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Personalabbau und Konzentration auf Kernkompetenzen


14.03.1997 - 

Alcatel SEL will verstärkt am eigenen Image arbeiten

"Alcatel SEL hat eine Zukunft, denn wir besitzen die notwendige technologische Kompetenz", betonte Mecklinger, seit sieben Monaten Vorstandsvorsitzender der Alcatel SEL AG in seiner ersten öffentlichen Strategie-Aussage vor Journalisten. Der Manager, der bereits von 1981 bis 1986 dem Vorstand angehörte, war dabei sichtlich bemüht, gegen die weitverbreitete Negativstimmung im und rund um das Unternehmen anzugehen.

Man sei, so Mecklinger, auf dem richtigen Weg, um sich "finanziell zu stabilisieren". Zwar weist die deutsche Tochter des französischen Alcatel-Konzerns für das abgelaufene Geschäftsjahr 1996 erneut tiefrote Zahlen aus (zu einem Verlust von rund 200 Millionen Mark kommen noch Rückstellungen für Umstrukturierungen in Höhe von mehr als 500 Millionen Mark hinzu), der Umsatzanstieg auf 4,8 (Vorjahr: 4,3) Milliarden Mark mache jedoch "Mut". 1997 soll jedoch nach dreijähriger Durststrecke wieder ein operativer Gewinn erzielt werden und der Umsatz die Fünf-Milliarden-Mark-Grenze überspringen. Der Alcatel-SEL-Chef bestätigte damit indirekt, was er vor wenigen Wochen in einem "Brandbrief" an alle Mitarbeiter des Konzerns geschrieben hatte. Von einem "Schicksalsjahr" war da die Rede und von der Tatsache, daß die französische Mutter offenbar nicht länger gewillt ist, immer wieder für die in Stuttgart auflaufenden Verluste geradezustehen.

Um Alcatel SEL wieder zu einem proftitablen Unternehmen zu machen, will Mecklinger konsequent daran festhalten, die Organisation zu straffen, die Kosten zu senken und die Konzernaktivitäten auf sogenannte Kerngebiete zu konzentrieren. So sollen nach Möglichkeit bis Mitte des Jahres für das Elektromotoren-Werk Landshut mit rund 600 Beschäftigten und für den in Stuttgart angesiedelten Bereich Fernwirktechnik (51 Mitarbeiter) Käufer oder zumindest Mehrheitsbeteiligungen gefunden werden. In beiden Fällen stehe man kurz vor dem Abschluß, hieß es. Mecklinger betonte, daß auch nach den Verkäufen die jeweiligen Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Dagegen sehen 1500 andere Mitarbeiter des Konzerns noch in diesem Jahr einer ungewissen Zukunft entgegen. Ihre Stellen, 500 allein in Stuttgart, sollen eingespart werden - was, wie Mecklinger nun zugeben mußte, nicht ohne betriebsbedingte Kündigungen abgehen wird. Der Abbau von insgesamt 3000 Arbeitsplätzen innerhalb von zwei Jahren war bereits im Frühjahr 1996 vom damaligen Vorstandschef Peter Landsberg angekündigt worden. Daß sein Nachfolger, von dem sich die Belegschaft eine Rücknahme dieser Restrukturierungsmaßnahmen erhofft hatte, selbige nun umsetzt, führte vergangene Woche zu einer Demonstration der Mitarbeiter vor der Firmenzentrale in Stuttgart. Rund 3000 Alcatel-Angestellte machten dort ihrer Enttäuschung Luft. Ihre Wut ist auch verständlich: Seit Ende 1993 hat das Unternehmen 5000 Arbeitsplätze abgebaut; Ende vergangenen Jahres zählte die Belegschaft nur noch rund 16000 Mitarbeiter. Der Betriebsrat bezeichnete das Personalkonzept des Vorstands als weder schlüssig noch ausgewogen, zudem würden möglicherweise veränderte Rahmenbedingungen nicht hinreichend genug berücksichtigt.

Bloße Sanierungsarbeit und eine Fortsetzung des personellen Kahlschlages werden indes kaum genügen, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Entscheidend dürfte nach Ansicht von Experten vor allem sein, wie Alcatel SEL das Ende dieses Jahres auslaufende Digitalisierungsprogramm der Deutschen Telekom AG, wo man dick im Geschäft war, kompensieren kann.

Vor allem aber dürfte die Zukunft des Unternehmens davon abhängen, bestehende wie künftige Kunden davon zu überzeugen, daß Alcatel SEL wieder ein kompetenter und verläßlicher Technologie-Lieferant ist. Diesem Anspruch sind die Schwaben in den vergangenen Jahren nur selten gerecht geworden - zahlreiche Pannen beim Hauptkunden Telekom belegen dies. Imagepflege steht daher ganz oben auf Mecklingers Prioritätenliste. "Ich arbeite täglich daran", betonte er.

*Beate Kneuse ist freie Fachjournalistin in Stuttgart.