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14.01.2000 - 

Interview

"Alle setzen auf die gleiche Technologie"

Mit Roland Dyroff, Vorstandsvorsitzender, und Stefan Werden, Vice President der Suse AG, sprach CW-Redakteur Alexander Deindl

CW: Wie sehen Sie die Zukunft von Linux auf dem Desktop beziehungsweise auf dem Server?

Werden: Die Verbreitung auf dem Desktop-Markt ist schwierig.

CW: Weshalb?

Werden: Wegen der Verfügbarkeit von Applikationen. Auf dem Desktop hat der Konkurrent (Microsoft, Anm. d. Red.) einfach zu viel Übergewicht. Im Bereich der Heimanwender haben wir unsere Präsenz vom technisch versierten zum technisch interessierten Nutzer ausgeweitet. Wir versuchen aber, uns auch im Desktop-Segment durch einfachere Installation und Handhabbarkeit auszuweiten. Auf dem Server-Markt ist Linux hingegen etabliert.

CW: Ist etabliert nicht etwas übertrieben?

Werden: 30 Prozent der Web-Server laufen bereits unter Linux. Vor allem der Trend zu E-Commerce und E-Business kurbelt den Verkauf an. Anders sieht es im Highend-Bereich aus. Dort hinkt Linux noch hinterher. Mit 64-Prozessor-Umgebungen können wir einfach nicht mithalten.

CW: Kritiker geben zu bedenken, daß bei Linux zu viele Köche, sprich Programmierer, den Brei verderben - also keine echte Zuständigkeit existiert. Wen mache ich als IT-Leiter verantwortlich?

Werden: Uns. Garantien bekommen Sie bei anderen Betriebssystemen ja auch nicht. Bei diesen Produkten sind Sie aber auf einen einzigen Hersteller angewiesen, wenn es um die Behebung von Fehlern geht. Bei Linux hat der Anwender gleich mehrere Chancen, Bugs in den Griff zu bekommen.

CW: Aber im Grunde genommen weiß niemand, wer wo was entwickelt, richtig?

Dyroff: Es gibt für jede neue Komponente einen Experten. Die sind zumeist bei Distributoren wie Suse oder Red Hat beschäftigt. Linus Torvalds (Erfinder von Linux, Anm. d. Red.) bekommt lediglich Patches vorgelegt, die einem gewissen Qualitätsstandard entsprechen. Unter www.kernel. org steht stets der offizielle und maßgebliche Kernel. Dieser wird von sämtlichen Distributoren gleichermaßen genutzt. Das gilt übrigens für jede Komponente des Betriebssystems, also etwa auch für die Bibliotheken. Auf dem untersten Level sind alle Distributionen gleich.

CW: Dann ist es also für den Anwender einerlei, welche Distribution er wählt?

Dyroff: Ja. Das ist das Schöne an Linux. Alle setzen auf die gleiche Technologie.

CW: Oder aber auf die gleiche Distribution, womit die Daseinsberechtigung so mancher Linux-Anbieter fraglich wird, oder?

Dyroff: Distributoren können sich in den Bereichen Softwarequalität oder bei der Installation und dem Service profilieren.

CW: Eine Gefahr der Zersplittung wie unter Unix besteht also nicht?

Werden: Nein. Bei Unix ist es so: Wenn Hersteller A eine gute Neuerung erfindet, darf es Firma B nicht nutzen. Dies ist bei Open Source anders. Wenn Red Hat künftig acht statt vier Prozessoren oder 4 statt 2 GB RAM unterstützt, dürfen wir das auch nutzen.

CW: Was tun Sie denn dann den ganzen Tag, wenn Sie die wichtigen Technologien sowieso umsonst bekommen?

Werden: Das Produkt besteht aus mehr als nur dem Kernel. Es gibt auch Tools, Utilities und Anwendungssoftware.

CW: Womit verdient Suse Geld?

Werden: Zwei Drittel unseres Umsatzes macht der Verkauf der Software aus. Die am stärksten wachsenden Bereiche sind allerdings Implementierung, Consulting, Support und Schulungen. Dieses Segment mit Dienstleistung bringt zehn Prozent unseres Umsatzes. Neun Prozent entfallen auf Third-Party-Software. Elf Prozent werden durch Systeme, also Hardware mit Linux, eingenommen.

CW: Wie viel macht das in Zahlen?

Werden: Der Softwareverkauf hat im letzten Jahr mit rund 43 Millionen Mark zu Buche geschlagen.

CW: Wie ernst nehmen traditionelle Anbieter Linux?

Werden: Sehr ernst.

CW: Auf bestimmte Konzernbereiche der IBM trifft das offenbar nicht zu. Wie erklären Sie sich das?

Werden: Die IBM ist eine große Organisation. Es dauert eben länger, bis die Botschaften in der letzten Verzweigung angekommen sind.

CW: Aus der Personal Systems Division hörten wir die folgende Aussage: "Ich glaube nicht, dass Linux groß durchkommt." Was sagen Sie dazu?

Dyroff: Nun, Windows 2000 ist für die IBM sicher wichtiger als Linux. Wir haben schließlich noch nicht einmal fünf Prozent Marktanteil.