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22.10.2004

All-Inclusive-Angebote statt Standards

Achim Born
Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ein IT-Hersteller sein RFID-Bekenntnis abgibt. Doch wegen fehlender Plug-and-Play-Fähigkeit ist für den Anwender jedes Projekt ein Integrationsabenteuer.

Für Sara Friar, Technologie-Analystin bei Goldman Sachs, gibt es kein Vertun: Wer heute einen einfachen Weg suche, mit den CIOs ins Gespräch zu kommen, müsse über RFID reden. Das Interesse an der Radiofrequenz-Identifikation hat also Bestand. Nach Überzeugung aller Beteiligten schafft RFID die Voraussetzung, die Lücke zwischen der realen Welt und ihrem virtuellen Abbild weiter zu schließen. In Beispielrechnungen wird auf die Cent-Stelle genau ermittelt, was die höhere Transparenz und Effizienz in den Supply-Chain-Abläufen einbringt.

Gleichwohl raten Analysten wie Friar den Anwendern, vor einer größeren RFID-Investition den Business Case erst einmal genau durchzurechnen. Denn noch bedeutet RFID zunächst einmal Kosten und wenig Nutzen. So veröffentlichte die Meta Group im Februar dieses Jahres die Ergebnisse einer Untersuchung, wonach die Zulieferer, die an dem hinlänglich bekannten Wal-Mart-Projekt teilnehmen, in den ersten zwei Jahren keine Rentabilität erwarten dürften.

Die Berater machen für diesen Umstand primär zwei Ursachen verantwortlich: Zum einen konzentrierten sich die Zulieferer in ihren RFID-Implementierungen ausschließlich auf die Vorgaben ihrer großen Abnehmer und vernachlässigten darüber den Entwurf einer unternehmensweiten Einsatzstrategie. Zum anderen haben noch nicht alle Beteiligten an der Lieferkette die Technologie adaptiert. Zudem verhindern mangelhafte Standards die kostensenkenden Effekte der Economies of Scales.

Dieses Manko wirkt sich auch auf der Anbieterseite aus: "Es existiert kein Plug and Play", warnt Elgar Fleisch, Professor an der Universität St. Gallen und einer der renommiertesten deutschsprachigen RFID-Experten (siehe auch das Interview mit ihm auf Seite 35). Wie in unfertigen Märkten üblich, herrschten deshalb heute stark vertikalisierte und integrierte Lösungen vor. Das werde auch so bleiben, bis sich Standardschnittstellen herauskristallisiert hätten.

Gemeinsam integriert sich?s leichter

Dass diese Einschätzung des Hochschullehrers und Forschungsdirektors am Auto-ID Center stichhaltig ist, belegen die vielfältigen Herstellerkooperationen. Sie erstrecken sich über alle Bestandteile eines RFID-Einsatzszenarios. Zum Beispiel kombinieren SAP und Infinion die RFID-Komponenten der Integrationsplattform "Netweaver" (also Auto-ID-Infrastruktur, Event Management und vorkonfigurierte EPC-Reports im Business Information Warehouse) mit der Betriebsumgebung "You-R Open", die primär dem Management kompletter RFID-Infrastukturen inklusive der Lesegeräte und Drucker dient.

Hewlett-Packard hingegen verbandelt sich mit dem Middle-ware-Anbieter OAT Systems und plant gemeinsam mit Bearingpoint ein umfassendes Serviceangebot für den Handel, wobei sich HP auf Infrastruktur und Hardware fokussiert, während die Consulting-Firma die Geschäftsprozessberatung sowie die Systemintegration verantwortet.

SAP-Konkurrent Peoplesoft verlässt sich auf die Datensammellösungen von Data Systems International und unterstützt inzwischen den bidirektionalen RFID-Informationsfluss. Sun wiederum stellte kürzlich eine RFID-Warehouse-Management-Plattform vor. Sie setzt sich aus Produkten und Services von Sun, vom Lesegerätespezialisten SIS Technologies sowie von SSA Global zusammen.

"Software ist eine echte Herausforderung, jeder unterschätzt diese Aufgabe", hat Kara Romanow, Forschungsdirektorin bei AMR Research, im RFID-Kontext beobachtet. Zunächst einmal müssen die Daten auf das RFID-Etikett gebracht werden, anschließend sind die während des Durchlaufens der Supply Chain angefallenen Informationen in die Softwarelandschaft des Unternehmens weiterzuleiten und zwar genau an die richtigen Stellen.

Middleware der Dreh- und Angelpunkt

Das hört sich einfacher an, als es ist zumal von den Firmen unter anderem erwartet wird, dass sie die Daten aus den Bestell- und Liefersystemen auch in der gewünschten Unterteilung (Palette, Karton etc.) bereitstellen. Lesegeräte sind aber zumeist einfacher Natur: Sie verfügen gewöhnlich über fest verdrahte Funktiona-lität und wenn überhaupt einen proprietären, allenfalls bedingt Upgrade-fähigen Software-Stack.

