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04.06.1999 - 

Kolumne

"Alles für ein Foto"

Die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg haben für ein Foto mit dem reichsten Mann der Welt die DV-Entwicklung ihrer Länder und teilweise die ihrer Verwaltungen von Microsoft abhängig gemacht.

Angesichts der breit gefächerten Vorhaben, greift das Wort von der "Abhängigkeit" noch zu kurz. Beispielsweise sind in dem Abkommen zwischen Rheinland-Pfalz und Microsoft Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramme für Schulen und Hochschulen oder die Vernetzung von Dienststellen in der öffentlichen Verwaltung vorgesehen.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Clement stilisierte den Vertrag mit Microsoft "zu einem weiteren wichtigen Baustein für das Medien-und Kommunikationsland" NRW. Schließlich sollen die Redmonder den Westfalen zeigen, wie E-Commerce funktioniert. Ein neues E-Commerce-Zentrum in Dortmund wird komplett mit Microsoft-Produkten ausgestattet, anhand derer Führungskräfte aus Wirtschaft, Städten und Gemeinden lernen sollen, was moderne Software ist.

Durch Abkommen dieser Art wird Microsofts Rolle mit der von regionalen Energieversorgern vergleichbar. Beide genießen Gebietsschutz - der Strom kommt aus der Steckdose und die Textverarbeitung jedes Beamten und Studenten von Microsoft. Allerdings mit einem Unterschied: Von ihren Versorgern verlangen die Landespolitiker inzwischen, daß sie Konkurrenz zulassen.

Besser kann es für Microsoft nicht laufen. Die Verträge räumen dem Softwaregiganten das Recht ein, die Landesverwaltungen mit Software auszustatten. Im Gegenzug sparen die Minister ein paar Mark Lizenzkosten und können sich in der Lokalpresse als die großen Modernisierer feiern lassen.

Wenn Marketing immer so einfach wäre?! Aber selbst die Microsoft-Manager dürften wissen, daß sich solche Deals nur mit völlig Unbedarften abschließen lassen, die darüber hinaus niemals öffentlich zugeben würden, daß sie keine Ahnung haben. Schließlich müssen sie als Ministerpräsidenten immer wieder nachweisen, daß sie wissen, worauf es beim Strukturwandel zur modernen IT-gestützten Dienstleistungsgesellschaft ankommt. Daß sie mit Microsoft den Bock zum Gärtner machen, der vor allem im Bereich IT eher innovationshemmend als -fördernd wirkt, werden sie erst viel später begreifen.