeden einzelnen Arbeitsschritt. Die Aufgaben reichen von der Beschaffung und Lagerung der Rohstoffe über die Betreuung innerbetrieblicher Kunden, Erfassung und Auswertung der Daten per DV bis hin zum Transport der Produkte. Zur Arbeit des Gefahrgutreferates gehört auch die Freigabe gefährlicher Güter für die Beförderung sowie deren Einordnung in das Gefahrguttransportrecht. Dabei müssen international die Vorschriften aller Verkehrsträger bis hin zum amerikanischen Code of Federal Regulation (CFR) berücksichtigt werden. Das Referat stellt alle für den Transport erforderlichen Gefahrgutinformationen, inklusive Gefahrgut- und Verpackungskennzeichnung für Henkel-eigene Transporte und die Logistikpartner, gemäß den gesetzlichen Vorschriften schriftlich zusammen.

Die Klassifizierung der verwendeten Rezepturen erfolgt auf Basis der Einzelkomponenten, die in der DV über die Software- Eigenentwicklung "Rezeptur-Informations-System" (RIS) erfaßt werden. Darüber lassen sich unter anderem alle erforderlichen Daten der chemischen Zusammensetzung der Einzelstoffe abrufen, aus denen die Gefahrenklasse für die Rezeptur abgeleitet wird.

In der Vergangenheit wurden die Henkel-Gefahrgutdaten mit dem Datenhaltungssystem IMS (Information Management System) von IBM auf einem Großrechner verwaltet. Dabei waren die Daten dem Produkt zugeordnet und insgesamt relativ starr strukturiert. 1989 begann die Suche nach einer Lösung, mit der man bei zukünftigen Verordnungsänderungen dem erheblichen manuellen und personalintensiven Änderungsaufwand der Datenstämme entgegenwirken und zusätzliche Datenfelder schaffen konnte. Darüber hinaus sollten Interpretationsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Damals existierten rund 30000 zu ändernde Gefahrgutdatenblätter mit jeweils zirka zehn Datenfeldern, die permanent gepflegt werden mußten: Eine Aufgabe, der das alte, starre System nicht mehr gerecht werden konnte.

Die Anforderungen an eine neue Lösung wurden in einem Pflichtenheft festgelegt. "Wir wollten eine gefahrgutspezifische Anwendung, in der alle notwendigen Informationen über Gefahrgüter bereits enthalten sind", skizziert Peter Menke, Leiter des Gefahrgutreferates und Gefahrgutbeauftragter bei Henkel, das Hauptkriterium. Recherchen in Gesetzestexten und Dateneingaben von Hand sollten, abgesehen von Henkel-spezifischen Eingaben, nicht mehr notwendig sein. Weiterhin mußten die Grunddaten zur Klassifizierung im System vorliegen, da die Empfänger der Informationen aus dem System sowohl Textinformationen als auch rechtliche Interpretationen benötigen. Hierzu gehören beispielsweise Funktionen wie die Steuerung der Gefahrgutangaben in die erforderlichen Dokumente. In der Orientierungsphase 1989 waren schließlich drei Anbieter in der engeren Wahl, mit denen Gespräche auf Basis der Anforderungen des Pflichtenheftes geführt wurden.

Bei Siemens Nixdorf existierte damals die erste Version der Anwendung "Transec", in der GGVS (Gefahrgutverordnung Straße) und ADR (Europäische Gefahrgutverordnung) bereits vollständig abgebildet waren. Während der Entscheidungsphase 1990 wurden als zusätzliche Kriterien die Abdeckung aller Verkehrsträger, ein insgesamt hoher Flexibilisierungsgrad und ein Verfahren zur schnellen Aktualisierbarkeit festgesetzt. 1991 kam die Anwendung in Tests auf fünf SNI-MX-300-Arbeitsplätzen unter Sinix zum Einsatz. Nach einer erfolgreichen Testphase fiel im gleichen Jahr die Entscheidung für das Produkt. Damit war der Grundstein für das Henkel-Gesamtgefahrgutsystem "Trans 90" gelegt, das auf Basis der von Transec gelieferten Verordnungsdaten für die weitere Verteilung und aufgabenspezifische Interpretation der Gefahrgutdaten innerhalb der Auftrags- und Versandabwicklung sorgt.

