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24.07.1987 - 

Gemeinsames Forschungszentrum zeigt mit Software-CAD erste Erfolge:

Alcatel und Elin mit Denkfabrik zufrieden

WIEN (CWÖ) - Die vor einem Jahr von Alcatel Austria und Elin gemeinsam ins Leben gerufene Denkfabrik konnte kürzlich ihre ersten Forschungsergebnisse präsentieren: Grafische Softwareentwurfsmethoden - auch "visual programming" genannt - sollen die Zuverlässigkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit bei der Softwareerstellung erhöhen.

Die Entwicklung formaler grafischer Softwareentwurfsmethoden bildet einen der Schwerpunkte der Arbeiten im gemeinsamen Forschungszentrum von Alcatel und Elin. Die Neuentwicklungen werden bei der Erstellung von Software für Prozeßsteuerungen angewandt, beispielsweise in der Telekommunikation, bei Kraftwerkssteuerungen oder Eisenbahnsicherungssystemen. Während die herkömmliche Methode darin besteht, ein Programm in natürlicher Sprache zu definieren und diese Definitionen dann in eine Programmiersprache umzusetzen, soll die grafische Entwurfsmethode neue Wege beschreiten.

Das Software-CAD zielt auf die Fähigkeit des Menschen, komplexe Zusammenhänge grafisch leichter zu erfassen als in Textform. Formale Zusammenhänge werden in Funktionseinheiten zerlegt und unter Berücksichtigung hierarchischer Kriterien grafisch dargestellt. Natürliche Sprache wird durch formale präzise Beschreibung ersetzt. Bei Anwendung dieser Entwurfsmethoden würden daher sowohl Qualität als auch Wirtschaftlichkeit einer Produktsoftware zunehmen. Der Programmierer wird zum "Softwaredesigner", die aufwendige Routinearbeit des Codierens übernimmt der Computer. Dadurch könnten nicht nur bestimmte Fehler des Menschen beim Programmieren vermieden, sondern auch die Produktivität von Softwareingenieuren signifikant verbessert werden sind die Wiener Entwickler überzeugt.

Kosteneinsparung von 50 Prozent

Der verantwortliche Forschungsleiter erhofft sich durch die Anwendung dieses Systems bis zu 50 Prozent Kosteneinsparung bei Entwicklungen von Produktsoftware. Endgültige Gewißheit über die Möglichkeiten der Rationalisierung würde man jedoch erst in zwei Jahren haben, wenn die Ergebnisse der ersten Praxisanwendungen vorliegen.

Neben einer automatischen Dokumentation, die das Entwicklungswerkzeug bei jedem Softwareentwurf automatisch liefert, weist das System einen weiteren wesentlichen Fortschritt auf: Es kann den gesamten Entwurf automatisch auf seine Konsistenz prüfen, also feststellen, inwieweit Verknüpfungen einzelner Funktionseinheiten und die vorgesehenen Interaktionen in sich logisch zusammenpassen.

Ein zweiter Schwerpunkt des Forschungsprogrammes ist die spezielle Programmiersprache für Expertensysteme "Pamela" (pattern matching expert system language). Weitestgehend hardwareunabhängig und mit anderen Programmiersprachen mischbar soll ein Pamela-Expertensystem vor allem in Prozeßsteuerungen bei Kraftwerken und Kommunikationssystemen von integrierbar sein. Eine im Vergleich zu heute üblichen Systemen bis zu 100mal schnellere Verarbeitungsgeschwindigkeit ist Voraussetzung für den Einsatz unter Echtzeitbedingungen.

Das Forschungszentrum, das bis zur Fertigstellung des neuen Elin-Gebäudes 1988 vorläufig im Haus Ehgartner in Floridsdorf untergebracht ist, gehört zu zwei Drittel Alcatel Austria und zu einem Drittel der Elin. Es beschäftigt derzeit 60 Mitarbeiter davon 30 graduierte Ingenieure, und kostet seine Eigentümer jährlich etwa 60 Millionen Schilling. Bis 1990 soll der Stab auf etwa 80 bis 100 Mitarbeiter aufgestockt werden. "Die Effektivität der Forschung ist bei diesem Mitarbeiterstand am höchsten, betont Alcatel-Generaldirektor Guido Klestil.

Internationales Interesse

Erfreut zeigt sich Klestil auch über die Aufmerksamkeit, die dem Weiner Forschungszentrum international gezollt wird. So stünde man bereits in Verhandlungen über eine Teilnahme an zwei gesamteuropäischen Esprit-Forschungsprojekten und einem Race-Projekt. Dadurch könnte das Wiener Zentrum, hofft der Alcatel-Chef, ein Drehpunkt zu internationalem Wissen werden.

Die Forschungsergebnisse werden als Basistechnologien in beiden Muttergesellschaften für Produktenwicklungen verschiedener Anwendungsbereiche zum Einsatz kommen. Für Alcatel soll vor allem das "Software-CAD-System" bei der Erstellung der Software künftiger Bürokommunikationssysteme sowie für die Steuerung elektronischer Stellwerke Verwendung finden. Da die Entwicklungskosten für Produktsoftware zwischen 50 und 80 Prozent der gesamten Kosten künftiger Systeme betragen, erhofft man sich von Software-CAD eine Schlüsselrolle bei der Reduzierung von Entwicklungskosten.

Elin-Engagement hat sich erweitert

Die staatliche Elin Union, die aufgrund einer Vereinbarung bis 1985 nur für den Starkstrombereich zuständig war, engagiert sich nun auch vermehrt in Prozeßsteuerung und -automatisierung. Die Anwendungsgebiete der Wiener Forschungsstätte - insbesondere bei Expertensystemen auf der Grundlage künstlicher Intelligenz - sehen die Elin-Verantwortlichen primär in der Leistungselektronik (Antriebs- und Drehzahlregelung) sowie in der Automatisierung von Fließprozessen. Die Entwicklungen auf dem Gebiet fehlertoleranter Computersysteme sollen für die Automatisierung im Kraftwerksbereich und bei der Industrie eingesetzt werden. Durch eine Erhöhung der Sicherheit und Zuverlässigkeit von Anlagen erwartet sich die Elin auf dem Gebiet der Industrieautomatisierung und Verfahrenstechnik auch eine Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.