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06.09.2007

Alle wollen zu SAP und Google

Deutschlands Informatiknachwuchs hat seine Lieblingsarbeitgeber gewählt: SAP belegt den ersten Platz vor Google und dem Vorjahressieger IBM.

SAP hat es endlich geschafft: Nachdem die Walldorfer vor zwei Jahren den dritten Platz belegten, im Vorjahr Zweiter wurden, haben sie nun endlich das Siegertreppchen erklommen. Zum neunten Mal hat das Berliner Trendence-Institut im Rahmen des "Absolventenbarometers" ermittelt, bei wem der deutsche Informatiknachwuchs arbeiten möchte. Europas größtes Softwarehaus zeichnet sich durch eine kontinuierliche und engagierte Personalarbeit aus, nach dem Motto: "Tue Gutes und rede darüber".

Hier lesen Sie ...

welche Arbeitgeber bei den Informatikstudenten die besten Karten haben;

warum der Computernachwuchs optimistischer ist als früher;

was angehende IT-Fachleute vom zukünftigen Arbeitgeber erwarten.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/

588806: Was der Nachwuchs will;

584341: Was Mittelständler für die Mitarbeiter tun;

593981: Die besten Karriere-Websites der Unternehmen.

Die Studie

Deutschlandweite Online-Befragung unter examensnahen Studierenden zu ihren Erwartungen und Vorstellungen bezüglich des Berufseinstiegs, ihrem Kommunikationsverhalten und zu ihrer Einschätzung der Attraktivität von Arbeitgebern;

mit insgesamt über 20 000 Befragten ist "Das Deutsche Absolventenbarometer" die bei weitem größte Studie ihrer Art;

Durchführung in Kooperation mit mehr als 100 Hochschulen;

Vier Editionen: Business, Engineering, IT, Law;

Feldphase: Anfang März Ende Juni;

Studienteilnehmer: examensnahe Studierende der Informatik;

Befragungsort: Deutschland, 107 Hochschulen;

Befragung: Online-Fragebogen, Einladung per Brief oder E-Mail mit individuellem Passwort;

Anzahl teilnehmender Hochschulen: 61;

Anzahl der Antworten: 4893; Rücklaufquote: 23,1 Prozent

Personalvorstand Claus Heinrich ist sich nicht zu schade, immer wieder das Gespräch mit den Studenten zu suchen oder Vorträge an Hochschulen zu halten. Er selbst unterrichtet an der Universität in Mannheim. SAP tritt auf zahlreichen Campus-Rekrutierungsmessen auf, um sich dort vorzustellen. Was dem Image der Softwareschmiede außerdem hilft, ist ihr Erfolg, wie Trendence-Berater Oliver Viel hervorhebt.

Noch keine Entlassungen

SAP kann eine einmalige Erfolgsgeschichte vorweisen und wächst kontinuierlich. Auf einen Aspekt ist Vorstand Heinrich besonders stolz: "Wir haben in unserer 35-jährigen Firmengeschichte bisher noch niemanden in Deutschland aufgrund sinkender Umsatzzahlen entlassen." Zwar habe es vor einigen Jahren eine schwierige Phase gegeben, aber mit Hilfe von anderen Einsparungen ließen sich Entlassungen vermeiden. Der SAP-Manager weiter: "Das Unternehmen wünscht sich eine langfristige Zusammenarbeit, ein Entwickler braucht oft ein Jahr, bis er sich richtig eingearbeitet hat." Er sehe seine Mitarbeiter nicht nur als Ressource, die man "je nach gesamtwirtschaftlicher Lage hin und her schieben kann". Vertrauen sei ein wichtiger Grundwert im Unternehmen. "Das klingt jetzt zwar pathetisch, aber wir glauben daran, dass Mitarbeiter engagierter arbeiten, und wichtige Aspekte wie Entrepreneurship und Leidenschaft in ihrer täglichen Arbeit umsetzen, wenn sie wissen, dass es ein Arbeitsvertrag fürs Leben ist."

Was Heinrich von Bewerbern erwartet, äußerte er auf einer Podiumsdiskussion der computerwoche: "Ich wünsche mir mehr Begeisterungsfähigkeit, die hiesigen Programmierer brauchen die gleiche Motivation wie ihre Kollegen in Bangalore. Wir sollten wieder mehr sportlichen Wettbewerb haben, anstatt dauernd zu jammern."

