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Probleme bei Restrukturierung


03.12.2007 - 

Alcatel-Lucent: Dunkle Wolken zum ersten Geburtstag

pte pte
Der Netzwerkspezialist Alcatel-Lucent feiert sein einjähriges Bestehen. Die beiden Unternehmen Alcatel und Lucent hatten ihre Fusion am 1. Dezember 2006 abgeschlossen und sich daraus eine deutliche Verbesserung ihrer Marktposition erhofft.

Das erste gemeinsame Jahr von Alcatel und Lucent verlief anders als geplant. Verluste in den Quartalsbilanzen und aufgestockte Sparmaßnahmen, die mit einem erhöhten Mitarbeiterabbau einhergehen, kennzeichneten die vergangenen zwölf Monate. "Das Unternehmen hat es geschafft, in kurzer Zeit mehrere Profitwarnungen auszugeben. Das zeigt, dass es das Business-Modell nicht im Griff hat und die Maßnahmen zur Restrukturierung scheinbar langsamer als ursprünglich geplant vorangehen", so Unicredit-Analyst Roland Pitz im Gespräch mit pressetext. Alcatel-Lucent-CEO Patricia Russo sieht ihr Unternehmen jedoch wieder im Aufwind.

Was Alcatel-Lucent bislang gezeigt hat, stehe nicht im Einklang mit dem, was in den ersten Monaten kommuniziert wurde und entspreche auch nicht dem selbstbewussten Auftreten des Managements, erläutert Pitz. Seit einem Jahr sehe man relativ wenig Ergebnisse und höre immer neue Entschuldigungen. Aufgrund der vorangegangenen Profitwarnungen wären auch die kürzlich aufgestellten Prognosen für das Gesamtjahr wenig aussagekräftig. "Man sieht, dass der Merger doch eine ganze Reihe an strukturellen Problemen aufwirft", sagt Nicolas von Stackelberg, Analyst bei Sal. Oppenheim, gegenüber pressetext. Das vergangene Jahr sei für Alcatel-Lucent nicht gut verlaufen, das Unternehmen müsse immer tiefere Einschnitte vornehmen. Zudem könnten die Roherträge der geplanten Synergieeffekte scheinbar nicht so realisiert werden wie ursprünglich geplant. Erst Ende Oktober hatte das Unternehmen zum dritten Mal in Folge einen Verlust in der Quartalsbilanz bekannt gegeben.

Der Integrationsprozess bei Alcatel-Lucent komme nur schrittweise voran und betreffe lediglich Einzelelemente des gesamten Restrukturierungsprozesses, so Pitz. Zudem steigt der Wettbewerb zwischen den internationalen Netzwerkausrüstern. "Der Druck am Markt ist gewaltig. Alcatel-Lucent tritt hier gegen eine fundamental gut aufgestellte Ericsson und ein immer besseres Nokia Siemens Networks an." Anders als bei Alcatel-Lucent gehe der Integrationsprozess bei Nokia Siemens Networks scheinbar besser voran. Das Unternehmen müsse deshalb aufpassen, dass es auf mittlere Sicht nicht ins Hintertreffen gelange. Positiv sei jedoch anzumerken, dass die Bewertung des Unternehmens derzeit nicht sehr hoch und die Marge damit nicht repräsentativ sei, betont Stackelberg. "Der Preis der Aktie beinhaltet schon viele schlechte Nachrichten und scheint daher wenig gefährdet." Aussicht auf Besserung des Kurses sei jedoch erst dann gegeben, wenn von Seiten des Managements deutliche Signale zu einer positiven Entwicklung des Geschäftes ausgegeben werden.

Eines der Probleme von Alcatel-Lucent zeigt sich laut Stackelberg im Wireless-Bereich des Unternehmens. Hier hat das Unternehmen trotz des Mergers Marktanteile verloren. Im Breitbandgeschäft habe sich zwar der Preisdruck unter anderem durch chinesische Mitbewerber wie Huawei und ZTE verstärkt, durch seine Führungsposition konnte sich das Unternehmen hier jedoch bislang gut halten. Der Markt habe zudem darauf gesetzt, dass Russo abtreten würde, sagt Stackelberg. Stattdessen verlässt Finanzvorstand Jean-Pascal Beaufret das Unternehmen, wie Ende Oktober bekannt gegeben wurde. Ein Rücktritt Russos ist jedoch im kommenden Jahr nicht auszuschließen. Ein möglicher Ersatz wäre Mike Quigley gewesen, der vor dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen das US-Breitbandgeschäft von Alcatel leitete und zuletzt Chief Operation Officer bei Alcatel-Lucent war. Ende August verließ er jedoch das Unternehmen.

Russo selbst zeigt sich nach dem ersten Jahr zuversichtlich. Das Schlimmste sei nun vorbei, sagt sie diese Woche in einem Interview mit "Businessweek". Zugleich gesteht sie ein, dass der Integrationsprozess mehr Unruhe gestiftet hatte, als erwartet. Davon konnten Mitbewerber profitierten und mit aggressiven Preisstrategien Marktanteile gutmachen. "Die schwierigen Aufgabenstellungen, die bei jeder Fusion zweier großer Unternehmen entstehen, haben das Unternehmen sehr gefordert. Trotzdem konnte Alcatel-Lucent seine starke Position in den strategischen Key Märkten und bei Technologien wie IP und Breitband weiter stärken", sagt Manuela Klier, Sprecherin von Alcatel-Lucent Austria, gegenüber pressetext.

Manche Märkte hätten sich jedoch nicht so entwickelt wie erwartet, etwa der US-Markt. In den vergangenen Monaten habe das Unternehmen die Integrationsmaßnahmen planmäßig umgesetzt und werde diesen Kurs auch im nächsten Jahr weiterverfolgen, so Klier. "Das Unternehmen wird sich verstärkt auf sein Kerngeschäft wie Netztransformation, Breitband und Konvergenz konzentrieren und eine offensive Strategie verfolgen. Starkes Wachstumspotenzial sehen wir bei Services und Anwendungen im Carrier-Markt sowie bei Lösungen im Unternehmens-Bereich, für die Industrie und den öffentlichen Sektor."

Im dritten Quartal verbuchte Alcatel-Lucent einen bereinigten Nettoverlust von 258 Millionen Euro, nach einem Pro-Forma-Überschuss von 532 Millionen Euro im Vorjahr. Auch das bereinigte operative Ergebnis lag mit 70 Millionen Euro deutlich unter dem Pro-Forma-Wert von 2006 (430 Millionen Euro). Der Umsatz sank auf 4,35 Milliarden Euro (2006: 4,91 Milliarden Euro). Der bereits im Vorjahr angekündigte Stellenabbau wurde zudem verschärft. Während Russo Anfang Dezember noch den Abbau von rund 9.000 der insgesamt 88.000 Mitarbeiter im Zuge des Restrukturierungsprogramms verlautbarte, wurde diese Zahl bereits im Februar auf 12.500 erhöht. Ende Oktober wurde schließlich bekannt, dass bis Ende 2009 weitere 4.000 Stellen wegfallen werden. Dies soll ins selben Zeitraum nochmals Kosten von 400 Millionen Euro einsparen. Nach Abschluss der Fusion hatte das französisch-amerikanische Unternehmen angekündigt, innerhalb der ersten drei Jahre durch Synergieeffekte insgesamt 1,4 Milliarden Euro vor Steuern einsparen zu wollen, davon 600 Millionen im ersten Jahr. (pte)

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