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25.10.2004

Alle Wege führen nach Walldorf

SAP, Peoplesoft und Siebel haben Zahlen zum dritten Quartal präsentiert und sich jeweils als Gewinner dargestellt. Nur ein Konzern lag damit richtig: SAP hat die Konsolidierung der Branche am besten genutzt.

Mit einem Anstieg der Lizenzeinnahmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent hat die Walldorfer SAP AG das dritte Quartal 2004 nach Punkten für sich entschieden. Demgegenüber kamen Peoplesoft und Siebel im Lizenzhandel nur wenig voran ein direkter Vergleich von SAP und Siebel ist zugegebenermaßen auch nicht ganz fair. Immerhin erwirtschafteten alle drei Unternehmen schwarze Zahlen, die zudem über den Wallstreet-Erwartungen lagen. Oracle berichtet über sein zweites Fiskalquartal erst Mitte Dezember, die übrigen Anbieter spielen in einer anderen Liga.

Bestätigt in seinem Kurs sah sich Peoplesoft. Das Unternehmen verglich seine Zahlen des dritten Berichtszeitraums in der Pressemitteilung geschickt mit den Werten des direkten Vorquartals. Das war ziemlich bescheiden ausgefallen, woran maßgeblich die drohende feindliche Übernahme durch Oracle schuld gewesen sei. Die Gefahr ist zwar nach einem kartellrechtlichen amerikanischen Gerichtsentscheid und der Entlassung von Peoplesoft-CEO Craig Conway noch größer geworden, trotzdem sollen aber die Kunden wieder Zutrauen gefasst haben. Für das laufende vierte Quartal warnte Peoplesofts Finanzchef Kevin Parker dennoch wieder vorsorglich vor negativen Folgen des Oracle-Gebots.

Weniger Neukunden

Eigenen Angaben zufolge verzeichnete Peoplesoft im dritten Quartal 138 Neukunden, deren Zahlungen sich auf 21 Prozent der Lizenzeinnahmen beliefen. Gerechnet hatte das Unternehmen hingegen mit 150 Kunden und einem Umsatzanteil von 30 Prozent. Im direkten Vorquartal, das um 30 Millionen Dollar niedrigere Lizenzeinnahmen brachte, hatte Peoplesoft immerhin 160 neue Anwender von sich überzeugen können. Zusammengefasst: Eine geringere Zahl von Neukunden hat im jüngsten Berichtszeitraum größere Softwarepakete oder zusätzliche Lizenzen bestellt.

Zulegen konnte das Unternehmen hingegen bei den Wartungseinnahmen. Diese kletterten im Jahresvergleich um üppige 37 Prozent von 235 Millionen auf 320 Millionen Dollar. ERP-Experte Helmuth Gümbel von Strategy Partners vermutet hinter dem Anstieg, dass einige Anwender von J.D. Edwards in der Zwischenzeit auf neue Kontrakte von Peoplesoft umgestellt wurden: "Die Wartungskosten von J.D. Edwards waren relativ niedrig, die von Peoplesoft liegen mindestens im Branchendurchschnitt", so Gümbel. Er schätzt, dass die betroffenen Anwender nun ungefähr 30 Prozent mehr als zuvor zahlen müssen. Nach einer generellen Belebung auf dem ERP-Markt klingt dies nicht.

Wartung ist Trumpf

Auch Siebel konnte im Lizenzgeschäft kaum überzeugen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum schrumpfte der Softwareumsatz um vier Prozent auf 105 Millionen Dollar. Im direkten Vorquartal waren nur 95 Millionen Dollar eingenommen worden, daher meldete Siebel einen sequenziellen Anstieg. Weil die Wartungs- und Serviceeinnahmen zuletzt stagnierten, verzeichnete der CRM-Anbieter insgesamt einen geringfügigen Umsatzverlust. Zwei Drittel der Verträge im dritten Quartal wurden mit Bestandskunden geschlossen auch hier kein Anzeichen einer konjunkturellen Belebung, die über das normale zyklische Maß hinausreichen würde.

