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07.07.1978 - 

Halbzeit im 3. DV-Programm:

Alibi-Funktion des Buy-American-Act

BONN - 122,2 Millionen Mark haben deutsche DV-Hersteller 1977 aus der Bundeskasse erhalten. Dies ergibt sich aus einem Bericht des Bundesministeriums für Forschung und Technologie des an den Ausschuß für Forschung und Technologie des Deutschen Bundestages. Allein mehr als 75 Prozent kassierten Siemens und Nixdorf.

Einige Highlights aus diesem Bericht:

- Die Zahl der Beschäftigten der, deutschen DV-Industrie für Kleinrechner und Endgeräte ging von 1974 bis 1977 um 10 Prozent zurück (Beschäftigte 1977: 15 000). Der Umsatz steigerte sich in der gleichen Zeit um 40 Prozent (2 Milliarden Mark).

- Zur Preis-/Leistungsentwicklung bemerkt das BMFT daß z. B. das System 8870/1 der Nixdorf Computer AG mit einem Preis von DM 100 000 in allen Punkten bessere Leistungsdaten aufweise, als der IBM-Rechner 360/30 mit 64 KB, 60 Quadratmeter Flächenbedarf und einem Preis von einer Million Mark.

Den notwendigen Umstellungsaufwand für Kleinrechner-Hersteller auf die Mikroelektronik demonstriert das BMFT am Beispiel Kienzle: Die Entwicklungskosten für das neue modulare Computersystem (MCS) betragen 50 Millionen Mark, für zusätzliche Neuentwicklungen der Anwenderprogramme werden weitere 70 Millionen Mark benötigt.

Die beschlossene Zusammenarbeit zwischen Triumph-Adler, CTM und Diehl Datensysteme wird wegen der guten Zukunftsaussichten dieser Kooperationsform ausdrücklich begrüßt.

Während sich Lob und Bedenken des BMFT für Kleinrechner- und Endgeräte-Hersteller im Bericht auffällig zusammenfügen, werden die Marktanstrengungen der Siemens AG ohne Einschränkung als zielstrebig und erfolgreich bewertet: Die staatliche Förderung der 7000-Serie konnte 1977 eingestellt werden, weil diese Serie mit IBM-Produkten voll konkurrenzfähig geworden sei.

- Die Nachfolgesysteme der Y-Serie (für die der Deutsche Bundestag 10 Millionen Mark staatlicher Zuwendungen bis heute gesperrt hat) könnten nach den Hochrechnungen der Siemens AG erstmalig zugleich mit den Nachfolgesystemen des Marktführers IBM auf den Markt gebracht werden. Das BMFT: "Ein markanter Meilenstein auf dem Wege zu den Zielen des Dritten Datenverarbeitungsprogramms. "

Für diesen markanten Meilenstein will das BMFT 1978 45 Millionen Mark ausgeben und plädiert - wenn auch verklausuliert - für eine Freigabe der vom Bundestag gesperrten Zuschüsse.

Zur Rechtfertigung der nicht unerheblichen staatlichen Zuwendungen an die DV-Industrie "mit deutscher Basis" verweist das BMFT - nicht ganz zu Unrecht - auf die Praktiken des "Buy-American-Act" und auf die Tatsache, daß der CII/Honeywell etwa 2,8 Milliarden Mark aus dem französischen Staatssäckel zufließen.

Zu der sich anbahnenden Konkurrenzsituation zwischen deutscher Kleinrechner- und Endgeräte-Herstellern und der Siemens AG schreibt das BMFT verschämt, daß die Systeme 7.708 und 7.718 das Spektrum nach unten hin in den oberen Preisbereich von Kleinrechnern hinein "ergänzen".

*Werner Gerdes ist Unternehmensberater in Rheinbach-Wormersdorf