Anspruchsvoller wird es im Bereich der RFID-nahen Middleware. Sie weist notwendigerweise hochintelligente Filtermechanismen auf, damit sich aus den Daten der Lesegeräte die richtigen Informationen abschöpfen lassen. Falls ein Transponder (RFID-Etikett mit Sender) in den Antennenradius einer Leseeinrichtung eintritt, erzeugt er ja in der Regel nicht eine, sondern Hunderte von Meldungen in der Sekunde. Deshalb müssen die Middleware-Programme in der Lage sein, zu unterscheiden, was ein echter Event ist beziehungsweise wo es sich nur um Folgeereignisse handelt, die nicht beachtet werden dürfen. Um die Rohinformationen und Aggregationsdaten in die diversen Unternehmensanwendungen einzuspielen und für die weitere Verarbeitung zu verteilen, bedarf es wiederum ausgeprägter EAI-Funktionen (EAI = Enterprise Application Integration).

Es sind keine prophetischen Gaben nötig, um im Bereich der Middleware für die nächste Zeit einige Bewegung zu vermuten. Die bereits erwähnten Anbieterbündnisse zeigen, dass sich die etablierten Infrastrukturanbieter in Stellung bringen und den Pionieren den Markt streitig machen wollen.

Der Markt ist in vier Bereiche unterteilt

In einem aktuellen Report hat Forrester Research das Marktangebot evaluiert und das Potenzial der Hersteller untersucht, ihr Angebot für die wachsenden Bedürfnisse auszubauen. Dabei gliederten die Analysten das Angebot in vier Teile: Zu den reinen RFID-Anbietern zählen sie Connecterra, Globeranger, OAT Systems, Savi Technology und RF Code. Manhattan Associates und SAP werden als Middleware-Anbieter mit zusätzlich starker Anwendungsfunktionalität beurteilt. Sun, IBM, Oracle und Microsoft sind als Plattformgiganten charakterisiert. Last, but not least komplettieren Webmethods und Tibco als Infrastrukturanbieter das Bild.

Für Unternehmen, die jetzt mit der Einführung beginnen wollen, stellen nach dem Urteil von Forrester die Anbieter Manhattan, OAT Systems und SAP die beste Middleware bereit. Das positive Urteil gründet unter anderem auf der Fähigkeit dieser Produkte, sich später in komplexe Middleware-Architekturen einbetten zu lassen.

"Unternehmen führen heute RFID auf Fabrikebene ein, nicht auf der Unternehmensebene", erläutert Sharyn Leaver von Forrester. "Auf lange Sicht benötigen sie jedoch eine Middleware-Architektur, keine Middleware-Produkte." Gleichwohl erwartet Leaver keineswegs, dass die kleinen Hersteller ganz verschwinden auch dann nicht, wenn Oracle, IBM oder Microsoft mit eigenen vertikalen Lösungen auf den Markt kommen.

Zu 90 Prozent Services und zehn Prozent Komponenten

Anbieter wie OAT Systems oder Manhattan Associates, die keine Plattform für Integration und Daten-Management auf Unternehmensebene offerieren, würden dann Partnerschaften mit IBM und Oracle oder mit Webmethods (im Fall OAT Systems bereits geschehen) und Tibco eingehen, damit ihre eigenen spezialisierten Produkte einen Platz in den unternehmensweiten Softwarearchitekturen finden.

Der Weg dahin ist allerdings mit etlichen Stolpersteinen bestückt. Für Vijay Sarathy aus der RFID-Einheit von Sun steht fest: "Heute ist RFID zu 90 Prozent Services und zu zehn Prozent Komponenten." Deshalb biete das Unternehmen ein auf Java/Netbeans basierendes Software-Toolkit an, das den Aufwand zur Entwicklung von Adaptoren für RFID-Geräte halbiere. Ähnliche Angebote gibt es auch von IBM, Oracle und anderen. Für eine gewisse Vereinfachung werden auch intelligente Lesegeräte sorgen, wenn sie wie "Mustang" von SIS Technologies auf Standards wie Java und Linux fußen sowie teilweise einfache Middleware-Aufgaben übernehmen, um den Server zu entlasten.

All dies will in eine Gesamtlösung integriert sein. Es gibt auch kaum ein renommiertes Beratungshaus, das hier nicht eilfertig seine Dienste offeriert. Indes warnt Fleisch: "Wir haben es an vielen Stellen mit Physik in reinster Form zu tun. Jene, die frei von technischen Inhalten beginnen, werden fürchterlich auf die Nase fallen." (qua)