Der SAP-Vorstand will seine Einstellungsoffensive in anderen Teilen der Welt, vor allem in Indien, nicht als Indiz für verstärktes Offshoring verstanden wissen. Auch hierzulande schaffe SAP noch viele Stellen. Allerdings verständen manche SAP-Mitarbeiter nicht, dass die indischen Kollegen auch zum Erhalt der deutschen Arbeitsplätze beitrügen.

Insgesamt kann die SAP auf ein erfolgreiches Jahr in der Personalarbeit verweisen, denn auch in der Studie "Best Places to Work" des gleichnamigen Instituts ging sie als Sieger hervor. Und in einer Studie der besten Karriere-Websites von Unternehmen des schwedischen Beratungshauses Potentialpark schnitt sie unter den IT-Unternehmen ebenfalls am besten ab. Lediglich in der Gunst der Betriebswirte und der Ingenieure belegten die Softwerker in der Trendence-Studie keine vorderen Plätze, aber immerhin verbesserten sie sich gegenüber dem Vorjahr. Im Ranking der Kaufleute liegt SAP auf Platz 17 (2006: Platz 21) und bei den Ingenieure auf Platz 42 (2006: 48).

Google - der Senkrechtstarter

Von null auf Rang zwei stürmte Google. Der Suchmaschinenanbieter hat es geschafft, in kürzester Zeit ein sehr gutes Image am Arbeitsmarkt der Informatiker aufzubauen. Einer der Gründe sei, so Trendence-Fachmann Viel, die "große Innovationskraft" des Unternehmens. Mehr als zwei Millionen Bewerbungen gehen pro Jahr beim Unternehmen ein, wie Sprecher Stefan Keuchel versichert. Die Kandidaten werden durch harte Tests ausgesiebt. Der Personalstand hat sich in den vergangenen drei Jahren jeweils verdoppelt auf heute rund 12 000 Mitarbeiter, darunter mehr als 600 mit Doktortitel. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen 150 Mitarbeiter, und zurzeit sind 50 Stellen zu besetzen.

Kreativzeit für neue Ideen

"Die besten und klügsten Köpfe der Welt werden von Google angezogen", sagte CEO Eric Schmidt. Über die beiden Gründer Larry Page und Sergey Brin ist er voll des Lobes, sie sind "von etwas in ihrem Inneren motiviert. Es treibt sie an, man kann es fühlen. Das sind Jungs, mit denen man gern abhängt, und sie wären so oder so erfolgreich." Aufsehen erregt hat das Unternehmen damit, dass es seinen Entwicklern 20 Prozent der Arbeitsleistung, also einen Tag pro Woche, als Kreativzeit zur freien Verfügung stellt. Die Mitarbeiter können dabei an Projekten arbeiten, die nicht mit ihren tagesaktuellen Aufgaben verbunden sind. Jedem Entwickler stehe es frei, ob er ein paar Stunden am Tag oder einen bestimmten Tag in der Woche für sein Lieblingsprojekt in Anspruch nimmt. Die eigentlichen Aufgaben dürfen aber nicht zu kurz kommen. David Vise, Autor der Firmenbiografie "The Google Story", vertritt in seinem Buch die These, dass Google "das beste Beispiel für eine Firma ist, deren Erfolg darauf beruht, ihren Mitarbeitern enorm viel freien Lauf zu lassen". In der Kreativzeit entstanden so bekannte Produkte wie der E-Mail-Dienst Gmail oder Google Earth.

"Google kann es sich erlauben, neue Dienste ins Netz zu stellen, ohne vorher groß Marktforschung zu betreiben", schreibt Buchautor Vise. "Das ist nicht mehr die Welt von General Electric, die bei allem die Nummer eins sein müssen. Google klebt ein Betatest-Etikett drauf, manchmal jahrelang, und wartet auf kostenloses Feedback von zig Millionen Nutzern, um dann zu verfeinern." Mitgründer Larry Page sei an solchen Frühgeburten besonders interessiert und habe ein Auge auf diese Projekte, um sie rechtzeitig aufzuspüren. Und CEO Schmidt ergänzt: "Wir entwickeln Produkte, die sich fast unmöglich kopieren lassen, denn wir verstehen es wie niemand anders, wie man sie im großen Maßstab aufzieht."

