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05.12.1980 - 

Nach Ölteppicherfahrungen erwägen Regierungen Bordrechner:

Alarm bei Grenzwertüberschreitung an Bord

HAMBURG (pi) - Als 1957 das Segelschulschiff, "Pamir" im Atlantik kenterte und dies 80 Menschenleben forderte, stellte man die Frage: "Kann man nicht die Stabilität eines Schiffes für den jeweiligen Beladungszustand zuverlässiger vorausberechnen? Lassen sich so derartige Unglücksfälle vermeiden? Zu dieser Zeit hatten Mitarbeiter der Techn. Universität Hannover und des Hamburger Ingenieurbüros Schiffko GmbH bereits mit der Entwicklung eines elektromechanischen Bordrechners begonnen. Das Gerät konnte für jede beliebige Beladung alle für die Schiffssicherheit wesentlichen Informationen rechtzeitig ermitteln. Nur es war zu teuer, denn man mußte es für jedes Schiff individuell anfertigen und mit einem aufwendigen mechanischen Rechenwerk versehen. Über einige Prototypen kam diese Entwicklung dann auch nicht hinaus.

Inzwischen wurde es immer schwieriger, mit herkömmlichen Methoden, zeitraubender Handrechnung oder Vergleich mit vorberechneten, aber den Bereich der möglichen Beladungsänderungen abdeckenden Ladefällen, die notwendigen Informationen schnell und zuverlässig zu erhalten. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte war gekennzeichnet durch

- immer kürzere Hafenzeiten, insbesondere bei Container- und Ro/Ro-Schiffen;

- Notwendigkeit, bei Containerschiffen auch Sortierprobleme zu lösen, Ordnen nach Entladehäfen und nach Sonderforderungen, wie Kühlcontainer, Container mit gefährlicher Ladung;

- Tanker und Massengutschiffe wurden erheblich größer und damit empfindlicher gegen falsche Beladung;

- die gestiegenen Ölpreise machten es notwendig, die Beladung im Hinblick auf Fahrt mit geringstem Brennstoffverbrauch zu optimieren;

- vermehrte Vorschriften zum Vermindern von Umweltverschmutzungen erfordern umfangreichere Kontrollmaßnahmen.

Zwar gab es schon früher Analogrechner, die speziell auf das betreffende Schiff zugeschnitten, aber nur zur Kontrolle weniger Größen - wie Festigkeit und Stabilität - geeignet waren.

Frei programmierbarer Rechner

Den gestiegenen und künftig weiter wachsenden Ansprüchen konnten nur frei programmierbare Rechner gerecht werden, die inzwischen zu erschwinglichen Preisen angeboten werden. Seine Auswahl muß unter dem Gesichtspunkt erfolgen, daß eine

interaktive und ohne große Schulung erlernbare Bedienung durch das Bordpersonal möglich ist.

Mit dieser Zielsetzung hat die Schiffko GmbH, Hamburg, als eines der größten maritimen Software-Häuser der Bundesrepublik ein Bordrechnersystem entwickelt. Es besteht aus einem flexibel auf den verschiedensten Geräten anwendbaren Programmpaket und einer den jeweiligen Kundenbedürfnissen angepaßten Auswahl der zu installierenden Rechner und Zusatzgeräte.

Unter anderem sind die Bordrechner seit drei Jahren auf den im Nordatlantik-Containerdienst verkehrenden Hapag-Lloyd-Schiffen der "Düsseldorf-Express"-Klasse und auch in den Ladungs-Dispositionsbüros in Hamburg und New York im Einsatz. Im Gegensatz zu anderen Bordrechnersystemen braucht man keinen besonderen Ladebürocomputer, sondern kann das Bordrechner-Gerät verwenden. Es ist auch möglich, mit dem Programm auf anderen Rechnersystemen zu arbeiten oder von diesen die Containerdaten zu übernehmen.

