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01.10.1999 - 

Rede vor dem Jahr-2000-Rat des US-Präsidenten

Alan Greenspan hat mehr Angst vor der Y2K-Hysterie der Bürger

WASHINGTON D.C. (CW) - Der oberste amerikanische Währungshüter Alan Greenspan hat vor dem President''s Council on Year 2000 Conversion Befürchtungen geäußert, das größte Problem im Zuge der Jahr-2000-Vorbereitungen sei nicht die Technik, sondern unbesonnene Reaktionen der Bürger. Dem widersprach in einem im Internet veröffentlichten Brief Case-Papst Edward Yourdon.

Greenspan gab sich zuversichtlich, daß die technisch bedingten Probleme und Ausfälle beherrschbar sein werden. Ihm mache die Reaktion aus der Geschäftswelt und von privaten Haushalten wegen unbegründeter Ängste vor schwerwiegenden Unterbrechungen des öffentlichen Lebens sehr viel mehr Sorgen. Die ökonomischen Effekte, die aus hieraus erwachsenden Handlungen entstehen, könnten die Sorgen über die technologische Bewältigung des Y2K-Problems in den Hintergrund rücken.

Unvorhersehbare Reaktionen befürchtet

Zwar wolle er nicht sagen, es wäre besser gewesen, hätte die Öffentlichkeit über die Existenz des Y2K-Problems gar nichts erfahren. Dann wäre man bei dessen Bewältigung sicherlich nicht so weit gekommen. Aber die öffentliche Diskussion über den möglichen Zusammenbruch der allgemeinen Versorgung durch ein technologisch bedingtes Problem befördere immer wieder die Gefahr, daß vor allem weniger gut informierte Menschen unvorhersehbare Reaktionen zeigten.

Yourdon, in der DV-Szene als Case-Papst bekannt, widersprach Greenspan. In seinem im Internet veröffentlichen Brief an den Währungshüter (http://www.yourdon. com/articles/y2kgreenspan.html) schrieb er, Greenspans Aussage ähnle denen, die refrainartig von Regierungskräften zu hören seien. Greenspan habe sicher die Bemerkungen der US-Aktienaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) zur Kenntnis genommen, die sich bezüglich der Y2K-Vorbereitungen kategorisch mit Prognosen zurückhalte. Greenspan selbst gebe ja zu, daß das Y2K-Problem ein extrem komplexes, einzigartiges und letztlich nicht mit Prognosen zu belegendes Phänomen sei.

Greenspan befürchtet, daß es zu Hamster- und Vorratskäufen kommen könnte. Passiere dies, könnte es in der Industrie zu einer Überhitzung der Produktion kommen. Greenspans Rat: Man solle Silvester und Neujahr verbringen wie jedes andere verlängerte Wochenende auch.

Yourdon hält dagegen, Greenspan spreche mit gespaltener Zunge. Würden Unternehmen ihre Lager über das normale Maß hinaus mit Produkten und Ersatzteilen auffüllen, so werte der Landeszentralbankchef dies als vorsorgliche Aktion, sich und die Just-in-time-Produktion gegen mögliche Y2K-Ausfälle abzusichern. Privatpersonen unterstelle Greenspan dagegen eine unbegründete Angst vor dem Unbekannten.

Yourdon verwahrte sich gegen die Beschwichtigungsversuche Greenspans, der gesagt hatte, im Prinzip seien die USA, deren Behörden und öfffentlichen Einrichtungen wie auch Banken etc. fast hundertprozentig auf die Datumsumstellung vorbereitet. Die meisten solcher Aussagen seien Selbstauskünfte der Betroffenen, die entsprechend gewertet werden müßten. Niemals habe die US-Regierung von Behörden oder Unternehmen verlangt, Testverfahren im Detail offenzulegen. Das einzige, was sich als Prognose zu den Auswirkungen des Y2K-Problems sagen lasse, sei, daß man nichts sagen könne.