Transec selbst ist plattformunabhängig verfügbar. Die Daten der Anwendung werden zusammen mit den Zugriffsprogrammen auf einem separaten Unix-Rechner gehalten und sind von der Anwenderseite vollständig abgekoppelt. Updates und Änderungen innerhalb der Anwendung sind ohne Eingriffe in die Datenbestände und Abläufe bei Henkel möglich. Die Datenbasis wird vom Anbieter laufend aktualisiert und in die Henkel-Datenbank Trans integriert. Sie umfaßt zur Zeit die Verkehrsträger Straße (ADR/GGVS), Schiene (RID/ GGVE), Luft (IATA) und See (IMDG).

Fehlerfreiheit und Aktualität der Daten werden durch Doppelerfassung und Einarbeitung der jeweiligen Vorläuferversionen bei Vorschriftenänderungen sichergestellt.

Alle Vorschriften sind direkt abrufbar

Der Nutzen der integrierten Gefahrstoffdatenbank zeigte sich zuletzt bei der 5. GGVS- beziehungsweise 12. ADR- Änderungsverordnung. Diese war so umfangreich, daß bei Henkel zirka 3000 Rezepturen überarbeitet werden mußten. "Das wäre rein manuell innerhalb von sechs Monaten nicht zu schaffen gewesen", faßt Menke die Vorteile zusammen. Heute werden knapp 40000 Gefahrgutdatenblätter mit dem System verwaltet und aktualisiert. Die Investitionen für das neue System belaufen sich auf insgesamt rund drei Millionen Mark. Im Informationsverbund mit den Datenbanken zu Rezepturen und Sicherheitsdatenblättern, zu Artikelstamm- und kaufmännischen Daten sind daraus heute für alle Verantwortlichen die Gefahrgutklassifizierungs- und - transportdaten schnell und aufgabengerecht verfügbar. In der Logistik können zugelassene beziehungsweise vorgeschriebene Verpackungen planerisch einbezogen werden. In der Disposition sind alle Vorschriften zur Kennzeichnung, Trennung und Dokumentation direkt abrufbar. Für die Zukunft ist geplant, die Lagerhaltung nach einem Konzept des VCI (Verband der Chemischen Industrie) sowie den Entsorgungsbereich in das System zu integrieren.

Mit den neuen Verfahren hat sich, nach Menkes Worten, für den innerbetrieblichen Ablauf einiges geändert. "Wir können heute schneller auf Vorschriftenänderungen reagieren und haben mehr Platz für die spezifische Eingabe der Henkel-internen Daten." Die Klassifizierung der Henkel-Rezepturen kann nun auch ausländischen Partnern zur Verfügung gestellt werden. Da die Gefahrgutvorschriften im System vorliegen und jederzeit abgefragt werden können, ist eine Papierdokumentation nicht mehr unbedingt notwendig. Henkel kann Kundenprobleme, wie zum Beispiel Anfragen für den Transport auf unterschiedlichen Verkehrsträgern, heute schneller beantworten. "Insgesamt", so Menkes Resümee, "ist die Qualität der Information und deren Bereitstellungszeit erheblich verbessert worden.

Angeklickt

Das Informationsmanagement beim täglichen Umgang mit Gefahrstoffen stellt für viele Unternehmen der Prozeßindustrie aufgrund der kontinuierlich wachsenden Informationsmenge heute eine große Herausforderung dar. "Die Integration qualitätsgesicherter Daten in die Gefahrabwicklung ist für uns eine wichtige Basis bei der wirtschaftlichen und rechtskonformen Erfüllung unserer Aufgaben", faßt Peter Menke, Leiter des Gefahrgutreferates bei der Henkel KGaA, die Bedeutung stets aktueller Gefahrgutdaten zusammen. Das Update der Daten innerhalb des Gefahrgutsystems erfolgt alle zwei Monate.

*Hubert Rasig ist freier Journalist in Alsbach.