Um die Mitarbeiter bei der Stange zu halten stellt Google - wie zu besten New-Economy-Zeiten eine Menge zusätzlicher Services zur Verfügung. Diese sollen die Beschäftigten fester ans Unternehmen binden und deren Motivation steigern. Auf dem Gelände des Googleplex, der Zentrale im kalifornischen Mountain View, treffen sich die Mitarbeiter beispielsweise zum Volleyball oder Schwimmen im firmeneigenen Pool. Viele Dienstleistungen, die normalerweise wegen der Anfahrtszeiten sehr zeitaufwändig sind, hat Google auf seinem Campus gebündelt. So gibt es einen Frisör, Ärzte, Masseure und Gerätereparaturdienste. Viel gelobt wird die Kantine, die biologisch angebaute Zutaten verwendet. Das Essen ist kostenlos und darf dreimal täglich in Anspruch genommen werden. All diese Wohltaten kommen den Mitarbeitern weltweit zugute, also auch in den Büros in Hamburg und München, wie Keuchel versichert.

Richtig ist aber auch, dass Ex-Mitarbeiter in Blogs auf die Schattenseiten dieser Edelanstellung verweisen. Dass beispielsweise viele Mitarbeiter bis spät abends im Büro sind, dass sie ständig per Mail erreichbar sein müssen, dass von ihnen erwartet wird, abends zu Hause weiterzuarbeiten, oder dass die 20-Prozent-Regelung für die Kreativzeit in Wirklichkeit die Ausnahme sei.

IBM sucht in Second Life

IBM als Branchenprimus der IT-Industrie und seit Jahren im Ranking immer ganz vorne dabei, setzt auf solide und klassische Personalarbeit natürlich mit innovativen Akzenten, wie IBM-Personalgeschäftsführer Christoph Grandpierre betont. So habe sein Unternehmen ein Recruiting-Center in Second Life eingerichtet. Er gibt zu: "Auch wir als großes IT-Unternehmen müssen um die besten Köpfe kämpfen." Er biete dem Nachwuchs ein breites Praktikantenprogramm an und bilde in Zusammenarbeit mit den Berufsakademien IT-Spezialisten aus.

Als Pluspunkte für seinen Arbeitgeber hebt er hervor, dass die Informatiker in internationalen Projekten arbeiten und von einer flexiblen Gestaltung von Arbeitszeit und Arbeitsort profitieren können. Ein weiteres wichtiges Kriterium sei, dass die Bewerber "an der Entwicklung zukünftiger Technologien und an Lösungen für gesellschaftlich relevante Probleme mitarbeiten". Als Beispiel nennt er die Entwicklung eines Tsunami-Frühwarnsystems, dann ein Forschungsprojekt mit der Universität Hohenheim zur lückenlosen Lebensmittelrückverfolgung oder Lösungen zu einem effizienteren Energie-Management.

Grandpierre stellt vor allem Mitarbeiter in den Feldern Global Business Services, Software Services und Vertrieb ein. Dafür sucht er Kandidaten mit einem "breiten IT-Wissen und spezifischen Branchenkenntnissen, die vor Ort beim Kunden als IT-Architekt oder als Berater tätig sind". Darüber hinaus sind noch Stellen für Software- und Hardwareentwickler mit tiefem technischem Fachwissen wie ausgeprägten Java-Kenntnissen offen. Grandpierre fasst zusammen: "Wer Bewerber von seinem Unternehmen überzeugen will, muss verantwortungsvolle Tätigkeiten, gute Karriereprogramme und flexible Arbeitsmodelle bieten."

Die gejagten Fraunhofer-Profis

Dem kann Heinz Gerhäuser nur zustimmen. Der Chef des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen muss aber genauso wie seine Kollegen von den anderen Fraunhofer-Instituten in diesen Tagen schwer um seine Mitarbeiter kämpfen. Er weiß, dass die Headhunter ständig nach seinen Topspezialisten Ausschau halten. "Da werden Mondgehälter angeboten", schimpft der Wissenschaftler. Seine Mitarbeiter werden aber nur nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt. Er kann den Angeboten der Personalberater nur "den guten Teamgeist von Fraunhofer" entgegensetzen: "Wenn beispielsweise eine Ariane-Rakete mit digitaler IIS-Rundfunktechnik den Weg ins All antritt, dann sitzen alle zusammen und jubeln, wenn der Start geglückt ist." Voraussetzung sei allerdings "Neugier, Gespür für Entwicklungen, eben Trüffelschweinmentalität". Fraunhofer ist die einzige staatliche Institution, die seit Jahren immer unter den ersten zehn Arbeitgebern landet und nichts an Attraktivität für den wissenschaftlichen Nachwuchs verloren hat.

