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Alcatel-Chef Zeidler kritisiert Bonner Politiker Deutsche TK-Industrie hat das Jahr 1994 bereits abgeschrieben

25.03.1994

STUTTGART (CW) - Die deutschen Hersteller von Kommunikationstechnik duerften, nach den Einbussen im vergangenen Jahr, auch 1994 nicht mit einer Geschaeftsbelebung rechnen. Diese pesimistische Einschaetzung vertrat der Vorstandsvorsitzende der in Stuttgart ansaessigen Alcatel SEL AG, Gerhard Zeidler, in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung".

Der deutsche Alcatel-Chef geht in dem von "vwd" verbreiteten Interview davon aus, dass sich insbesondere die Privatkunden der Branche angesichts der anhaltenden Konjunkturflaute mit Bestellungen weiterhin zurueckhalten werden. Auch der mit Abstand groesste Abnehmer, die Deutsche Bundespost Telekom, duerfte nach Ansicht Zeidlers die Ausgaben fuer Kommunikationstechnik bis auf weiteres nicht steigern. Allein 1993 haetten die deutschen Anbieter von Kommunikationstechnik mit ihren rund 125000 Beschaeftigten bei einem Umsatz von knapp 20 Milliarden Mark eine Umsatzeinbusse von zwoelf Prozent hinnehmen muessen. Gleichzeitig sei der Auftragseingang um sechs Prozent geschrumpft.

Trotz der juengsten Uebernahmen im Mobilfunk-Geschaeft sowie der immer kritischer werdenden Situation fuer einzelne Service-Provider glaubt Zeidler nicht, dass dieser Markt bereits ausgereizt ist. Vielmehr stehe diesem ein "gewaltiges Wachstum" erst noch bevor, bei dem bis zum Ende des Jahrzehnts allein in Deutschland mit rund zehn Millionen Teilnehmern zu rechnen sei. Anders sehe es hingegen bei den Uebertragungsnetzen aus, wo es die Gefahr von Ueberkapazitaeten gebe.

Was die gegenwaertige Information-Highway-Euphorie angeht, ist Zeidler zufolge genauso wie in den USA der Bau von Datenautobahnen mit entsprechenden Uebertragungskapazitaeten "jederzeit moeglich"; allerdings fehle es bisher am noetigen Willen der politisch Verantwortlichen. Anders als in den Vereinigten Staaten gebe es, wie der Alcatel-Verantwortliche kritisierte, fuer die Zukunft der Kommunikationstechnik in Deutschland kein vergleichbares Ziel, keine allgemeinverstaendliche Vision, keine innovative Aufbruchstimmung und wenig Technikfreundlichkeit.

Nach Zeidlers Einschaetzung waeren fuer eine weitgehende Vernetzung der Bundesrepublik ueber mehrere Jahre verteilt Investitionen in Hoehe von 30 bis 50 Milliarden Mark notwendig. Trotz mangelnder politischer Sensibilitaet fuer dieses Thema sieht der Kommunikationsexperte jedoch keine Gefahr, dass die USA auf dem Gebiet kuenftiger Multimedia-Anwendungen, wo es um die Vernetzung von Telefon, Telefax, Computern und Fernseher gehen werde, eine Vormachtsstellung erreichen koennten. Hierfuer seien, so Zeidler, die entsprechenden Anbieter und Carrier in Europa "zu stark".