Brennstoffeinsparung

Im Laufe des mehrjährigen Einsatzes des Bordrechners hat sich bestätigt, daß nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Wirtschaftlichkeit der Schiffe wesentlich verbessert wird. Rechnergeschwindigkeit und Bedienungskomfort ermöglichen die Berechnung von Ladungsvarianten rechtzeitig, daß optimales Seeverhalten hinsichtlich Widerstand und Stabilität weitgehend ohne Zuhilfenahme von Ballast erreicht wird. Widerstandsminderung durch optimalen Trimm und geringeres Deplacement führen zu Brennstoffeinsparungen, durch die bei den derzeitigen Treibstoffpreisen die Kosten für den Bordrechner schon bei wenigen Reisen aufgewogen werden.

Im Bordrechner sind die Festdaten des Schiffes - Kurvenblattwerte, Partokarenen, Tankinhalte, Containerstellplätze - abgespeichert. Alle E(...) und Ausgabedaten können auf eine Bildschirm angezeigt werden. Der Rechner kann Containerlisten für jeden Lösch- und Ladehafen, Ladenraumpläne, Tanklisten und die für Schiffsbetrieb und Schiffssicherheit notwendigen Informationen ausdrucken. Dazu gehören Tiefgang, Trimm, Stabilität (in Form eines vollständigen Stabilitätsblattes) Querkräfte, Biegemomente und Torsionsbeanspruchungen. Alarme weisen den die Ladungsdisposition vornehmenden Reedereimitarbeiter darauf hin, ob Grenzwerte für Tiefgang, Trimm, Stabilität oder Festigkeit überschritten oder Containerzellen schon belegt sind.

Hinsichtlich des Bedienungskomforts wurde das Programm so ausgearbeitet, daß der Schiffsoffizier oder Reedereimitarbeiter am Gerät den jeweils nächsten Schritt in der Bedienungsprozedur vom Bildschirm ablesen kann oder auf dem Bildschirm angezeigt wird, wenn eine Fehlbedienung oder Überschreitung von Grenzwerten erfolgt ist. Eine Personalschulung entfällt praktisch.

Dickes Papierbündel

Die nationalen Schiffssicherheitsbehörden verlangen heute die Anbordgabe von Stabilitäts- und Festigkeitsinformationen, mit denen die Schiffsführung in die Lage versetzt wird, alle Ladezustände zu vermeiden, die zu einer Gefährdung des Schiffes führen könnten. Befolgt man diese Forderung exakt, muß ein dickes Papierbündel mit Vorausberechnungen an Bord gegeben werden. Viel praktischer ist es jedoch, statt dessen einen Bordrechner zu verwenden, der nicht nur präzis den vorgesehenen Ladefall untersucht, sondern auch bei Über- oder Unterschreiten von Grenzwerten Alarm gibt.

Die irische Regierung hat - nachdem in der irischen Bantry Bay der Tanker "Beteigeuze" durchgebrochen war und erhebliche ÖIverschmutzungen der Strände verursacht hatte - empfohlen, künftig für alle Tanker über 10 000 tdw Bordrechner vorzuschreiben.

Ob sich die holländische Regierung diesem Vorschlag anschließen wird, bleibt abzuwarten. Sie hat jedoch bereits deutlich gemacht, daß etwas geschehen muß, um Unfälle wie den des 220 000-tdw-Tankers "Energy Concentration" zu vermeiden, der in Rotterdam durchbrach, weil die Tanks in falscher Reihenfolge entladen wurden. Dieses Schiff hatte nur einen älteren Analogrechner an Bord, mit dem die chinesische Besatzung nicht umgehen konnte, weil die Benutzungsanweisung nur in norwegisch vorhanden war.

Wenn Bordrechner künftig in vermehrtem Umfang eingesetzt werden, dürften sich auch die Behörden in unserem Lande für Zulassungsvorschriften stärker interessieren. Es ist zu hoffen, daß man dann keine überzogenen Forderungen an die Hardware stellt; denn wenn hierfür extreme Betriebsbedingungen in bezug auf Rüttelfestigkeit und Temperaturbereich zugrunde gelegt werden - und diese Temperaturen zeichnen sich bei einigen Stellen ab -, müßten teure Sonderfertigungen eingesetzt werden, so daß gerade für die besonders gefährdeten kleinen Schiffe die Möglichkeit verbaut wird, preiswerte Hardware zu nutzen. Schwerpunkt bei der behördlichen Zulassung sollte vielmehr eine Software-Prüfung sein, wie dies bei den Navigationsrechnern auch im Vordergrund steht.