Verlierer Siemens

Verlierer unter den Top-Arbeitgebern ist Siemens. Sowohl bei den Betriebswirten, den Ingenieuren als auch den Informatikern haben die Münchner an Image und entsprechend an Plätzen im Ranking eingebüßt. Lediglich die Informatikerinnen haben den Elektrokonzern auf die Nummer eins gesetzt.

Im Ansehen der Studenten erholt hat sich dagegen Accenture wie auch die Beraterbranche insgesamt. Nachdem das weltweit größte IT-Beratungshaus im Zuge der New-Economy-Krise viele Mitarbeiter auf die Straße setzte, hat es sich gut erholt. Es stellt allein in Deutschland jährlich 1000 Mitarbeiter ein und hat wie kaum ein zweites Unternehmen kräftig in Personal-Marketing-Aktivitäten investiert. Aber auch Capgemini, KPMG und Bearingpoint haben gegenüber dem Vorjahr Plätze gutgemacht.

Schwer an ihrem Image zu knabbern haben die Finanzdienstleister. Die Allianz, die Dresdner Bank und die Münchner Rück gehen als die langfristigen Verlierer aus der Studie hervor. Einziger Trost, den Trendence dem Versicherungsgiganten spenden kann: Andere Finanzdienstleister tauchen im Ranking gar nicht erst auf. Die Allianz schneidet unter den Versicherungen auf Rang 78 noch am besten ab.

Was der IT-Nachwuchs will

Neben der Nennung ihres Lieblingsarbeitgebers sollten die angehenden IT-Profis noch einige weitere Fragen beantworten zum Beispiel, mit welchem Anfangsgehalt sie rechnen. In diesem Jahr sind es 42 600 Euro, 800 Euro mehr als im Vorjahr. Trendence-Fachmann Viel begründet diesen Anstieg damit, dass die Absolventen die Diskussion um den Fachkräftemangel sehr wohl mitbekommen haben und entsprechend selbstbewusst mehr Geld fordern. Realistisch ist entsprechend die Einschätzung, wie hoch die Arbeitszeit sein wird. Hier sind die Werte in den letzten Jahren kontinuierlich auf 43,6 Stunden (2005: 43 Stunden, 2006: 43,4 Stunden) gestiegen.

Insgesamt sind die Erwartungen der Studenten nach oben gegangen, dies sei eindeutig zu beobachten, so Viel. Neben dem höheren Gehalt erwarten die Absolventen konkrete Antworten zum Thema Work-Life-Balance. Personaler, die hier ins Stottern geraten, haben schon verloren. In dieses Bild passt auch, dass die Jobsicherheit an Bedeutung verloren hat, "lebenslang", also die Firma, die einen bis zur Rente ernährt, wird nicht mehr erwartet. Die Absolventen rechnen damit, dass sie vier Jahre beim ersten Arbeitgeber bleiben und im Laufe ihres Berufslebens bei sechs Firmen beschäftigt sind.

Um die Stimmung unter den Einsteigern besser erfassen zu können, hat Trendence zusätzlich einen Optimismus-Index entwickelt. Das ist ein Indikator der Zuversicht der Hochschulabsolventen bezüglich ihrer Jobaussichten. Er errechnet sich aus verschiedenen Parametern, die im Rahmen des Absolventenbarometers erhoben werden (Anzahl an Bewerbungen, die die Absolventen glauben schreiben zu müssen, Dauer der Jobsuche, etc.). Die theoretisch höchste Marke von 100 symbolisiert eine Überhitzung des Marktes; in einem solchen Marktumfeld würde jeder Absolvent innerhalb kürzester Zeit mit minimalem Aufwand eine Anstellung finden. Auch dieser Wert ist kontinuierlich von 69 auf 76 gestiegen.