SAP lag ebenfalls bei Einnahmen und Profiten über den Erwartungen, konnte sich im Gegensatz zur Konkurrenz aber zweistellig steigern. Die Zahlen sprachen eine deutliche Sprache, vor allem das Lizenzgeschäft der Walldorfer florierte mit einem 13-prozentigen Wachstum. Daraus einen generellen Aufwärtstrend im Markt für Unternehmenssoftware ableiten zu wollen, griffe indes zu hoch (siehe Kasten: "Lizenzen Spiegel des Marktes?"). Zudem wurde der Lizenzumsatz in Deutschland nur um neun Prozent gesteigert, in den USA lediglich um sechs Prozent, Japan verzeichnete einen Einbruch. Überproportionales Wachstum gab es dagegen in Osteuropa, China und Indien.

Der Konzern rechnete vor, dass der ERP-Marktanteil innerhalb eines Jahres von 53 auf 56 Prozent gesteigert werden konnte. Sehr konservativ fiel jedoch die kurzfristige Prognose aus, die trotz der zuletzt guten Zahlen nicht angehoben wurde: Im laufenden vierten Quartal erwartet SAP einen Anstieg der Lizenzeinnahmen um rund acht Prozent. Das ist nicht eben viel gemessen an früheren Zeiten. Im Vergleich zum Gesamtmarkt und der Konkurrenz bezeichneten Analysten die Zahlen der Walldorfer jedoch als "exzellent".

Vertikale Konsolidierung

Für Knut Woller, Analyst der Hypovereinsbank (HVB), spielt die Konsolidierung der Softwarebranche eine wesentliche Rolle in der guten Entwicklung der Walldorfer. Laut einer aktuellen HVB-Studie steht der Softwaresektor vor einem strukturellen Wandel: Zur horizontalen Auslese in verschiedenen Segmenten (etwa ERP: Oracle kauft Peoplesoft kauft J.D. Edwards) komme eine vertikale Konsolidierung, da Anbieter in angrenzende Geschäftsfelder expandieren.

Ausschlaggebend für diesen Schritt sei das Bestreben, über komplette Lösungen zu verfügen und sich somit einen größeren Teil der IT-Budgets zu sichern. Im Hintergrund steht die Forderung von Investoren nach stetigem Wachstum, auch wenn das eigentliche Kerngeschäft gesättigt ist. "Das Ergebnis der Konsolidierung sind einige wenige, große Softwareanbieter, die die Landschaft dominieren werden", prognostiziert der HVB-Analyst.

Neue Märkte im Blick

Gesetzt sei dabei SAP, deren Rolle in der so genannten Cross-Sektor-Konsolidierung laut Woller noch unterschätzt wird. Auch der Walldorfer Konzern habe sich neben der ERP-Landschaft neue Betätigungsfelder erschlossen, etwa die Segmente Business Intelligence (BI) und Middleware. In beiden Bereichen herrscht ein starker horizontaler Verdrängungswettbewerb, und "der Kuchen ist noch nicht aufgeteilt", kommentiert der HVB-Mann.

Die drei größten Lieferanten der jeweiligen Segmente BI (Business Objects, SAS, Cognos) und Middleware (IBM, Bea Systems, Oracle) kommen gemeinsam auf einen Marktanteil von rund 50 Prozent, im gesättigten Markt für Datenbanken beispielsweise sind es bereits etwa 85 Prozent. Durch seine Diversifizierung könne sich der Walldorfer Konzern um einen insgesamt fast doppelt so großen Markt bemühen, kalkuliert Woller. Größere Übernahmen durch SAP hält der Analyst auch angesichts der bisherigen Konzernstrategie indes für eher unwahrscheinlich er geht stattdessen von einer "offensiveren Vermarktung des Produktangebots" aus.

Funktionale Vielfalt

Der Staubsaugereffekt kommt den Walldorfern nun zugute: Erst wurden die Funktionen der klassischen E-Business-Anbieter (Lieferketten-Management, Kundenverwaltung, Portale) in das eigene Angebot integriert, dann folgten mit BI und Middleware weitere Softwaresegmente. Die Strategie glättet Dellen in der Nachfrage und sorgt im Idealfall für eine kontinuierliche Entwicklung ohne gravierende Ausrutscher. Da sich die Wettbewerber im ERP-Geschäft durch Übernahmeschlachten häufig selbst im Weg stehen, erhält SAP zudem genügend Zeit, um die Bauarbeiten in Ruhe abzuschließen.